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Ranklotzen fürs Inselfest

Dutzende Freiwillige helfen, die Bühne für Matthias Reim und Glasperlenspiel zu bereiten – und kämpfen dabei mit Widrigkeiten.

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© Sebastian Schultz

Von Eric Weser

Röderaue. Plitsch, platsch. Dieses Geräusch hört Jürgen Thiele gar nicht gerne. In Gummistiefeln muss der Mitorganisator des Frauenhainer Inselfestes quer über die Festwiese stapfen, um trockenen Fußes dorthin zu gelangen, wo in sieben Tagen Matthias Reim Tausende Konzertbesucher zum Feiern bringen soll. „Dass es hier vorm Fest so geschüttet hat, hab’ ich noch nicht erlebt“, sagt der 65-Jährige.

Jürgen Thiele, Mitorganisator Inselfest Frauenhain
Jürgen Thiele, Mitorganisator Inselfest Frauenhain © Lutz Weidler

Es ist Freitagnachmittag in Frauenhain und noch genau eine Woche bis zum 34. Inselfest. Wenige Tage, in denen alles aufgebaut werden muss – vor allem das 60 mal 30 Meter große Festzelt, in dem dieses Jahr erstmals die großen Konzerte steigen werden. Bis zu 3 000 Besucher sollen in der mobilen Halle geschützt vor Wind und Wetter die Auftritte des Pop-Duos Glasperlenspiel („Geiles Leben“) am Freitag und von Matthias Reim („Verdammt, ich lieb’ Dich“) am Sonnabend verfolgen können.

Den Aufbau des riesigen Konzert-Zeltes stemmen derzeit Dutzende Ehrenamtliche aus Frauenhain unter Anleitung von Richtmeister Georg Veit. Eine Konstruktion aus Alu bildet das Grundgerüst. Jeden der sogenannten Binder mussten die Helfer aus zig Einzelteilen am Boden zusammenmontieren. Trotz des Leichtmetalls ist jeder der zwölf Binder so schwer, dass er nur mit einem Kran in die Senkrechte gehoben werden kann. Trotz durchnässter Festwiese muss die schwere Technik am Sonnabend anrücken. In der heißen Phase vorm Inselfest ist nicht nur Kraft gefragt, sondern auch jede Menge Köpfchen.

Im Technikgebäude hat Mitorganisator Kai Thiele Station bezogen. Per Laptop und Internet hält der 42-Jährige von hier aus die organisatorischen Fäden zusammen, korrespondiert zum Beispiel mit den Managements der Künstler. Flugzeiten abgleichen, Transfers ins Hotel prüfen. Von der richtigen Bühnentechnik bis zur Beköstigung der Stars und deren Team – alles muss Thiele koordinieren. Und das bis zum Schluss. „Man kriegt bis zum letzten Tag E-Mails“, sagt Kai Thiele. Wie fast alle, die am Freitag auf dem Festgelände zugange sind, investiert der Mitorganisator seine Freizeit ins Inselfest. Viele Freiwillige haben Urlaub genommen, um mit anzupacken. Anders würde es auch nicht gehen. Getränke, Essen, eine kleine Dankeschön-Veranstaltung – mehr ist für die engagierten Helfer nicht drin, damit die Kosten im Rahmen bleiben.

Ohnehin hatte die Gemeinde Röderaue, deren hundertprozentige Tochterfirma Visio als Festveranstalter fungiert, in den letzten Jahren mit dem Inselfest Defizite eingefahren. Durch ein umgemodeltes Festkonzept soll sich das ändern: Eintritt für den Inselfest-Jahrmarkt mit Schaustellern und Händlern muss kein Besucher mehr zahlen, nur noch die Tickets für die Konzerte und Veranstaltungen im Riesen-Zelt wie das Reim-Konzert kosten Geld – wenn auch etwas mehr, als man es vom Inselfest gewohnt ist. Die günstigen Dreitages-Tickets von einst gibt es gar nicht mehr.

Ob dieser Kurswechsel gelingt, steht in den Sternen. Kai und Jürgen Thiele hoffen es. Zumal man alles getan habe, um die Veranstaltung bewerben. „Jetzt haben es die Besucher in der Hand“, sagt Inselfest-Urgestein Jürgen Thiele. Und sein Sohn Kai schiebt hinterher. „Wir sind optimistisch.“ Und siehe da, die Sonne kommt raus und der Wind frischt auf. Bestes Wetter, damit die pitschnasse Festwiese trocknen kann.

Karten für die Konzerte von Glasperlenspiel und Matthias Reim gibt im Vorverkauf unter anderem im SZ-Treffpunkt, Hauptstraße 56, Riesa.