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B-169-Ausbau: Das sagt ein Kritiker

Landwirt Hartwig Kübler steht für jene, die den dritten Bauabschnitt zwischen Seerhausen und Salbitz ablehnen – und an einer anderen Variante festhalten.

Dr. Hartwig Kübler mit den aktuellen Unterlagen für den B-169-Ausbau. Schon seit Jahren sieht der promovierte Landwirt die Planungen mit Skepsis. Und ist damit nicht allein.
Dr. Hartwig Kübler mit den aktuellen Unterlagen für den B-169-Ausbau. Schon seit Jahren sieht der promovierte Landwirt die Planungen mit Skepsis. Und ist damit nicht allein. © Sebastian Schultz

Riesa/Raitzen. Wenn es nach den Befürwortern des B-169-Ausbaus geht, dann würde der Verkehr auf dem dritten Bauabschnitt zwischen Seerhausen und Salbitz schon rollen. Doch die Straße endet im Feld. Existent ist die Trasse ab Seerhausen bisher nur auf dem Papier. Eine Aktie daran hat auch Hartwig Kübler. Der promovierte Landwirt, dessen Betrieb sich in der nahe gelegenen Ortschaft Raitzen befindet, ist seit Jahren einer der Kritiker des Vorhabens. Von Befürwortern wird er auch als Verhinderer bezeichnet. Die SZ hat ihn getroffen.

Eins macht der Unternehmer gleich zu Beginn klar: Mit seiner Kritik an der geplanten B169 stehe er nicht allein. Mehrere Dutzend Betroffene, darunter Flächeneigentümer und Anwohner, hätten Probleme mit der Straßenplanung, wie sie das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) seit Jahren verfolgt. 

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Kern der Kritik war und ist der Trassenverlauf. Den lehnen Kübler und seine Mitstreiter mit verschiedenen Argumenten ab. Eines davon lautet, dass die neue Straße keine wirkliche Verkehrsentlastung bringe, sondern diese nur verlagert. "Man nimmt den Verkehr von der einen Seite – Seerhausen, Plotitz, Stauchitz – weg, und nimmt ihn auf die andere nach Bloßwitz, Hahnefeld, Raitzen." Dass das einen positiven Effekt habe, davon sei er nicht überzeugt. 

Einwände gegen jüngste Planung

Ein weiteres, zentrales Argument: Die neue Straße verbrauche zu viel Land. Land, das zudem noch wertvoll sei für die Landwirtschaft. Die Bodenqualität in der Randlage zur Lommatzscher Pflege betrage 70 bis 95 Punkte – ist also sehr gut. Hartwig Kübler bewirtschaftet selbst Flächen und macht keinen Hehl daraus, dass auch er im Fall eines Straßenbaus Ackerlandverluste hinnehmen müsste und ihn das stört. Aber auch da sei er nicht allein.

Mit dem Landverlust verbindet sich indes ein weiterer Einwand. Denn die geplante Straße erschwere den Landwirten künftig das Erreichen ihrer Flächen, da es sie zerschneide. Auf der geplanten Straße dürften Landwirtschaftsfahrzeuge nicht fahren. Was bis jetzt an Querungsmöglichkeiten vorgesehen ist, reicht aus Sicht von Hartwig Kübler nicht. Das werde einer der Einwände sein, die er gegen die zuletzt aktualisierte Planung erheben werde, sagt der Unternehmer. 

Auch bei einem anderen Thema will der Raitzener Kritik vortragen. Auch dabei geht es  um das Zerschneiden der Grundstücke durch die geplante Straße. Das würde eine Vielzahl von Landeigentümern unterschiedlich stark treffen. Um die Lasten gleich zwischen allen Betroffenen zu verteilen, soll eine sogenannte Flurbereinigung passieren. Die Kosten dafür würde wohl zum Großteil der Freistaat übernehmen. Doch eine Quote von 15 Prozent bliebe bei den Landeigentümern hängen. Hartwig Kübler schätzt, 100 bis 300 Euro pro Hektar. Das lehne er aber ab. "Wir wären geschädigt genug." Schließlich wolle man die Straße in dieser Form nicht. Wenn der Freistaat sie wolle, dann müsse er auch die Kosten dafür voll tragen.

Alternative mit B-6-Nutzung

Lösen ließen sich viele Problemen aus Sicht der Raitzeners schlicht mit einem anderen Trassenverlauf. Statt weiter geradeaus soll es ab Seerhausen wie jetzt schon abgehen auf die B 6. Die solle dreispurig ausgebaut werden und auf Höhe des Ortes Ganzig in Richtung Salbitz abbiegen. Ab dort bräuchte es dann einen Neubau, der aber auch die S30 mit nutzen könne. Ein Vorteil wären weniger Betroffene, da die Trasse lediglich am Naundorfer Ortsteil Nasenberg vorbeiführen würde, so Hartwig Kübler. 

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Zwar wäre diese Variante reichlich anderthalb Kilometer länger als die derzeitige. "Aber jeder Lkw-Fahrer sagt ihnen, dass dieser Umweg nicht so schlimm ist – Hauptsache, der Verkehr rollt", sagt Hartwig Kübler. Wäre vor Jahren nachgedacht worden und der Ausbau der S 30 in die Überlegungen einbezogen worden, könnte der Verkehr auf dieser Strecke längst fließen, meint der 66-Jährige. Zumal diese Variante auch planungsrechtlich einfacher umzusetzen wäre, ist Hartwig Kübler überzeugt. Anders als bei der jetzt verfolgten Variante gebe es zum Beispiel kein Naturschutzgebiet, das beachtet werden müsse.

Klage durchaus möglich

Der Freistaat habe das "große U" auch schon einmal vor Jahren als Variante untersucht. Verfolgt haben die Straßenplaner aber dann doch die jetzige Trassierung. 

An der gab es zuletzt eher Anpassungen im Detail. Erst kürzlich lag ein neuer Entwurf öffentlich aus, von dem sich die Straßenbefürworter nach viele Jahren Planung nun endlich eine Genehmigung erhoffen. Doch es dürften wieder etliche Einwände bei der Landesdirektion gegen den Entwurf eingehen. Auch seine Gemeinde habe Einwendungen formuliert, sagt Hartwig Kübler, der im Naundorfer Gemeinderat sitzt und Vizebürgermeister der Kommune ist. Er selbst bereite zudem seine eigene Stellungnahme vor. 

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Ob er und weitere Kritiker der aktuell geplanten Trasse möglicherweise klagen, sollte die Landesdirektion den Straßenbau trotz allem genehmigen? Da lässt der Unternehmer und Lokalpolitiker sich alle Optionen offen. "Wir werden uns das sehr genau anschauen", sagt Hartwig Kübler mit Blick auf einen möglichen Planfeststellungsbeschluss. Zunächst sei jetzt die Landesdirektion dran. 

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