Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Rettung von Schloss Promnitz beginnt

Eine Bürgerinitiative startet mit der Notsicherung des Ensembles. Zuerst steht das Dach der Drescherhäuser auf dem Plan.

Teilen
Folgen
NEU!
© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Promnitz. Die Menschen erholen sich gerade von den Napoleonischen Kriegen. Sie tragen Kleider mit Spitzenkragen und Zylinder, während Sachsen seit beinahe einem halben Jahrhundert von Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen regiert wird. Das kleine Promnitz liegt Anfang des 19. Jahrhunderts in den Händen der Familie von Thielau. Neben dem Schloss gibt es hier nur eine Schenke, eine Handvoll Erbhäuser und die Fähre. Doch die Thielaus bauen aus. Das barock überformte Renaissance-Schloss wird um ein Wirtschaftsgebäude erweitert, das am Giebel auch einen großen Dorfsaal beherbergt. Und gleich neben dem Schlossgarten entstehen neue Leutehäuser, die heute als Drescherhäuser bekannt sind. Die Ersten entstehen 1820 direkt am heutigen Elbdamm.

Rico Käseberg ist Teil der Bürgerinitiative, die um den Erhalt von Schloss Promnitz kämpft. Aktuell sichern er und seine Mitstreiter den Dachstuhl der Drescherhäuser.
Rico Käseberg ist Teil der Bürgerinitiative, die um den Erhalt von Schloss Promnitz kämpft. Aktuell sichern er und seine Mitstreiter den Dachstuhl der Drescherhäuser. © Sebastian Schultz

„Für die damalige Zeit waren die extrem exklusiv gebaut. Das wäre eine Forschung wert“, sagt Wolf-Nicol von Wolffersdorff heute. Doch den Finanzberater aus Bad Pyrmont in Niedersachsen, dessen Familie Promnitz im 18. Jahrhundert gehörte, läuft die Zeit davon. Für ihn und die Bürgerinitiative zum Erhalt von Schloss Promnitz muss es derzeit vorrangig um das Sichern gehen. Denn gerade die alten Drescherhäuser stünden kurz vor dem Zusammensturz. Vor etwa vier Jahren kamen die alten Biberschwänze aus Gründen der Verkehrssicherheit runter – „ob das notwendig war, ist fraglich“, sagt von Wolffersdorff. Denn der Dachstuhl stand seitdem offen, und muss nun mühsam wieder aufgebaut werden. Durch die Promnitzer Bürgerinitiative.

Während sich der Kultur- und Schlossverein Promnitz mit seinen etwa 25 Mitgliedern unter dem Leipziger Musiker Franns von Promnitz um Veranstaltungen in dem Denkmal kümmert, hat sich die Bürgerinitiative die Notsicherung auf die Fahnen geschrieben. Zwölf bis 15 Mann aus der Region Riesa und Zeithain arbeiten eherenamtlich mit, das Material wird durch private Spenden finanziert. Alle Arbeiten sind zudem mit der Denkmalschutzbehörde des Landkreises abgesprochen, sagt Wolf-Nicol von Wolffersdorff. Auch das Projekt Drescherhäuser.

Während die Häuser Richtung Ortsdurchfahrt erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und noch bis vor 30 Jahren bewohnt worden, stehen die Häuser Richtung Elbe schon ein paar Jahrzehnte länger leer. Mit Holzbalken und den eingelagerten Biberschwänzen soll nun das Dach geschlossen werden. Betreten werden können die Häuser trotzdem nicht, Strom und Wasser fließen längst nicht mehr, sagt von Wolffersdorff. Schon aus Sicherheitsgründen. Ob und wann das Gebäude überhaupt einmal wieder genutzt wird, ist unklar.

Beim Schloss ist man da schon einen kleinen Schritt weiter. Aktuell stellt die Initiative einen zweiten Eingang her – vom Fähranleger durch den einstigen Schlossgarten und den Thielau-Anbau direkt in den Innenhof. Und nach dem Gutsverwalterhaus und dem Schloss wird nun auch der Anbau von Müll und Schutt beräumt. Mit dem Denkmalschutz ist man zudem im Gespräch, das Dach des Schlosses und den Saal notzusichern. Zudem müsste der in extreme Schieflage geratene Giebel des sogenannten Taubadel-Flügels untersucht und eine Prioritätenliste mit all den schützenswerten Elementen in der Anlage erstellt werden. Das große Ziel von Initiative und Verein: Promnitz als Museums- und Veranstaltungsort zu etablieren.

Allerdings sind die Eigentumsverhältnisse nach dem Tod vom einstigen Schlossbesitzer Willi Hummel im Juli 2015 noch immer ungeklärt. „Ich bin die ganze Zeit mit dem Nachlassverwalter im Gespräch. Wir sind auf einem guten Weg“, sagt von Wolffersdorff. Seine Familie möchte das Schloss gern kaufen.

Zum Denkmaltag am Sonntag, 11. September, kann Schloss Promnitz besichtigt werden.