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Raritäten aus dem Kirnitzschtal

Im Technischen Denkmal Neumannmühle lockt eine neue Ausstellung. Alles dreht sich um den Holzschliff.

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© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

Kirnitzschtal. Wo hätte die Ausstellung zum 200. Geburtstag von Friedrich Gottlob Keller wohl besser hingepasst, als ins Technische Denkmal Neumannmühle im Kirnitzschtal. Hier steht die älteste, im Originalzustand erhalten gebliebene, Holzschliffanlage der Welt. Auch das venezianische Sägegatter bringt es mit seinen über 450 Jahren auf eine stattliche Jahreszahl und gilt ebenfalls mit als Einziges erhalten gebliebene seiner Art.

Für den Unterricht: Informationen zur Papierherstellung gibt es viele. Sie lassen sich auch in den Unterricht mit einbauen.
Für den Unterricht: Informationen zur Papierherstellung gibt es viele. Sie lassen sich auch in den Unterricht mit einbauen. © Dirk Zschiedrich
Funktionierende Technik: Die historische Technik im Technischen Denkmal kann auch aus außerhalb der Schau bestaunt werden.
Funktionierende Technik: Die historische Technik im Technischen Denkmal kann auch aus außerhalb der Schau bestaunt werden. © Archivfoto: Daniel Förster
Exkurs in die Geschichte: Bereits am Eingang zum Technischen Denkmal werden die Besucher mit Informationstafeln begrüßt.
Exkurs in die Geschichte: Bereits am Eingang zum Technischen Denkmal werden die Besucher mit Informationstafeln begrüßt. © Dirk Zschiedrich

Hier am traditionellen Ort des Holzschliffs und der Papierherstellung gibt es bis Ende Oktober eine neue Sonderausstellung zu sehen. Diese widmet sich dem Leben von Friedrich Gottlob Keller, dem Erfinder des Holzschliffs und Wegbereiter der modernen Papierproduktion. Schon seit Monaten sind die Mitglieder des Fördervereins auf den Beinen, um Dinge für die Ausstellung zu organisieren. Unterstützt wurden sie finanziell von der Stiftung Kunst und Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Aber auch Leihgaben aus dem Kellermuseum in Krippen und dem Stadtmuseum Bad Schandau stehen nun im Kirnitzschtal. Darüber freut sich Manfred Heerlein, der Vereinschef, besonders. Denn so ist es gelungen, den Nachbau des Kellerschen Holzschleifers von 1845 zur präsentieren, sozusagen als Herzstück der Ausstellung. Auf den verschiedenen Tafeln wird den Besuchern erläutert, wie genial die Erfindung Kellers war.

Eine weitere Tafel befasst sich mit der Entwicklung des Holzschliffs von Keller bis in die jetzige Zeit der Papierherstellung. Hanswerner Kögler war dafür verantwortlich. Er hat jede Menge Texte und Fotos zusammengetragen und diese aufbereitet. „Die Ideen dazu hatte ich schon im Herbst. Im Winter habe ich dann daran gearbeitet“, sagt Hanswerner Kögler. In der Firma Schrift & Werbung in Bad Schandau wurden die Tafeln hergestellt. Bernd Adam, ebenfalls schon lange im Technischen Denkmal tätig ist, sorgte unterdessen mit dafür, dass sie die Maschinen nicht ihren Geist aufgeben, sondern auch während der Sonderausstellung den Besuchern vorgeführt werden können. Neben dem geschichtlichen Exkurs in die Zeit als die Wasserkraft der Kirnitzsch die Maschinen in Bewegung hielten, können sich die Besucher auch über die neuzeitliche Papierherstellung informieren.

In Zusammenarbeit mit dem Verband deutscher Papierfabriken konnte Manfred Heerlein auch von dort einige Informationstafeln ordern. Auf diesen erfahren die Besucher mehr über die heutige Papierproduktion. Die Tafeln wurden so aufbereitet, dass sie auch für Kinder interessant sind und in den Unterricht mit einbezogen werden können. Speziell für Kinder gibt es auch noch ein Quiz und Ausmalhefte.

Die Ausstellung selbst hat bis zum Ende der Saison am 31. Oktober geöffnet. Einen Höhepunkt gibt es am 25. Juni zum Deutschen Wandertag . Da werden alle Vereinsmitglieder, Freunde, Unterstützer, Förderer und die, die es werden wollen, sind ab 10 Uhr zur „Geburtstagsparty“ für Friedrich Gottlob Keller eingeladen. Die Aktiven des 116. Deutschen Wandertages sind genauso herzlich willkommen. Ab 10 Uhr werden an diesem Tag Studenten der TU Dresden vor Ort sein und das Papierschöpfen demonstrieren. Im nächsten Jahr übrigens wird sich der Verein einer weiteren Persönlichkeit widmen, und zwar Robert Sputh, der sich vor 125 Jahren den Bierdeckel patentieren ließ.