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Riesa zieht Stecker für Analog-TV

Hunderte Haushalte in der Stadt schauen noch mit alter Technik fern. Damit ist bald Schluss.

© Ralf Hirschberger/dpa

Von Christoph Scharf

Riesa. Noch bleibt bei keinem Kabelkunden der Fernseher dunkel: Das Unternehmen Telekabel Riesa wandelt in seinem Netz derzeit noch die digital ausgestrahlten Fernsehsignale in analoge um, damit auch Nutzer mit älterer Technik zurechtkommen. Rund 7 500 Haushalte in Riesa und Nünchritz versorgt der regionale Anbieter. Im Angebot sind noch 30 analoge TV-Programme und 20 UKW-Radiosender.

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Dabei hat sich die digitale Technik längst verbreitet, der Freistaat schreibt vor, dass Ende des Jahres mit der analogen Übertragung im Kabelnetz Schluss sein soll. Wie viele Riesaer schauen denn tatsächlich noch analoge Fernsehsender? „Das wissen wir nicht“, sagt Roland Ledwa. „Laut Statistiken könnten es etwa 10, 15 Prozent sein.“ Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung geht davon aus, dass sich der Marktanteil für Digitalfernsehen in Deutschland von zwei Prozent (2001) auf knapp 90 Prozent (2016) entwickelt hat. Womöglich haben aber viele Nutzer noch einen analogen Zweitfernseher in Betrieb – etwa im Schlaf- oder im Kinderzimmer.

So mancher dürfte gar nicht wissen, ob sein TV-Gerät digital oder analog funktioniert. Ein Test ist aber relativ einfach, sagt Roland Ledwa. „Wer die Sender ZDF Neo und Tagesschau24 hat, schaut schon jetzt digital.“ Auch ein Test über den Sendersuchlauf ist möglich. Dort prüft man den Kanal, auf dem gesucht wird. Erscheint dort DVB-C, -T oder -S, ist alles in Ordnung. „In der Regel sind Flachbildfernseher ab dem Baujahr 2010 schon für das digitale Fernsehen geeignet.“

Sachsen als Vorreiter

In Sachsen verlangt das Privatrundfunkgesetz, dass bis Ende des Jahres die Übertragung von analogen TV- und Radiosendern im Kabelnetz eingestellt wird. Beim analogen Satellitenempfang war bereits 2012 Schluss.

Der Vorteil ist, dass über einen analogen Übertragungskanal bis zu zwölf Digitalsender (oder sechs HD-Sender) übertragen werden können. Alternativ kann darüber Internet mit einer Bandbreite von 50 Mbit/s bereitgestellt werden.

Bisher haben erst einzelne größere Kabelnetzbetreiber in Deutschland die analoge TV-Verbreitung eingestellt; etwa Unitymedia in Westdeutschland und wilhelm.tel in Norddeutschland.

www.digitaleskabel.de

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Alle anderen Nutzer sollten sich bald Gedanken machen – und über den Kauf neuer Geräte nachdenken. Wahlweise brauchen sie dann einen neuen Fernseher oder einen zusätzlichen Digitalreceiver als Vorschaltgerät. Die kann sich jeder selbst für etwa 30 bis 40 Euro im Handel kaufen. Telekabel Riesa möchte aber auch mit zwei Dienstleistern sprechen, die für ihre Kunden als Ansprechpartner fungieren.

Und was hat der Kunde davon? Etwa mehr Sender? „Wir schalten erst mal nur die analogen Sender ab“, sagt Roland Ledwa. „Dafür haben wir dann Platz, um später zusätzliche Programme einspeisen zu können.“ Denn für neue HD-Sender und zukünftige noch schärfere Sender brauche man zusätzliche Bandbreite. Derzeit habe man keine freien Kapazitäten mehr für neue Angebote. „Das betrifft nicht nur uns in Riesa, sondern quasi alle Kabelnetzbetreiber.“ Die Hoffnung: Durch die Abschaltung der analogen Ausstrahlung verbessere sich die Situation auf einen Schlag.

Und wann ist es so weit? „Für die Umschaltung die Silvesternacht zu verwenden, wäre ungeschickt“, sagt der Telekabel-Chef. Derzeit geht man in Riesa davon aus, den September für die Abschaltung zu wählen. Ein Wochenende soll es voraussichtlich nicht werden. Und auch auf Sport-Veranstaltungen werde man Rücksicht nehmen. „Wir werden vorher noch einmal darüber informieren.“ Im Moment der Umschaltung wird es für kurze Zeit nicht möglich sein, fernzusehen, über das Netz zu telefonieren oder ins Internet zu gehen. „Deshalb wird das irgendwann in den Nachtstunden passieren.“ Früh um vier wäre eine gute Zeit. An den monatlichen Kosten für die Nutzer soll sich dadurch nichts ändern. „Die bleiben unverändert.“

Und wie hält es die Konkurrenz in Riesa? Bei Tele Columbus bzw. Pyur kann man derzeit noch kein Abschaltdatum für Riesa oder den Landkreis Meißen mitteilen, heißt es auf SZ-Anfrage. Man werde allerdings rechtzeitig darüber informieren. Vodafone (früher Kabel Deutschland) hat im Januar als Pilot-Regionen Landshut und Dingolfing digitalisiert. Im Mai folgt Nürnberg. Alle weiteren Regionen sollen ab dem Sommer umgestellt werden. Einen Termin für Riesa oder den Landkreis gibt es aber auch dort noch nicht. „Weitere Umstellungstermine wird Vodafone rechtzeitig bekannt geben“, so eine Sprecherin.