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Bislang nur wenige Insolvenzen im Landkreis

Die Wirtschaftsförderung Region Meißen kennt die Situation vieler Firmen - für die nächste Zeit sieht sie nicht schwarz.

Erst im April ist Nudossi von der Lebensmittel-Zeitung zur Top-Marke 2020 gekürt worden. Der Hersteller der Nussnougatcreme, das Radebeuler Werk der Sächsischen und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH, verzeichnet trotz Corona steigende Umsätze.
Erst im April ist Nudossi von der Lebensmittel-Zeitung zur Top-Marke 2020 gekürt worden. Der Hersteller der Nussnougatcreme, das Radebeuler Werk der Sächsischen und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH, verzeichnet trotz Corona steigende Umsätze. © Arvid Müller

Landkreis. Sascha Dienel ist der Geschäftsführer der der Wirtschaftsförderung Region Meißen GmbH. Die Gesellschaft sieht sich als Partner für alle Unternehmen, die bereits im Landkreis Meißen tätig sind oder die eine Geschäftstätigkeit hier aufnehmen möchten. Sie unterstützt die Sicherung und Entwicklung von Unternehmen und Ansiedlungswünsche. Wie er die Situation der Wirtschaft im Landkreis in den ersten drei Quartalen des Jahres sieht, erfragte die SZ bei Sascha Dienel.

Wie haben sich die Insolvenzen im Zuge der Corona-Epedemie entwickelt?

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Bis 30. September war die Insolvenzantragspflicht coronabedingt ausgesetzt. Wir selbst prüfen regelmäßig die Insolvenzbekanntmachungen und nehmen gegebenenfalls Kontakt zu den Insolvenzverwaltern beziehungsweise zu den Inhabern auf, um zu prüfen, ob wir Hilfestellung bieten können oder auch Investoren für ansässige Unternehmen gesucht werden. In den letzten Monaten haben wir nur wenige Insolvenzen im Landkreis Meißen wahrgenommen. Wir können aktuell noch nicht einschätzen, wie sich das Bild in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird.

Welche Branchen sind besonders von der Entwicklung betroffen?

Insbesondere die Einnahmen bei Reisebüros, Veranstaltungshäusern und -unternehmen bzw. damit verbundenen Betrieben oder Hotel- und Gastronomiebetrieben sind zum Teil erheblich eingebrochen und nicht überall ist ein Ausblick vorhanden, dass rasch eine Änderung eintritt. Zahlreiche Unternehmen aus dem Landkreis haben die Corona-Hilfsgelder beantragt und somit Liquidität erhalten. Die Einnahmeausfälle können damit aber nicht kompensiert werden. Wer keine ausreichenden Rücklagen vor der Coronakrise bilden konnte und in den betroffenen Branchen tätig ist, wird gewiss die nächste Zeit prüfen, inwiefern sein Geschäftsmodell Bestand haben wird. Es ist somit nicht auszuschließen, dass einige Insolvenzmeldungen auch in unserer Region zu lesen sein werden.

Sascha Dienel leitet die Gesellschaft in der sich der Kreis, die Sparkasse und die Kommunen zusammengeschlossen haben.
Sascha Dienel leitet die Gesellschaft in der sich der Kreis, die Sparkasse und die Kommunen zusammengeschlossen haben. © Andreas Weihs

Wie ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis zu sehen?

Damit Mitarbeiter nicht entlassen werden müssen, konnten über die Agentur für Arbeit Kurzarbeitergelder beantragt werden. Die Arbeitslosenquote hat sich im Verhältnis zum letzten Jahr etwas erhöht - von 5,0 auf 6,0 Prozent im August 2019 bzw. 2020. Von großen Entlassungen wurden wir bisher aber verschont. Bedingt, dass viele Unternehmen nach wie vor Fachkräfte suchen und in den nächsten Jahren auch zahlreiche Fachkräfte altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden werden, hoffen wir auf einen weiterhin moderaten Verlauf in unserer Region. 

Wenn es Entlassungen geben wird, kommen die betroffenen Arbeitskräfte dann hoffentlich zeitnah wieder in ein neues Anstellungsverhältnis. Auf unserem Karriereportal für den Landkreis Meißen - AIR Meißen/Arbeiten in der Region - www.air-meissen.de - sind aktuell mehr als 500 offene Stellen aufgeführt. Somit suchen in der derzeitigen Situation ansässige Unternehmen Arbeitskräfte.

Ist die Corona-Zeit intern in den Firmen auch genutzt worden?

Es gibt viele Unternehmen, welche die Krisenzeit für neue Projekte oder interne Umstellungen nutzten. Wir haben zahlreiche Beratungen in den letzten Wochen zu Fördermöglichkeiten für Investitionsvorhaben geführt. Mit der GRW-Förderung - Investitionszuschüssen - und dem Programm „Regionales Wachstum“ stehen über die Sächsische AufbauBank zwei Förderprogramme zur Verfügung, welche Investitionen mittels eines Zuschusses unterstützen.

Liegen Untersuchungen vor, die einen Ausblick in die Zukunft erlauben?

Statistische Auswertungen zur Entwicklung und Auswirkung der Corona-Krise haben wir nicht. Unsere Arbeit konzentriert sich auf die direkte Unterstützung der ansässigen Unternehmen. Wir sind uns bewusst, dass wir aufgrund der Unternehmensgröße der Wirtschaftsförderung Region Meißen GmbH nur einen gewissen Einblick erhalten. Aber auch die Gespräche mit unseren Gesellschaftern - den Bürgermeistern der Kommunen im Landkreis - verdeutlichen uns, dass aktuell kein Grund besteht, die nächsten Monate „schwarz zu malen“ -, auch wenn hier und da die Gewerbesteuereinnahmen sinken werden.

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