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Wieder Bauen in der zweiten Reihe

An der Robert-Koch-Straße in Radebeul ist ein Gartenhaus abgerissen worden. Jetzt soll dort ein Wohnhaus entstehen. Nachbarn protestieren dagegen.

Ein kleines Gartenhaus (Foto) wurde abgerissen, ein größeres Wohnhaus soll dort gebaut werden. Die Nachbarn beschweren sich über das Bauen in der zweiten Reihe.
Ein kleines Gartenhaus (Foto) wurde abgerissen, ein größeres Wohnhaus soll dort gebaut werden. Die Nachbarn beschweren sich über das Bauen in der zweiten Reihe. © privat

Radebeul. Es ist das mittlerweile typische Beispiel für Radebeul, die eigentliche Gartenstadt. Immer mehr Gärten verschwinden. Das jüngste Objekt von Bauwilligen ist ein Grundstück an der Robert-Koch-Straße 8. Die nördlichen Nachbarn in der Oberen Bergstraße haben sich an die SZ gewandt und protestieren dagegen.

Architekt Kay Wenzel, einer der Nachbarn, schreibt: „Nach den Auseinandersetzungen um die Neubebauung am Augustusweg hat die Stadt die Aufstellung einer Erhaltungssatzung für die Gebiete Ober- und Niederlößnitz beschlossen. Man könnte denken, dass bezüglich der Bebauung von Grundstücken die Stadtverwaltung hinsichtlich dieser Problematik bei zukünftigen Bauprojekten genau hinschaut. Dass nun in der Robert-Koch-Straße 8 der Vorbescheid für eine Wohnbebauung in zweiter Reihe genehmigt worden ist, macht deutlich, dass ein Lernprozess hier noch nicht stattgefunden hat.“

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Es gibt Fotos mit dem Gartenhaus

Die Nachbarn haben vorher Fotos gemacht. Auf denen ist ein kleines Gartenhaus zu sehen, Büsche und Bäume drumherum. Weder das kleine Häuschen noch die Gehölze gibt es noch. In den letzten Tagen wurde beides mit Bagger abgerissen.

Torsten Kupke, auch einer der Nachbarn, sagt: „Wie wir gehört haben, will sich hier eine Familie ansiedeln, was ja legitim ist. Aber wir sehen bei Abriss und Baugeschehen auch die gesunden großen Bäume auf unserem Wohngrundstück in Gefahr. Deren Wurzeln reichen nämlich bestimmt bis zum Nachbarn.“

Wenzel gibt außerdem zu bedenken: „Wenn man sich das schmale Grundstück ansieht und bedenkt, dass zu den Grundstücksgrenzen mindestens drei Meter Abstand frei gehalten werden muss, kann man sich leicht vorstellen, dass sich die Gebäudekubatur als langer Riegel mit maximaler Ausnutzung der Grundstücksfläche darstellen wird.“

Die schmale Zufahrt ist von der Robert-Koch-Straße.
Die schmale Zufahrt ist von der Robert-Koch-Straße. © Peter Redlich

Der Architekt wisse freilich, dass es für dieses Gebiet keinen Bebauungsplan gibt, der seitens der Stadt vorschreibt, was errichtet werden darf. Hier werde nach Paragraf 34 gebaut, und der besagt lediglich, dass es sich in die Umgebung einzufügen habe. Und genau darauf verweist auch der Leiter der Radebeuler Bauaufsicht, Ulrich Schröder, in seiner Antwort auf die SZ-Nachfrage. „Auch wenn es die Zufahrt an der Robert-Koch-Straße besitzt, ist es lagemäßig der Finsteren Gasse zuzuordnen und dort also straßenbegleitend eingeordnet. Es handelt sich daher gerade nicht um eine Hinterland-Bebauung, die eine zweite Baureihe eröffnet.“

Der Paragraf 34 Baugesetzbuch sei insofern eindeutig und seine Anwendung liege eben gerade nicht im Ermessen der zuständigen Behörde. Ist ein Bauvorhaben zulässig, ist die Genehmigung zwingend zu erteilen. Das versuche die Baubehörde in Gesprächen und Publikationen immer wieder zu vermitteln, stoße damit allerdings in der Nachbarschaft von genehmigten Bauvorhaben auf wenig Verständnis – zumindest solange der Nachbar nicht selber bauen möchte, sagt der Bauaufsichtsamtschef.

Bislang geht es bei der Robert-Koch-Straße 8, die an der Finsteren Gasse liegen soll, nur um einen Vorbescheid. Die potenziellen Bauherren werden nicht bekannt gegeben. Ulrich Schröder sagt immerhin: „Hier hat jemand getestet, was geht. Wenn der Bauantrag eingereicht wird, werden wir genau schauen, was hier passt.“ Möglicherweise helfe auch die Erhaltungssatzung, die gerade für das Villengebiet Niederlößnitz aufgestellt wird. Die Bauaufsicht verweist auch darauf, dass die benachbarten Grundstückseigentümer zu dem Vorbescheid keinen Widerspruch eingelegt haben.

Nachbar Wenzel dazu: „Bisher wurde das Grundstück Robert-Koch-Straße 8 als Wochenendgrundstück genutzt. Der Bungalow war mit einem flach geneigten Dach versehen und störte nicht. Wir möchten zumindest erreichen, dass die Stadt hinsichtlich der Traufhöhe, der Dachneigung, der Unterkellerung und der Anordnung und Dimensionierung von Gauben dem Bauvorhaben klare Grenzen setzt.“ Den Nachbarn gehe es darum, dass die Stadt hinsichtlich des anstehenden Baugenehmigungsverfahrens auf die Baukubatur, die Ausnutzung der Grundstücksfläche und den auf dem Nachbargrundstück vorhandenen alten Baumbestand Rücksicht nehmen solle.

Die Lage des Grundstückes, welches eine Zufahrt von der Robert-Koch-Straße hat, von der Baubehörde aber der Finsteren Gasse zugeordnet wird.
Die Lage des Grundstückes, welches eine Zufahrt von der Robert-Koch-Straße hat, von der Baubehörde aber der Finsteren Gasse zugeordnet wird. © openstreetmap.de

Weiter östlich gibt es einen B-Plan

Etwas weiter östlich, entlang der Schweizerstraße, so der jüngste Beschluss aus dem Stadtrat soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Das Ziel: Kein Bauen in der zweiten Reihe. Bis der Plan steht, gibt es im umrissenen Gebiet sogar eine Veränderungssperre, die besagt, dass gar nichts gebaut oder verändert werden darf.

Auf die Robert-Koch-Straße bezogen sagt Bauaufsichtsamtsleiter Schröder: Im vorliegenden Fall lag die Genehmigung des Bauvorbescheides deutlich vor dem Aufstellungsbeschluss zur Erarbeitung einer Erhaltungssatzung. Allerdings wäre selbst bei Vorliegen einer solchen Satzung in diesem Areal die Bebauung des Grundstückes mit einem Einfamilienhaus sehr wahrscheinlich möglich. Das vorherige Wochenendhaus besitzt in diesem Bereich keine prägende Bedeutung und ist unter städtebaulichem Aspekt damit wohl kaum erhaltungswürdig. Auch gibt es keinen wirklichen Grund, eine vorhandene Baulücke längs des bereits mit Wohngebäuden bebauten Weges Finstere Gasse frei zu halten.

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Neu ist allerdings: Dieser Bereich der Finsteren Gasse soll wieder von einer öffentlichen Straße in einen Wanderweg herabgestuft werden. Doch auch das bringe keine andere Sicht auf dortige Bauabsichten, sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) auf SZ-Nachfrage. Auch wenn es nur ein Weg ist, sei begleitende Bebauung möglich. Entscheidend sei, dass die Erschließung von der Robert-Koch-Straße möglich ist. Ob Nachbarschaftsrecht beschädigt würde, so Müller, werde beim noch ausstehenden Bauantrag geprüft, notfalls auch von der übergeordneten Behörde, der Landesdirektion.

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