merken

Reicker Jugendtreff droht das Aus

Im Winter und bei Regen treffen sich in der Halle junge Leute. Weil es dafür kein Geld mehr gibt, ist das Angebot in Gefahr.

© Steffen Füssel

Von Annechristin Kleppisch

Die Skatehalle in Reick ist versteckt. Hinter dem Netto-Markt an der Lohrmannstraße geht es über den Parkplatz und um zwei große Hallen herum. Spärlich wird der Vorplatz beleuchtet. Doch Mountainbiker, BMX-Fahrer, Inline-Skater und Skateboarder kennen den Weg. Täglich treffen sich hier bis zu 30 Sportler, um ihre Tricks und Sprünge zu üben. „An vollen Tagen sind auch mal 40 Sportler da“, sagt Dieter Wolfer von der Treberhilfe. Die ist zusammen mit dem Verein „TwoFourEight Wheels“ für das Angebot verantwortlich. Dann bleibe wenig Platz in der Halle.

Anzeige
Pflegestudium: Bachelor & Berufsabschluss
Pflegestudium: Bachelor & Berufsabschluss

Studium und Pflegepraxis vereinen? Bewerben Sie sich bis zum 1. April 2021 an der ehs Dresden für den Bachelor-Studiengang Pflege!

Doch schon im nächsten Jahr könnte das anders sein. Die Betreiber fürchten um das Angebot. Denn das Jugendamt will die Halle nicht mehr fördern. Im vergangenen Jahr gab es 15 000 Euro für die Miete und die Nebenkosten. Nun hat sich nicht nur die Miete erhöht. Der Vermieter ließ neue Toiletten und ein Kassenhäuschen bauen und will nun für die Nutzung 19 000 Euro pro Jahr haben. Ein Schock für die Skater, der sich durch die Nachricht aus dem Jugendamt noch vergrößerte. „Die Betreibung einer Skaterhalle gehört so wenig zum Förderumfang der Jugendhilfe wie ein Jugendkletter- oder Schwimmzentrum. Hier ist der Verein gefordert, seine finanziellen Mittel und Möglichkeiten rechtzeitig zu ordnen“, begründet Marco Fiedler aus dem Sozialamt der Stadt.

„Damit können wir die Halle dichtmachen“, sagt Dieter Wolfer. Um die Halle weiter zu öffnen, müssten die beiden Vereine die Eintrittspreise erhöhen. Bisher zahlen Gäste am Tag drei Euro, Vereinsmitglieder können kostenlos rein. „Zu uns kommen aber vor allem Jugendliche“, sagt Albrecht Zeibig vom Verein „TwoFourEight Wheels“. „Die haben nicht so viel Geld.“

Die Betreiber fordern vom Jugendamt, die Entscheidung zu überdenken. „Mit unserem Angebot kommen die Kids von der Straße weg“, sagt Wolfer. „Und hier ist jemand, der nach ihnen sieht“, ergänzt Zeibig. Somit sei die Halle nicht nur Sportangebot, sondern ein Projekt zur Jugend- und Sozialarbeit. Dieses Argument ist dem Amt allerdings zu wenig. Eine Weiterförderung wäre sogar möglich gewesen, sagt Marco Fiedler vom Sozialamt. Dann hätten die Betreiber allerdings ein Konzept vorlegen müssen, das die Halle als Teil der mobilen Jugendarbeit ausgibt, die die Treberhilfe ohnehin schon anbietet.

Das jedoch lehnt Dieter Wolfer ab. „Wir wollen Unterstützung für die Halle und die mobile Jugendarbeit“, sagt er. Gibt es für beides nur noch ein Konzept, sei es schwerer um mehr Geld und Mitarbeiter zu werben. Schon jetzt ist es für den Verein nicht leicht, das nötige Personal für die Öffnungszeiten zu organisieren. Zuletzt haben Mitarbeiter im Kommunal-Kombi-Programm und Sozialarbeiter den Job übernommen. Nun hilft eine Studentin mit einem Mini-Job aus. „Eigentlich brauchen wir eine Extra-Stelle“, sagt Wolfer. Doch davon will er jetzt nicht träumen. Die Sorge um die Halle ist größer.

Die beiden Vereine hoffen nun auf Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos). Der hat Unterstützung zugesagt. Im Jugendhilfeausschuss sagte er, dass eine Lösung noch vor Weihnachten erforderlich sei. Das nötige Geld soll aus der Sportförderung kommen. „Im Gespräch hat er uns zugesichert, sich zu kümmern“, sagt Wolfer. Er bleibt skeptisch, ob das auch klappt.

Bis dahin müssen die Kinder und Jugendlichen weiter hoffen. „Die Halle ist in der Szene bekannt und ein guter Anlaufpunkt für die Kids“, sagt Ronny Timko. Der 22-Jährige kommt seit zehn Jahren mit seinem Mountainbike in die Reicker Halle. Wird die geschlossen, bleibe vielen nur noch die Straße zum Trainieren. 15 bis 20 teils illegale Plätze gibt es in der Stadt. Im Winter allerdings sind die leer. Bei Schnee und Kälte will niemand lange trainieren. „Und wir Streetworker haben dann kein Auge mehr auf die Kids“, sagt Dieter Wolfer.