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Wo Wohnen wenig kostet

Gröditz und Umgebung gehört zu den Regionen in Sachsen, wo die Leute mit ihrer Wohnsituation am zufriedensten sind.

Auch die Wohnblöcke in Gröditz sind nicht mehr so grau wie vor 20 Jahren.
Auch die Wohnblöcke in Gröditz sind nicht mehr so grau wie vor 20 Jahren. © Jörg Richter

Gröditz. Die bislang größte Umfrage unter knapp 15.000 Sachsen zur Familienfreundlichkeit im Freistaat hat viele Themen beleuchtet. Eines davon ist die Zufriedenheit mit den Wohnbedingungen vor Ort. Der Landkreis Meißen schneidet im Sachsenvergleich in dieser Kategorie eher schlecht ab. Nur in den beiden Großstädten Leipzig und Dresden ist die Unzufriedenheit über zu wenig Wohnungen, teure Mieten und Grundstückspreise noch größer als zwischen Strehla und Radebeul.

Aus der Karl-May-Stadt meldet sich ein 44-jähriger Familienvater zu Wort und schimpft über teure Wohngebiete mit horrenden Mietpreisen. Auch in Riesa und Umgebung kommen Menschen an ihre finanziellen Grenzen, um den Traum von den eigenen vier Wänden wahr werden zu lassen. 

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"Die Grundstückspreise sind sehr hoch", schreibt zum Beispiel eine  34-jährige Mutter aus Nünchritz. "Bauen wollen wir gern, aber nicht um jeden Preis." Das ist auch die Meinung einer 47-jährigen Riesaerin. "Leider gibt es nicht genug Bauland in Riesa bzw. ist es zu teuer." Immobilien gebe es kaum auf dem Markt. Und wenn, dann würden sie "unter der Hand" verkauft. Die Mutter fordert: "Die Stadt muss mehr für Familien tun, die bauen wollen!"

Mehr preiswertes Bauland gefordert

"Es müssen mehr Baugrundstücke angeboten werden", sagt auch ein Rentner aus der Gemeinde Diera-Zehren. Und eine 67-jährige Meißnerin klagt über zu wenig Wohnungen für Familien in ihrer Stadt. "Es fehlen vor allem 3,5- bis 4-Raum-Wohnungen. Ein Neubau ist für normale Einkommen nicht bezahlbar", sagt sie.

Im Speckgürtel von Dresden und in den Kommunen entlang der Elbe scheint die Unzufriedenheit über zu wenig Wohnungsangebote und Baugrundstücke groß zu sein. Aber es gibt im Landkreis Meißen eine Gegend der Glückseeligen, was das Thema Wohnen betrifft. - Wer hätte gedacht, dass das Gröditz und seine beiden Nachbargemeinden Röderaue und Wülknitz sind. 

Bis vor 20 Jahren besaß Gröditz noch das Antlitz einer grauen Stahlstadt ohne echten Charakter - irgendwo zwischen zahlreichen Wohnblöcken und Dorfatmosphäre. Dann kam Mäzen Siegfried Richter aus Spanien. Der Millionär wollte mehr Farbe in seine Heimatstadt bringen und lobte für jeden, der sein Haus anstreichen würde, eine Prämie aus. Er ließ auch das Hotel Spanischer Hof errichten, setzte sich für die Rettung der Schwimmhalle ein. Gröditz begann zu atmen und mauserte sich zu einer lebenswerten Stadt, wie jetzt auch die Umfrage zum Familienkompass 2020 bestätigt.

Die Gesamteinschätzung der Befragten in Gröditz, Röderaue und Wülknitz entspricht mit einer Note von 2,89 in etwa dem Durchschnitt in Sachsen (2,83). 
Die Gesamteinschätzung der Befragten in Gröditz, Röderaue und Wülknitz entspricht mit einer Note von 2,89 in etwa dem Durchschnitt in Sachsen (2,83).  © SZ-Grafik
Auch bei der Einschätzung für die Schulen liegen die drei Nachbarkommunen nur knapp hinter den Sachsenwerten.
Auch bei der Einschätzung für die Schulen liegen die drei Nachbarkommunen nur knapp hinter den Sachsenwerten. © SZ-Grafik
Bei den Kitas stehen bezahlbare Elternbeiträge dem Wunsch nach besserer Personalausstattung entgegen.
Bei den Kitas stehen bezahlbare Elternbeiträge dem Wunsch nach besserer Personalausstattung entgegen. © SZ-Grafik
In der Region an der Landesgrenze zu Brandenburg sind offensichtlich viele der Befragten mit ihrem Job zufrieden und halten ihre Arbeitsstelle für sicher. 
In der Region an der Landesgrenze zu Brandenburg sind offensichtlich viele der Befragten mit ihrem Job zufrieden und halten ihre Arbeitsstelle für sicher.  © SZ-Grafik
Dagegen ist die Einschätzung über die Ärzteversorgung in Gröditz, Röderaue und Wülknitz verheerend und weit hinter den sächsischen Durchschnittswerten.
Dagegen ist die Einschätzung über die Ärzteversorgung in Gröditz, Röderaue und Wülknitz verheerend und weit hinter den sächsischen Durchschnittswerten. © SZ-Grafik
Freizeitmöglichkeiten, Schulvielfalt und die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr sind auch in der Kritik.
Freizeitmöglichkeiten, Schulvielfalt und die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr sind auch in der Kritik. © SZ-Grafik
Beim Thema Wohnen schneiden Gröditz, Röderaue und Wülknitz sehr gut ab und belegen in dieser Kategorie kreisweit sogar den 1. Platz. 
Beim Thema Wohnen schneiden Gröditz, Röderaue und Wülknitz sehr gut ab und belegen in dieser Kategorie kreisweit sogar den 1. Platz.  © SZ-Grafik

Was das Wohnen betrifft, zählen die Menschen in Gröditz, Röderaue und Wülknitz zu den Zufriedensten in ganz Sachsen. Die Region im Nordwesten des Landkreises Meißen rangiert in dieser Kategorie auf Platz vier im Freistaat. Nur die Sebnitzer, Peniger und Auerbacher hatten noch weniger an ihrer Wohnsituation zu kritisieren. 

Das freut auch den Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke. Er sieht die Arbeit seiner Stadtverwaltung in den letzten Jahren bestätigt. "Wir unterstützen gern junge Leute, die hier etwas aufbauen wollen und geben ihnen Tipps", sagt er. So wirbt die Stadt Gröditz zum Beispiel dafür, Dreiseithöfe zu erhalten und hilft den jungen Familien, entsprechende Fördermittel zu beantragen. Auch der Preis für einen Quadratmeter Bauland ist mit 38 Euro günstig. In Radebeul müssen Bauherren schon mehr als 500 Euro pro Quadratmeter berappen. In Riesa sind es 80 Euro. 

In Gröditz gibt es zwei Eigenheimgebiete. Eines am Eichenhain und das andere an der Reppiser Straße. Für ein drittes Wohngebiet am Wasserturm habe die Stadtverwaltung die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, dass gebaut werden kann. 20 Parzellen sind dort vorgesehen. 

Neue Eigenheimstandorte in Raden geplant

"Aber neue Eigenheimgebiete sind nicht das Allheilmittel", sagt Reinicke. "Wir wollen lieber den Bestand nutzen und keine neuen Standorte ausweisen." In Gröditz gebe es noch genügend freie Flächen und Häuser, die neue Besitzer suchen. 

Auch die Gemeinde Röderaue setzt auf den Trend, dass junge Familien lieber auf dem Land bauen wollen. Gerade in der Corona-Zeit hat sich gezeigt, dass Eigenheime mit großen Grundstücken, wo die Kinder trotz Lockdown an der frischen Luft spielen können, von Vorteil sind. Erst vor Kurzem hat der hiesige Gemeinderat den neuen Flächennutzungsplan verabschiedet. Darin sind auch neue Baustellen in Raden ausgewiesen. Am Ortsausgang Richtung Frauenhain sollen neue Eigenheime entstehen.

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