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Radsport trauert erneut

Daan Myngheer hat den Kampf um sein Leben verloren. Er starb mit 22 Jahren. Myngheer ist der zweite tote belgische Radprofi binnen kürzester Zeit.

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Berlin. Der Radsport trauert um den zweiten toten Profi binnen 24 Stunden. Am Tag der Nachricht vom Tod des 25 Jahre alten Antoine Demoitié nach einem Unfall mit einem Begleitmotorrad starb dessen belgischer Landsmann Daan Myngheer. Der 22-Jährige hatte am Samstag auf Korsika einen Herzstillstand erlitten. Am Montagabend starb er in einem Krankenhaus in Ajaccio. „Er hat sein letztes Rennen verloren, nachdem er gekämpft hat wie ein großer Champion“, schrieb sein Rennstall, das französische Zweitliga-Teams Roubaix ML.

Er hatte am Samstag auf Korsika einen Herzstillstand erlitten.
Er hatte am Samstag auf Korsika einen Herzstillstand erlitten. © dpa

Myngheer hatte am Samstag etwa 25 Kilometer vor dem Ziel beim Critérium International auf Korsika über Unwohlsein geklagt und sich aus einem abgeschlagenen Fahrerfeld zurückfallen lassen. Das hatten seine Teamkollegen berichtet. Als er anhielt, brach er zusammen und musste vom medizinischen Dienst reanimiert werden. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Am Samstag waren die Teamfahrzeuge und die Hotelzimmer von der Polizei durchsucht worden.

Myngheer sei um 19.08 Uhr am Ostermontag gestorben, teilte sein Rennstall mit. Seine Familie und seine Lebensgefährtin seien bei ihm gewesen. Um anderen noch das Leben zu retten, soll er Medienberichten zufolge wie auch Demoitié verfügt haben, seine Organe zu spenden. Myngheer fuhr im vergangenen Jahr noch für das Verandas Willems Cycling Team, ehe er zu Roubaix Lille Métropole wechselte.

Prominente Todesopfer im Radsport

Annefleur Kalvenhaar (Niederlande, 2014)

Die niederländische Mountainbikerin stürzt auf der Weltcup-Strecke im französischen Méribel und stirbt im Krankenhaus.

Kristof Goddaert (Belgien, 2014)

Der belgische Radprofi verunglückt bei einem Trainingsunfall tödlich. Der 27-Jährige kommt auf Straßenbahnschienen zu Fall und wird von einem hinter ihm fahrenden Bus überfahren.

Iñaki Lejarreta (Spanien, 2012)

Der Landesmeister im Mountainbike wird beim Training in der Nähe der baskischen Kleinstadt Durango von einem Auto angefahren und tödlich verletzt.

Wouter Weyland (Belgien, 2011)

Nach einem Sturz beim Giro d’Italia stirbt der 26 Jahre alte Sprinter an seinen Kopfverletzungen.

Isaac Gálvez (Spanien, 2006)

Der 31-Jährige stirbt nach einem Sturz beim Sechstagerennen von Gent. Er war mit dem belgischen Fahrer Dimitri De Fauw kollidiert und in eine Balustrade gefallen.

Amy Gillett (Australien, 2005)

Einen Tag vor dem Start der Thüringen-Rundfahrt wird die Rennfahrerin beim Training von einem Auto erfasst und tödlich verletzt. Eine 18 Jahre alte Fahranfängerin hatte die Kontrolle über ihren Wagen verloren.

Fabrice Salanson (Frankreich, 2003)

Am Morgen vor dem Start der Deutschland-Tour in Dresden stirbt der 23-Jährige in seinem Hotel an Herzversagen.

José Maria Jiménez (Spanien, 2003)

Der „Bergkönig“ stirbt mit 32 Jahren überraschend an Herzversagen. Wegen Depressionen hatte er sich kurz zuvor aus dem Profi-Radsport zurückgezogen.

Andrej Kiwiljow (Kasachstan, 2003)

Er stürzt auf der zweiten Etappe der Fernfahrt Paris-Nizza und zieht sich tödliche Kopfverletzungen zu. Danach wird die Helmpflicht für Profis eingeführt.

Ricardo Ochoa (Spanien, 2001)

Beim Training wird der Radprofi nahe Malaga von einem Auto erfasst und getötet. Sein Zwillingsbruder Javier überlebt den Unfall schwer verletzt.

Fabio Casartelli (Italien, 1995)

Der Olympiasieger stürzt bei der Tour auf der Abfahrt in den Pyrenäen und rast in die Straßenbegrenzung aus Beton. Er erliegt seinen Kopfverletzungen.

Tom Simpson (England/1967)

Beim Aufstieg auf den Mont Ventoux bricht der Brite bei der Tour bei glühender Hitze tot zusammen. Die Autopsie ergibt: Simpson hatte einen Cocktail aus Alkohol und Amphetaminen im Körper.

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„Wieder ein tragischer Verlust“, twitterte der britische Sprinterstar Mark Cavendish und schrieb von „schrecklichen“ Tagen. „Schwarzes Oster-Wochenende“, twitterte das Team Katusha.

Am Tag des Beginns der „Drei Tage von Panne“ hielt der Radsport erst einmal inne. Die Verantwortlichen von Demoitiés Rennstall Wanty-Groupe Gobert sagten die Teilnahme an dem Rennen ab. Am Sonntag war ihr Fahrer beim Frühjahrs-Klassiker Gent-Wevelgem tödlich verletzt worden. Der Unfall mit einem Motorrad löste erneut Diskussionen um die Sicherheit bei Radrennen aus. (dpa)