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Reichlich Stoff für Drohgebärden gegen den Iran

So deutlich wie noch nie hat die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien auf die Existenz eines iranischen Nuklearwaffenprogramms hingewiesen. Dementis der Regierung in Teheran klingen nach der genauen Auflistung von Experimenten und Detailarbeiten nun wie Hohn.

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Von Irmgard Rieger undJan-Uwe Ronneburger

So deutlich wie noch nie hat die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien auf die Existenz eines iranischen Nuklearwaffenprogramms hingewiesen. Dementis der Regierung in Teheran klingen nach der genauen Auflistung von Experimenten und Detailarbeiten nun wie Hohn.

Die Behörde liefert Iran-Kritikern damit genau die Munition, die sie haben wollten: Erzfeind Israel hatte im Vorfeld schon länger über einen Militärschlag gegen den Iran debattiert, um den Bau einer Atombombe zu verhindern. Großbritannien hatte nach Medienberichten seine Bereitschaft signalisiert, eine Militäraktion der USA zu unterstützen. Doch ein Krieg hätte irreparable Folgen, warnten Frankreich, Russland und Deutschland.

Für die Weltmächte ist ein nuklear aufgerüsteter Iran ein Horrorszenario. Vor allem die geheime Atommacht Israel fürchtet die Reichweite möglicher Atomraketen aus dem Iran. Zwar wiegelte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak gestern noch ab: „Ein Krieg ist kein Picknick, und wir wollen keinen Krieg.“ Doch noch vor wenigen Tagen hatte sich das anders angehört. „Die Geheimdienste aller Länder wissen, dass die Zeit abläuft und warnen ihre Führer“, hatte Israels Präsident Schimon Peres am Wochenende gedroht.

Russland, das dem Iran deutlich weniger kritisch gegenüber steht und dem Land den sein erstes Atomkraftwerk lieferte, setzt weiter auf einen diplomatischen Weg. Iran solle einen „vertrauensvollen Schritt setzen“, hatte Außenminister Sergej Lawrow zuletzt vorgeschlagen. Die Weltmächte Russland, China, Frankreich, USA, Großbritannien und Deutschland („Sechsergruppe“) könnten darauf mit einer Lockerung der vom UN-Sicherheitsrat verhängten Sanktionen antworten.

Diplomatische Bemühungen hatten jedoch bisher im Streit um das iranische Atomprogramm so wenig bewegt wie das Druckmittel der Sanktionen. Aufgrund seiner Mitgliedschaft in der IAEA und der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags von 1979 ist der Iran verpflichtet, seine nuklearen Programme der IAEA offen zu legen. Doch das Land hatte es den Atomwächtern stets schwer gemacht, glaubwürdige Informationen zu erhalten. Mit seiner unzureichenden Zusammenarbeit mit der IAEA hatte das islamische Land die Verdächtigungen nur weiter geschürt. Die jetzt gefundenen Hinweise, von denen die IAEA spricht, bestätigen alle Befürchtungen.

Mit seinen Drohungen hat Israel zumindest eines geschafft: Die mögliche iranische Atombombe steht wieder ganz oben auf der internationalen Tagesordnung. Kaum jemand in Israel bezweifelt, dass der Iran mit Hochdruck eine Atombombe entwickelt. Große Zweifel haben aber viele Israelis daran, dass die internationale Gemeinschaft genug unternimmt, die Führung in Teheran von ihrem Treiben abzubringen. Ob Absicht oder nicht, die offene Debatte über einen israelischen Militärschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen hat den Druck auf den Westen, aber auch auf Russland und China, extrem erhöht, Iran nicht länger gewähren zu lassen. Und die Sorge, dass das kleine, aber streitbare Israel mit einem militärischen Alleingang gegen Iran vollendete Tatsachen schafft und die ganze Region in Brand gerät, ist nicht völlig von der Hand zu weisen.

Israel hofft jedoch darauf, dass dem Iran jetzt die Daumenschrauben angelegt werden. Verteidigungsminister Ehud Barak forderte sogar „tödliche Sanktionen“. Israel wolle keinen Krieg und habe auch noch keine militärischen Einsätze beschlossen, fügte er jedoch hinzu. Die kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Berichts sei am günstigsten, wirklich drastische Maßnahmen gegen den Iran durchzusetzen. „Ich hoffe, das wird geschehen“, sagte der Minister. „Aber ich bin nicht sehr optimistisch.“ (dpa)