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Rekord auch ohne Kaiserwetter

3.708 Wanderlustige zog es am Sonnabend zur 30. Döbelner Frühlingswanderung nach Döbeln und Waldheim

Von Juliane Just

Kaiserwetter sollte es geben zum 30. Sachsendreier. Zumindest wurde das von den Meteorologen vorausgesagt. Doch als ich an diesem Morgen aus dem Fenster schaue, ist da nur Grau. Aber gelaufen wird bei jedem Wetter, das haben die Wanderer auch letztes Jahr bewiesen. Meine Familie und ich laufen nun schon einige Jahre mit, so soll es auch zum Jubiläum sein.

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Silke Matthes, Silke Lißner und Silke Liebau-Kempe mit Hund Diego an der Verpflegungsstelle in Limmritz. Von dort sind es noch neun Kilometer bis zum Ziel.
Silke Matthes, Silke Lißner und Silke Liebau-Kempe mit Hund Diego an der Verpflegungsstelle in Limmritz. Von dort sind es noch neun Kilometer bis zum Ziel.
Tina Berger von Lok Döbeln schmiert mit freiwilligen Helfern viele Fettbemmen am Hauptverpflegungspunkt in Limmritz.
Tina Berger von Lok Döbeln schmiert mit freiwilligen Helfern viele Fettbemmen am Hauptverpflegungspunkt in Limmritz.
Celine Eisner aus Waldheim und Jule Salge sind stolz auf den nächsten Stempel auf ihrem Startkärtchen. Das T-Shirt zum 30. Sachsendreier passt dabei wie angegossen.
Celine Eisner aus Waldheim und Jule Salge sind stolz auf den nächsten Stempel auf ihrem Startkärtchen. Das T-Shirt zum 30. Sachsendreier passt dabei wie angegossen.

Am Lokstadion in Döbeln treffe ich mich mit meinem „Wolfsrudel“, das heute aus sechs Personen besteht. Mein Opa und sein Schwiegervater, meine Mutter und ihr Ehemann, die eine 500 Kilometer lange Fahrt aus Wilhelmshaven an der Nordsee hinter sich haben und meine Schulfreundin Maria. Zu sechst soll es nun heute an die Waldheimer Strecke gehen, die für gewöhnlich nichts für Anfänger ist. Wir holen die Startkarten und fahren mit dem nächsten Bus nach Waldheim, wo wir 9.15 Uhr frohen Mutes starten. Die 21 Kilometer lange Strecke haben wir uns heute als Ziel gesetzt.

„Am beliebtesten waren die 17 Kilometer lange Strecke ab Döbeln sowie die acht Kilometer“, sagt Cheforganisator Günter Schär. Doch auch die Sonderstrecke ab Waldheim sei überraschend gut von rund 700 Wanderern genutzt worden. „Da sie so gut angenommen wurde, werden wir wohl auch nächstes Jahr in Roßwein eine Sonderstrecke anbieten“, erklärt Schär.

Es ist noch recht kalt, als wir über die Zschopaubrücke in Waldheim gehen. Das beliebte „Zwiebelprinzip“ bei der Kleidung hat sich also bewährt. In den Vorgärten sieht man, dass der Frühling bereits im Vormarsch ist. So geht es unter dem Viadukt in Waldheim durch in ein Waldstück. Ich sehe nach oben und erkenne einen kleinen steilen Trampelpfad mit unterschiedlich hohen Stufen, die wir jetzt wohl erklimmen müssen. Noch sind wir fit, doch das Keuchen bleibt nicht aus. Oben angekommen haben wir eine herrliche Aussicht auf die Landschaft. Wir machen eine kleine Pause. Dieser Ausblick entlohnt für die Anstrengung. Nach einer kleinen Stärkung mit sauren Gurken und Wienern geht es weiter – nun wieder steil bergab. Doch auch dieses Stück ist schnell gemeistert. „Ab hier kommen keine Steigungen mehr“, sagt mein 70-jähriger Opa, der sich in und um Döbeln sehr gut auskennt und die Strecke ausgiebig studiert hat. Heute laufen in unserem Grüppchen aus alter Tradition wieder drei Generationen mit.

An Rapsfeldern vorbei geht es an der Bahnstrecke entlang, die von Waldheim nach Steina führt, bis wir schließlich an der Kummersmühle ankommen, die ein beliebtes Himmelfahrts-Ausflugsziel ist. Fröhlich pfeift mein Opa ein Wanderlied. Wenn es auch nicht sonnig ist, ist es doch perfektes Wetter zum Wandern. Am Viadukt Steina vorbei geht es nun nach Limmritz, wo es einen Verpflegungspunkt gibt. Wir alle brauchen langsam eine Stärkung. Schon von Weitem sehen wir die rote Hängebrücke „Am Hasennest“, die ihrem Namen beim Überqueren schaukelnd alle Ehre macht. Nach ein paar Hundert Metern sind wir in Limmritz am Verpflegungspunkt, an dem sich viele Wanderer tummeln. „An der Hauptverpflegung in Limmritz saßen zu Spitzenzeiten sechs Frauen und haben Brote geschmiert“, sagt Cheforganisator Günter Schär. Auch als das „Wolfsrudel“ gegen zwölf Uhr dort aufschlägt, herrscht großer Andrang an dem Verpflegungspunkt. „Zu Spitzenzeiten mussten an der Fährüberfahrt an der Talsperre in Kriebstein sogar zwei Fähren eingesetzt werden“, sagt Schär.

Nach der Stärkung geht es in die letzten neun Kilometer: immer den roten Pfeilen am Wegrand nach an der Zschopau entlang in Richtung Wöllsdorf. In Töpeln überqueren wir die Zschopau, unsere ständige Begleiterin, wieder. Am Fährhaus zeigt uns das Thermometer 14 Grad an. Danach geht es in Richtung Schweta und an der Muldenbrücke in Technitz bricht dann die letzte Etappe an. „Langsam werden die Beine schwer“, sagt mein Opa. Doch die Bratwurst im Lokstadion ist nicht mehr weit, wir müssen noch ein bisschen durchhalten. Wie zum Zeichen dafür kommt in diesem Moment zum ersten Mal die Sonne durch die Wolken.

Durch den Wolfanger und an den Pferden an der Überquerung der B 169 vorbei sind wir schon am Lokstadion. Die 21 Kilometer sind geschafft. Es herrscht reges Treiben um die Stände mit Bratwürsten und erfrischenden Getränken. Wir holen unsere Urkunden und sehen, dass es dieses Jahr 3 708 Wanderlustige gab, die an der beliebten Frühlingswanderung teilgenommen haben. „Der 30. Sachsendreier war für uns wirklich ein Höhepunkt“, sagt Günter Schär. „Es war teilweise Volksfeststimmung, besser geht es nicht.“