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Reibeisen-Asphalt für Unfallkurve

Bisher hieß es immer, die Fahrbahn sei nicht rutschig. Dabei sagt ein Blick auf die Leitplanken zwischen Sebnitz und Ulbersdorf alles.

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© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

Ulbersdorf. Die Pendler, die täglich in Richtung Ulbersdorf oder zurück fahren, werden es schon bemerkt haben: Der Asphalt auf der S 165 in der Kurve kurz nach Ulbersdorf wurde unlängst aufgeraut. Hier kam es in letzter Zeit immer wieder zu Unfällen, teils auch zu ziemlich schweren.

Hinter vorgehaltener Hand wurde vermutet, dass vielleicht doch der Asphalt zu glatt und vor allem bei Nässe zu rutschig gewesen sei. Offizielle Stellen dementierten das immer wieder. Dennoch schrammten bei nasser Fahrbahn offenbar immer wieder Autos die Leitplanken. Die meisten Unfälle liefen mit Blechschäden ab. Allerdings wurden in der Kurve auch einige Personen bei Unfällen verletzt.

Noch vor wenigen Monaten, im Sommer 2015, hatte der damalige Leiter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr festgestellt, dass die Griffigkeit auf der gesamten Fahrbahn gut beziehungsweise sehr gut sei. Die Unfallkommission des Landkreises sowie die Unfallkommission der Stadt Sebnitz hätten sich schon mit der gesamten Staatsstraße S 165 beschäftigt, ließ damals das Landesamt für Straßenbau und Verkehr verlauten. Erneute Messungen hatte das Landesamt nicht vorgesehen. Die Unfallträchtigkeit des Abschnitts aber blieb hoch. Die Leitplanken hatten immer wieder Beulen, pinkfarbene Striche an den Seiten zeigen, dass hier immer wieder Autos entlang schlittern.

Jetzt hat das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr gehandelt, auch wenn es sich bei der Begründung ein bisschen windet. Denn seine bisherige Einschätzung, der Fahrbahnbelag sei griffig genug gewesen, will das Amt nicht revidieren. Ihre Behörde habe die Griffigkeit geprüft, sagt Landesamts-Sprecherin Isabel Siebert. Die dabei erhobenen Werte hätten keine Rückschlüsse darauf ziehen lassen, dass der Asphalt die Ursache für die Unfälle war. Aus diesem Grund sei die Kurve auf der Staatsstraße S 165 auch nicht bei der Unfallkommission als Unfallschwerpunkt gelistet.

Runter vom Gas

In der Praxis allerdings scheint es der Behörde schlicht zu teuer zu werden, ständig neue Leitplanken zu kaufen und montieren zu lassen. Also ließ man nun doch die Fräse anrücken.

Das Landesamt habe gute Erfahrungen damit gemacht, dass ein Aufrauen der Straßenoberfläche zu verbesserten Eigenschaften führe, erklärt Isabel Siebert. Aus diesem Grund habe man auf etwa 3 000 Quadratmetern den Asphalt angefräst. Die Kosten liegen bei etwa 10 000 Euro. In der Begründung heißt es, dass man weiteren Schäden infolge nicht angepassten Fahrverhaltens vorbeugen wolle.

Egal wie es die Behörden und Verwaltungen nun drehen, mit diesem Schritt ist wohl etwas getan, um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen – obwohl es laut Unfallkommission eigentlich keiner ist. Sobald es die Witterung zu lässt, soll die Fahrbahnmarkierung wieder aufgebracht werden, sagt Pressesprecherin Siebert.

Ähnliche Maßnahmen hatte es bereits vor einige Zeit in Sebnitz in der sogenannten Sportplatzkurve gegeben. Dort wurde allerdings nicht nur abgefräst, sondern auch eine neue, griffigere Asphaltschicht aufgetragen.

Das jüngste Beispiel ist die Ungerkurve. Auf dieser wurde nach mehreren schweren Unfällen im vergangenen Jahr der Asphalt mittels eines Spezialverfahrens angefräst. Zusätzlich wurden Leitplanken angebracht und die Geschwindigkeit reduziert. Ob Letzteres auch für die Kurve in Ulbersdorf angedacht ist, ist nicht bekannt. Zuständig wäre hierfür das Landratsamt. Bislang gilt hier eine Geschwindigkeit von 80 km/h. Aufgrund der nun neuen Fahrbahnverhältnisse geht der Kraftfahrer vielleicht automatisch vom Gas.

Die inzwischen angefräste Kurve ist allerdings nicht die einzige Stelle auf der Straße, an der die Leitplanken ziemliche Schrammen haben. Ein Stück weiter künden pinkfarbene Unfall-Markierungen ebenfalls von ungewolltem Kontakt mit der Fahrbahnbegrenzung. Ob hier auch der Asphalt abgefräst wird, ist unklar. Zumindest gibt es vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr keine Aussage dazu.