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Corona-Kuscheln im Schulbus nach Riesa

Eltern in Lichtensee kritisieren, dass es zu eng darin ist. Die Verkehrsgesellschaft Meißen reagiert. Aber ist das Problem gelöst?

Schon in der Vergangenheit haben Eltern kritisiert, dass ihre Kinder in übervolle Schulbusse (wie hier vor vier Jahren in Moritzburg) einsteigen müssen. Jetzt wurde wieder ein Fall bekannt. Und das auch noch in Corona-Zeiten.
Schon in der Vergangenheit haben Eltern kritisiert, dass ihre Kinder in übervolle Schulbusse (wie hier vor vier Jahren in Moritzburg) einsteigen müssen. Jetzt wurde wieder ein Fall bekannt. Und das auch noch in Corona-Zeiten. © Symbolfoto: Arvid Müller

Landkreis. Jeden Morgen der gleiche Frust. Der Schulbus kommt, Kinder und Jugendliche wollen an der Haltestelle in Lichtensee einsteigen. Aber der Bus ist schon rappelvoll.  Alle Sitzplätze sind belegt. Wer schon in Gröditz eingestiegen ist, hat wieder mal Glück. Jetzt beginnt das Drängeln im Gang. Nach und nach rutschen die Schüler mit ihren Taschen und Ranzen nach hinten in den Bus, damit vorn noch welche reinpassen können.

Das geht so seit Beginn des Schuljahres. "Die Busse sind wahnsinnig überfüllt", berichtet Katja Picker. Ihre Tochter besucht eine 6. Klasse am Städtischen Gymnasium in Riesa. Oft wäre der Bus in Lichtensee so voll, dass das Mädchen vorn neben dem Busfahrer stehen muss. "Ich will mir nicht vorstellen, was passiert, wenn der Busfahrer plötzlich scharf bremsen muss, weil zum Beispiel ein Wildschwein über die Straße läuft", sagt die besorgte Mutter. 

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In Zeithain versucht die Freundin ihrer Tochter, in den Schulbus einzusteigen. Bis vor Kurzem war das ein fast aussichtsloses Unterfangen. Denn schon eine Bushaltestelle zuvor in Neudorf würden kaum noch Kinder reinpassen, berichtet Katja Pickert.

Hygienekonzepte der Schulen umsonst?

Sie ist nicht die Einzige, die darüber nur den Kopf schütteln kann. Bereits im Vorjahr habe sie mit anderen Eltern die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) auf die übervollen Schulbusse aufmerksam gemacht. Und auch in den vorangegangenen Jahren hatten sich in mehreren Orten des Landkreises Meißen immer wieder mal Eltern an die SZ gewandt, um auf überfüllte Schulbusse hinzuweisen. 

"Aber da hatten wir noch kein Corona", sagt Katja Picker. Die Abstandsregel von 1,50 Meter könne in der Buslinie 439 nicht eingehalten werden, wenn alle Schüler mitfahren sollen. Oft seien die Scheiben der Busse von innen beschlagen. Auch wenn die Kinder und Jugendlichen alle Mund- und Nasen-Masken tragen, so sei das Risiko, sich im Schulbus mit Corona anzustecken, deutlich höher als auf dem Schulhof oder in den Klassenzimmern. "Alle Schulen können ihre Hygiene-Konzepte über Bord werfen, wenn die Kinder in den Bussen eingepfercht sind", gibt die Mutter deshalb zu bedenken. 

Am vergangenen Freitag war auf Drängen der Eltern die Polizei vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Das bestätigt auch Anja Schmiedgen-Pietsch, die Pressesprecherin des Landkreises Meißen, der für den Schulbus-Verkehr verantwortlich ist. "Die Polizeikontrolle hat ergeben, dass der Bus innerhalb seiner Kapazitäten verkehrt", sagt sie. 

Auch VGM-Prokurist Jörg Weinhardt spricht von einer "tageweisen Auslastung an der Kapazitätsgrenze". Das betreffe die Tour 6 der Linie 439. "Aus diesem Grund fährt seit dem zweiten Schultag unser Reservebus als Verstärkerbus ab Gröditz bis Riesa", so Weinhardt.

Schulbus ab Jacobsthal fährt eher

Er kündigt eine Fahrplanänderung an. Die Linie 437, die normalerweise zwischen Mühlberg und Riesa verkehrt, soll ab Montag auch Neudorf ansteuern und alle Fahrgäste Richtung Zeithain und Riesa aufnehmen. Ein entsprechender Hinweis findet sich im 3. Fahrplanberichtigungsblatt des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), das am Sonntag erscheint.

Danach fährt der Bus ab Jacobsthal Am Wald um 6.21 Uhr los, fünf Minuten eher als sonst, um den Zeitverlust für den Umweg über Neudorf Wendeplatz ausgleichen zu können. Wer also ab Montag in Jacobsthal, Kreinitz, Lorenzkirch, Zschepa, Gohlis, Bobersen, Röderau-Kieswerk und Zeithain seine Kinder zum Schulbus schafft, sollte fünf Minuten eher an der jeweiligen Haltestelle sein. Ab Röderau Dorfplatz verkehrt die Linie 437 wieder regulär.

Wie Weinhard bestätigt, gebe es gegenwärtig auf anderen Linien der VGM keine Hinweise auf überfüllte Busse. "Allerdings werden immer zum Schuljahresbeginn entsprechende Reaktionen von Eltern verbreitet", sagt er. Bei Hinweisen würden sofort entsprechende Kontrollen durchgeführt und die weitere Vorgehensweise mit dem Landkreis Meißen als Aufgabenträger abgestimmt. 

Mit dem Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Bus würden die Vorgaben der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung zum wirksamen Schutz vor dem Coronavirus erfüllt, so der VGM-Prokurist. Ob das allein reicht, bezweifeln aber Katja Picker und die anderen Eltern. Auch wenn die Schulbusse nach Aussage der VGM nicht überfüllt sind, eng ist es dort allemal.

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