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Rauschwalde will mit einem Fest in den Frühling starten

Der Bürgerrat des Stadtteils hat Pläne. Doch die nehmen die Einwohner kaum zur Kenntnis.

© Stadt Görlitz

Von Sebastian Beutler

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Den Frühling sehnen sich sicher viele Görlitzer bereits herbei. Dieses Gefühl könnte beim Rauschwalder Bürgerrat noch ein bisschen stärker ausgeprägt sein. Denn erstmals soll in diesem Frühjahr ein Stadtteilfest in dem westlichen Görlitzer Stadtviertel gefeiert werden: der „Rauschwalder Frühling“ rund um die Diskothek „Zwei Linden“. Vorerst ist dafür der 5. Mai vorgesehen. Damit reagiere der Bürgerrat, so erläuterte Christiane Schulz am Dienstag bei der öffentlichen Stadtteilsitzung, auf die Wünsche der Einwohner. „Vereine könnten sich bei dem Fest vorstellen“, umreißt die 41-Jährige das Anliegen, „auch Händler haben ihre Beteiligung bereits zugesagt“. Es ist nur ein Projekt, das der Bürgerrat in diesem Jahr plant: Frühjahrs- und Herbstputzaktionen stehen genauso im Jahresplan wie eine Fotoausstellung „Historisches Rauschwalde“, die Teilnahme an Festen in der Wohnanlage der Lebenshilfe sowie im Pflegestift auf der Liststraße oder beim ASB-Samaritertag.

Schon in den vergangenen zwei Jahren hatte der Bürgerrat ähnliche Vorhaben verwirklicht. Dazu kamen noch neue Abfallbehälter, um den Hundehaufen entgegenzuwirken, ein Themenabend zu Ordnung und Sicherheit mit dem Bürgerpolizisten, die Neubepflanzung zweier Pflanzbehälter vor den „Zwei Linden“, eine Vortragsreihe über das „Historische Rauschwalde“ und vor allem ein neues Spielgerät für die Kindertagesstätte „Himmelszelt“. Die Vielzahl der Aktivitäten rief bei der früheren SPD-Stadträtin Johanna Lange ehrliches Erstaunen hervor. „Ich bin sprachlos“, sagte sie. „Nie hätte ich gedacht, dass so viel passiert sei.“ Zwar konnten einige vorgeschlagene Ideen nicht verwirklicht werden, wie zum Beispiel eine Hundetoiletten-Station für Rauschwalde oder die Aufarbeitung des Kräutergartens im Carolus-Krankenhaus. Andere übersteigen die finanziellen Möglichkeiten des Bürgerrates, wie die Einrichtung einer öffentlichen Toilette in Rauschwalde. Für das Pflanzen eines Baumes für jeden neu geborenen Einwohner fehlt wiederum schlichtweg der Platz. Und doch fiel die Bilanz vor den 18 Rauschwaldern am Dienstag positiv aus. Wenn nicht ein Problem bestünde. „Man muss schon wissen, was wo ist“, kritisierte Johanna Lange. „Ich habe noch nie was vom Bürgerrat gehört.“ Zwar hat der einen Schaukasten bei der Bäckerei Dreißig an der Reichenbacher Straße, führt auch einmal am Mittwoch eine Sprechstunde in der Bäckerei durch. „Aber meistens saßen wir da alleine zusammen“, beschreibt Christiane Schulz die Situation. Auch Oberbürgermeister Siegfried Deinege sieht dieses Problem. „Alle Bürgerräte stehen vor der Frage, wie bekommt man die Bürger dazu.“ Fertige Antworten hat dafür niemand. So steht das Engagement der Bürgerräte in krassem Gegensatz zur Beteiligung der Bürger. 18 von über 6 000 Einwohnern in Rauschwalde kamen am Dienstag überhaupt nur zum Treffen, vor einem Jahr waren es noch rund 60, zur Gründung 27. Sicher, es sind Ferien, und manch einer scheut größere Treffen wegen der Grippe. Doch trägt die fehlende Wertschätzung nicht dazu bei, mehr Menschen für die ehrenamtliche Mitarbeit zu gewinnen. Zwar stellten sich Christiane Schulz und der 63-jährige Wolfgang Duschek, der sich vor allem für die Geschichtsschreibung von Rauschwalde engagiert, wieder zur Wahl. Doch die bisherigen Räte Barbara Thierbach und Philipp Wiesner verzichteten ursprünglich darauf, zwei weitere Jahre mitzuwirken. Weil aber ein Bürgerrat aus mindestens drei Mitgliedern besteht, erklärte sich der 30-jährige Philipp Wiesner doch noch mal bereit, zwei Jahre mitzuarbeiten. „Es wäre schon schade, das ganze Projekt nach zwei Jahren wieder fallen zu lassen.“ Schließlich entschloss sich Frank Noll spontan, ebenso im neuen Bürgerrat mitzuarbeiten. Der 55-Jährige Koch, der seinen Beruf wegen einer Erkrankung nicht mehr ausüben kann, ist schon jetzt in der ehrenamtlichen Arbeit mit Behinderten tätig.

Die vier wollen sich nun auch noch einmal überlegen, ob ein Stadtteilladen für Rauschwalde sinnvoll wäre. In einem leer stehenden Geschäft bei den „Zwei Linden“ könnte ein solcher Treffpunkt eingerichtet werden. Aber es mangelt am Geld für die Miete, und OB Deinege warnte auch vor den Herausforderungen eines solchen Treffpunktes: Allein die Öffnungszeiten stellen das Ehrenamt auf eine harte Probe. Dagegen glaubt Barbara Thierbach, dass so ein Laden zum Treff für Senioren- und Frauenvereine werden könnte. Ebenso offen ist, ob Obst- und Gemüsehändler gewonnen werden können, einen Tag in der Woche an den Linden einen Markt abzuhalten. Wahrscheinlicher ist der Fall, dass der Kiosk vor den Linden bald wieder eröffnet. Auch mit einem Obst- und Gemüseangebot. Vielleicht schon im Frühling.

Der Bürgerrat Biesnitz trifft sich zu seiner Bürgerversammlung heute, 18 Uhr, im Rosenhof.