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Rettungsplan für Ballsäle Coßmannsdorf

Um das Veranstaltungshaus zu erhalten, will Freital das Gebäude kaufen. Nun sind die Stadträte gefragt.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Freital. Erst vor einigen Tagen war DJ Happy Vibes da und legte auf. Am kommenden Wochenende feiern dann die Narren den Auftakt in die Fünfte Jahreszeit. Tanz, Fasching und vieles mehr – die Ballsäle Coßmannsdorf könnten die Adresse für Partys und vor allem für junges Publikum sein. Doch das Gebäude, von den Freitalern kurz BC genannt, wirkt heruntergekommen. Passiert hier nicht bald etwas, droht die Schließung. „Das kann und soll nicht passieren. Wir brauchen die Ballsäle“, sagt Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU). Seit Monaten hat er mit einem Team an einem Rettungsplan gefeilt, der nun am Donnerstag zur Diskussion und Entscheidung dem Stadtrat vorgestellt werden soll.

Die Ausgangslage: Die Ballsäle werden nur notdürftig verwaltet

Seit 2001 setzt sich der „Verein zum Erhalt der Ballsäle Coßmannsdorf“ für das Haus ein und bewirtschaftet es derzeit. Es hat eine lange Tradition, wurde 1911 als Gasthaus eröffnet und später erweitert. Es war immer in privater Hand, selbst zu DDR-Zeiten. Doch dem Verein sind die Hände gebunden. Im Gebäude herrscht ein massiver Sanierungsstau. Nachdem die Wohnungsgesellschaft Freital (WGF), ein Tochterunternehmen der Stadt, Anfang 2016 das BC kaufte, wurde in die Sicherheitsbeleuchtung und die Brandschutzanlage investiert. Dennoch dürfen zu Veranstaltungen nur noch 290 Leute eingelassen werden. Der Verein bemüht sich trotzdem, das BC zu vermarkten. Die Ehrenamtler organisieren Veranstaltungen wie zuletzt das Oktoberfest oder vermieten die Räume für Tanz und Konzerte. Allerdings sind die Auflagen der Behörden nicht nur hinsichtlich der Besucherzahlen eine schwere Hypothek: Die brandschutzrechtliche Genehmigung gilt nur bis Ende 2019.

Das Problem: Für eine Sanierung fehlt dem Eigentümer das Geld

Die Wohnungsgesellschaft hat das BC gekauft, damit es als Veranstaltungsort bleibt. Denn es gab private Interessenten, die die Immobilie in ein Wohnhaus umbauen wollten. Die WGF hat 150 000 Euro für den Kauf bezahlt und bisher 122 000 Euro in das BC investiert, vornehmlich in Planungsleistungen und Sicherheitstechnik. Die einfachste Sanierungsvariante – mit vielen Eigenleistungen der Vereine – würde aber 2,8 Millionen Euro kosten. Da die WGF als Wohnungsunternehmen dafür keine Fördermittel bekommt, müsste sie den Betrag aus der eigenen Kasse bezahlen.

Die Idee: Die Stadt übernimmt das Haus und saniert es mit Fördermitteln

Was der WGF nicht gelang, könnte die Stadt schaffen: Fördermittel für eine Sanierung zu bekommen. Im Blick hat die Stadtverwaltung Geld aus dem Programm für die Städtebauliche Erneuerung. Möglich wäre ein Zuschuss von zwei Dritteln. Bisher ist der Stadtteil Deuben in dem Programm vertreten. Der Stadtrat soll nun entscheiden, ob das Fördergebiet auf Hainsberg ausgedehnt werden soll. Zudem müsste die Stadt die Ballsäle der Wohnungsgesellschaft für 300 000 Euro, also den Kaufpreis plus die bisherigen Investitionskosten zusätzlich der Verfahrenskosten, abkaufen. Auch darüber soll der Stadtrat am Donnerstagabend beraten.

Das Konzept: Ein neuer Betreiber vermarktet die Ballsäle

Gegenwärtig bewirtschaftet der „Verein zum Erhalt der Ballsäle Coßmannsdorf“ das BC, alles in ehrenamtlicher Arbeit. Die Stadt möchte die Vermarkung jedoch in professionelle Hände geben. Denn geplant ist eine vielfältige Nutzung. Das Konzept sieht vor, die Ballsäle zu einem generationsübergreifenden Treffpunkt mit Fokus auf den sozialen und kulturellen Bereich zu machen. Zu den heute bereits im Gebäude aktiven Vereinen, wie der Kultur- und Tanzwerkstatt oder dem Faschingsverein Hainsberg, sollen weitere Nutzer kommen. Geplant ist, den Jugendklub Hainsberg im BC unterzubringen. Ebenso könnten die Grund- und Oberschule Hainsberg das Haus nutzen. Denkbar sind in den Ballsälen auch Seniorenbetreuung und Stadtteilarbeit. Dazu kommen kulturelle Veranstaltungen: Partys, Tanzabende, Auftrittsmöglichkeiten für junge Bands, Comedy und Theatergruppen. Die beiden Veranstaltungssäle im ersten Obergeschoss – 50 und bis zu 600 Personen fassend – sollen entsprechend ausgebaut werden. Im Erdgeschoss sollen zwei neue Mehrzweckräume sowie Vereinsräume für Jugendklub und den BC-Verein entstehen. Die Leitung des Hauses sollen die Technischen Werke Freital übernehmen. Das städtische Tochterunternehmen betreibt das Freizeitzentrum Hains, die beiden Freibäder und betreut die städtischen Sportanlagen – hat also die notwendigen Erfahrungen.

Die Kosten: Stadt muss einen Millionenbetrag einplanen

Da die Stadt das BC mithilfe von Fördermitteln sanieren möchte, ist der finanzielle Spielraum größer als gegenüber der von der Wohnungsgesellschaft errechneten Sanierungsvariante. Die aktuelle Kostenschätzung der Kommune beläuft sich auf 4,2 Millionen Euro, inklusive Kauf, Planung und der gesamten Bauarbeiten. Davon müssen 1,8 Millionen Euro aus der Stadtkasse aufgebracht werden. Weil die Zeit drängt, müsste der Kauf noch in diesem Jahr in die Wege geleitet werden. Die Arbeiten könnten im nächsten Jahr beginnen – vorausgesetzt, die Stadträte stimmen am Donnerstagabend dem Rettungsplan zu.

Die Stadtratssitzung findet am 8. November im Rathaus Potschappel statt und beginnt 18.15 Uhr.