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Dachlatten fast so wertvoll wie Gold

Der Holzpreis schnellt in die Höhe. Hiesige Händler und Bauleute wissen kaum noch, wo sie Holz herbekommen sollen. Die USA und China heimsen alles ein.

Frank Broschwitz vom Riesaer Fachmarkt Elbe-Holz hat noch Dachlatten auf Lager. Doch der Nachschub wird immer schwerer.
Frank Broschwitz vom Riesaer Fachmarkt Elbe-Holz hat noch Dachlatten auf Lager. Doch der Nachschub wird immer schwerer. © Sebastian Schultz

Riesa-Großenhain. Holger Engel betreibt in Goltzscha eine kleine Bau- und Möbeltischlerei. 1989 hat er sie von seinem Großvater Kurt übernommen. In über 30 Jahren Berufserfahrung hat er schon viel erlebt und sich trotz mancher Schwierigkeiten als Handwerker immer wieder durchgebissen. Aber das, was er und viele seiner Kollegen zurzeit erleben, sei "fürchterlich".

Die Preise für Bauholz sind in den letzten Monaten enorm gestiegen. Seit Oktober fast um das Dreifache, schätzt Engel ein. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Preise für die Kunden. Dachstühle für Eigenheime seien mindestens doppelt so teuer wie noch vor einem Jahr. Und er weiß nicht, wohin die Holzpreise noch führen.

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Für einen Kubikmeter Bauholz berechnet er 710 Euro, plus Mehrwertsteuer. Im Oktober seien es knapp 300 Euro gewesen. "Ich mache mittlerweile nur noch Tagespreise", berichtet Engel. "Der Kunde muss sich schnell entscheiden, denn ich kann die Preise nur 14 Tage halten." Das Schlimme seien noch nicht mal die Preise. Es gebe kaum noch ordentliches Bauholz.

Stürme, Dürren und Borkenkäfer

Das bestätigt auch Frank Broschwitz, der Betriebsteilleiter des Riesaer Holz- und Gartenfachmarktes Elbe-Holz. Er erzählt, dass die deutschen Großsägewerke ihre Produkte vorrangig in die USA und nach China verkaufen. Denn sie bezahlen besser. "Das hat zu einem Totalausfall für den deutschen Markt geführt", sagt er. "Und die kleinen Holz-Verarbeiter schaffen es nicht, den Bedarf zu decken." Auch er betont: "Wir haben kein Problem, unsere Produkte loszuwerden, sondern überhaupt Holz zu bekommen."

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen liegt es an der Natur bzw. am menschengemachten Klimawandel - je nachdem, von welcher Perspektive man das Problem betrachtet. Die Folge sind Stürme, Dürren und Borkenkäfer, die dem Wald zu schaffen machen. Wie der Staatsbetrieb Sachsenforst Ende Februar mitteilte, habe diese Mischung seit Oktober 2017 rund 82.000 Hektar des sächsischen Waldes geschädigt. Auf zusätzlichen 7.500 Hektar sind Freiflächen entstanden.

Das hat eine Analyse von Satellitendaten durch das Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft von Sachsenforst ergeben. Damit sind 17 Prozent des gesamten Waldes in Sachsen von den Schäden betroffen. Das entspricht fast dreimal der Fläche der Landeshauptstadt Dresden. Und ein Ende des Schadgeschehens sei derzeit noch nicht absehbar, so der Staatsbetrieb.

Große Nachfrage wegen Bauboom

Was in Deutschland der Borkenkäfer ist, ist in Nordamerika der Latschenkäfer. Er frisst momentan in Kanada, dem größten Holz-Exporteur der Welt (gefolgt von Russland und Schweden), die Wälder kahl. Die beiden Wirtschaftsriesen USA und China haben deshalb ihre Fühler nach Europa ausgestreckt und kaufen den hiesigen Holzmarkt leer.

Ein weiterer Grund für die Holzknappheit und den Preisanstieg ist der Bauboom. Niedrige Zinsen begünstigen, dass im In- und Ausland mehr Eigenheime und Wohnungen gebaut werden. Das trifft auch auf die USA zu. Doch weil in den südlichen Bundesstaaten vorzugsweise Holzhäuser gebaut werden, ist der Bedarf an diesem natürlichen Rohstoff um ein Vielfaches höher als in Deutschland.

Zudem ist aus der Fachpresse zu erfahren, dass mit Beginn der Coronavirus-Pandemie der Immobiliensektor in den USA einbrach. Daraufhin wurden viele US-Holzmühlen geschlossen. Sie fehlten, als die Nachfrage nach Vorstadthäusern, begünstigt durch niedrige Hypothekenzinsen, wieder anstieg. Auch deshalb produzieren deutsche Großsägewerke vorwiegend für die zahlungskräftigen Kunden aus Übersee.

Holz als Spekulationsobjekt

Da können deutsche Holzhändler schwer mithalten. "Solche Holzpreise hatten wir noch nie", sagt auch Frank Broschwitz von Elbe-Holz Riesa. "Dachlatten sind fast so viel wert wie Gold."

Damit untertreibt er sogar. Denn mittlerweile ist Holz ein beliebtes Spekulationsobjekt an den Rohstoff-Börsen der Welt geworden. Laut mehreren Börsen-Internetportalen ist der Holzpreis in Euro seit einem Jahr um das Vierfache gestiegen. Während der Wert von Gold nachlässt, befinden sich Rohstoffe von Kupfer über Rohöl bis hin zu Mais seit Monaten in einem Aufwärtstrend. Aber der Holzpreis schlägt sie alle.

Auch wenn Börsenexperten davon ausgehen, dass dieser Höhenflug bald ein Ende hat, ist sich Broschwitz sicher: "Wir müssen uns in Zukunft an schwankende Holzpreise gewöhnen."

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Noch sind nicht alle holzverarbeitenden Betriebe von dem hohen Holzpreis betroffen. Das Imprägnierwerk Wülknitz stellt Bahnschwellen aus Buchenholz her. "Wir haben langfristige Verträge", sagt Geschäftsführer Oliver Arlt. Er habe das Holz bereits vor einem Jahr eingekauft. Außerdem würde am Bau eher mit Nadelholz gearbeitet. Arlt: "Ich hoffe, die Preisblase geht an uns vorbei."

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