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Feuilleton

Rezo teilt wieder aus

Erst die "Zerstörung der CDU", nun wendet sich der Youtuber Rezo gegen die Zeitungsbranche. Dabei schießt er jedoch gleich mehrere Eigentore.

Der Youtuber Rezo holt zu einem Rundumschlag gegen die Printmedien aus - und offenbart eine ganze Menge Unwissen.
Der Youtuber Rezo holt zu einem Rundumschlag gegen die Printmedien aus - und offenbart eine ganze Menge Unwissen. © privat

Rezo, der Youtuber mit den markanten blauen Haaren, teilt erneut aus. Als Gast in der Webvideoshow der "Spacefrogs" ätzt Rezo nun gegen die Printmedien, in erster Linie die Bild und die BZ. Besonders die Bild-Zeile "Warum ist Deutschland so verunsichert?", wird von Rezo im Video mehrfach sarkastisch wiederholt. "Woran könnte es liegen, vielleicht seid ihr mit schuld?", fragt er. Anschließend wird ein Artikel zitiert, in dem die Bild analysiert, wie wahrscheinlich es ist, mit welcher Art von Messer in Berlin angegriffen zu werden.

Wer den Pfennig nicht ehrt

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Neben möglicherweise berechtigter Kritik, leistet sich Rezo auch einige Schnitzer. Bereits am Anfang des Videos macht Rezo klar: "Ich lese keine Zeitung." Überraschend ist das nicht, bereits im Spiegel-Interview hatte der Youtuber gesagt, keine Zeit zum lesen zu haben: "Ich lese keine Bücher, wann auch?" Diese Umstände verkündet er mit einem gewissen Stolz.

Auch das Konzept "Informationen auf Papier" zu lesen, ist dem 27-Jährigen nicht ganz geheuer. "Wer hat denn zu Hause jeden Tag einen Berg Papier herumliegen?", fragt er. "Die besten Informationen stehen auf toten Bäumen", sagt sein Videopartner Fabian Rieck daraufhin - ebenfalls offensichtlich sarkastisch.

Reichlich seltsam ist die große Verwunderung der Youtuber darüber, dass Zeitungen das Fernsehprogramm enthalten. Das große Entsetzen wirkt gestellt, selbst wenn Rezo komplett in seiner Youtuber-Blase lebt, sollte ihm das Konzept "Fernsehen" ein Begriff sein. Und sogar er kann anerkennen, dass in Deutschland Menschen leben, die nicht 24 Stunden am Tag online sind. Sätze wie "Ich dachte das wäre ausgestorben", sorgen in den Youtube-Kommentaren für Gelächter - legitime oder gar durchdachte Kritik ist das nicht.

Schließlich geht es noch um persönliche Erlebnisse. Mit dem Satz "Journalisten sind teilweise so dumm", adressiert Rezo keineswegs die Boulevardmedien - sondern die als seriös geltende Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Eine Reporterin der FAZ hätte sich bei ihm gemeldet und nach seiner Reaktion auf einen Bild-Artikel gefragt, in dem es um unnötige Flugreisen von Youtubern ging. Diesen hatte Rezo - man ahnt es - nicht gelesen. Trotzdem habe die Reporterin ihn nach seiner Meinung zum Artikel gefragt, was ihn gestört und "extrem getriggered" habe.

Dann redet er sich in Rage und lässt sich zu dem Satz "Die meisten Zeitungen sind Billo-Shit-Unterhaltung" verleiten. Zur Ehrenrettung nennt Rezo dann doch noch einige "gute" Titel, zu denen die Süddeutsche, der Spiegel und auch die zuvor gescholtene FAZ gehören. Seine finale Forderung ist, dass die "seriösen" häufiger die "schlechten" Medien kritisieren sollten, "so wie wir Youtuber das auch machen". Dass das im großen Stil passiert, kann Rezo leider nicht wissen. Er liest ja nicht.