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Rettung für hölzerne Riesen

Ein Naturdenkmal in Schöpstal sollte ursprünglich abgesägt werden. Auch Niesky hat solche Exemplare.

© Jens Trenkler

Von Jens Trenkler

In der kleinen Grünanlage zwischen dem Einkaufsmarkt an der Bautzener Straße und der Thomas-Mann-Straße versucht ein Eichhörnchen gerade seine Kletterkünste an einer riesigen Eiche. Viele dieser Prachtexemplare stehen in und um Niesky, meist unbeachtet, in den Parkanlagen. Viele von ihnen haben aufgrund ihres Alters und ihrer Erscheinung einen Schutzstatus, der Gesetzgeber spricht von einem einzeln stehenden Naturdenkmal.

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So gibt es beispielsweise im Bereich der Thomas-Mann-Straße in Niesky Gerbereichen. An der Sproitzer Straße in See findet man hingegen eine stattliche Stieleiche. Beide Exemplare gehören der Stadt Niesky. Wie Julia Bjar vom Landratsamt informiert, gibt es rund um Niesky zudem mehrere Privatbesitzer solcher Naturdenkmale. So zum Beispiel im Eichenhof Spreehammer und in Ullersdorf, wo eine Napoleonlinde gen Himmel wächst. Auch Klitten und Groß Radisch können mit ihren beiden Eiben mithalten.

Dass die Pflege und Unterhaltung solcher hölzernen Riesen nicht immer einfach ist, wird im Streitfall der Kästnereiche in Schöpstal deutlich. Dem deutschlandweit berühmten Naturdenkmal drohte das Aus durch die Kettensäge. Die uralte Stieleiche steht in Girbigsdorf und begleitete Generationen von Schöpstalern. Ihre Fällung veranlassen wollte der Staatsbetrieb Sachsenforst. Sicherheitsbedenken aufgrund des Alters, Risse im Holz und Pilzbefall nannte die Behörde als ausschlaggebende Gründe. Doch nicht nur die Gemeinderäte von Schöpstal stellten sich diesem Ansinnen quer. Ebenso sprach sich der ortsansässige Heimatverein klar gegen die geplante Abholzung aus.

Immerhin ist die Eiche nun schon zwischen 350 bis 500 Jahre alt. „Wir stellen uns vehement gegen die Fällung der Kästnereiche“, heißt es in einem Schreiben an die SZ. Um den beeindruckenden Baum zu retten, würde der Heimatverein sogar eine Patenschaft übernehmen. Das bekräftigte nun noch einmal Heiko Hildebrand von den Freien Wählern und Vereinsmitglied im Gemeinderat. Auch SZ-Leserin Barbara Hupe wandte sich an die Zeitung. „Mindestens einmal im Jahr zieht uns die altehrwürdige riesige Kästnereiche in ihren Bann“, schreibt sie. In keiner Weise sei nachzuvollziehen, dass der Baum weggesägt werden soll. „Ein 500-jähriger Baum darf Risse und Pilze haben, so wie ein alter Mensch Falten und Krankheiten hat“, so Barbara Hupe.

Das Vergehen der Natur zu beobachten und zu akzeptieren sei eine große Aufgabe unserer Zeit. Ihr Vorschlag: Es könnten Samen und Ableger der Eiche vermarktet werden und so seine Gene in der Natur vervielfältigt werden. „Denkt langfristig: Unsere Kinder und Enkel werden den Sauerstoff bitter nötig haben“, mahnt sie und hofft, dass die Schönheit des Baumes die Menschen weiterhin „verzaubert“.

Ihre Hoffnung und die vieler Schöpstaler Baumfreunde könnte in Erfüllung gehen. Das wird nun aus einem Gutachten deutlich, das Bürgermeister Bernd Kalkbrenner (FDP) im Gemeinderat vorstellte. Denn während der Staatsbetrieb Sachsenforst die Abholzung aus Sicherheitsgründen befürwortet, sieht das die Untere Naturschutzbehörde vom Landkreis anders. Die beauftragte nach dem Radikal-Vorschlag vom Staatsbetrieb einen vereidigten Sachverständigen. Das Ergebnis liegt jetzt vor. Und da wird deutlich: Eine Abholzung ist unnötig. Vielmehr wird die Stieleiche als „unbedingt erhaltenswürdig“ eingeschätzt. Dafür sind aber baumpflegerische Maßnahmen dringend notwendig. Denn der Riss im Stammbereich sowie Holzfäule schwächen das Naturdenkmal. Dem kann aber entgegengewirkt werden.

Damit die Verkehrssicherheit gewährleistet ist, soll noch möglichst in diesem Jahr ein Teil der Krone fachgerecht eingekürzt werden. Ein Stahlseil könnte den Baum zusätzlich sichern. Außerdem wären kontinuierliche Pflegemaßnahmen auf alle Fälle notwendig. Wenn das so klappt, dann geht das Gutachten von weiteren 25 bis 30 Jahren Lebenszeit für die Kästnereiche aus. Wie nun der Staatsbetrieb Sachsenforst zu seiner völlig konträren Einschätzung kommt, darüber gibt es nur Vermutungen. Die wurden im Gemeinderat auch laut geäußert. Denn der Pflegeaufwand inklusive der Verkehrssicherung wären nicht unerheblich. Eigentümer des seit 1994 als Naturdenkmal eingestuften Baumes sowie des zugehörigen Flurstücks ist der Freistaat Sachsen. Wer die Pflege übernimmt und zahlt ist derzeit noch unklar.