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Rathaus-Chefin: "Will keine Flausen in die Welt setzen"

Die neue Nünchritzer Bürgermeisterin Andrea Beger arbeitet sich zurzeit noch im Rathaus ein. Ein paar Ideen hat sie dennoch.

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Bürgermeisterin Andrea Beger hat gern vom Angebot ihres Vorgängers Gerd Barthold (vorn) Gebrauch gemacht, sie in den ersten Wochen einzuarbeiten.
Bürgermeisterin Andrea Beger hat gern vom Angebot ihres Vorgängers Gerd Barthold (vorn) Gebrauch gemacht, sie in den ersten Wochen einzuarbeiten. © Matthias Seifert

Nünchritz. Seit 10. Dezember steht mit der parteilosen Andrea Beger erstmals eine Frau an der Spitze des Nünchritzer Rathauses. Welche Pläne hat die Leckwitzerin in ihrem ersten Jahr als Bürgermeisterin? Sächsische.de hat nachgefragt.

Frau Beger, Sie sind seit etwa einem Monat Bürgermeisterin der Gemeinde Nünchritz. Wie haben Sie sich eingelebt?

Ich habe mich sehr gut eingelebt. Ich komme jeden Tag gern hierher, nehme die Aufgaben in Angriff, so wie sie anstehen, und arbeite mich nach wie vor ein. Mein Vorgänger hat mich die erste Zeit unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin. Und er hat auch angeboten, dass ich weiter bei ihm anrufen kann, um bei verschiedenen Themen nicht ganz von vorn anzufangen.

Wie sind Sie von Ihren neuen Kollegen aufgenommen worden?

Ich kann mich nicht beklagen. Sie haben mich herzlich aufgenommen. In der Zeit über Weihnachten und Neujahr hatte ich Zeit, mit verschiedenen Kollegen individueller im Gespräch zu sein, sodass man sich gut kennenlernt. Und wir sind weiter dabei. Ich habe ein gutes Gefühl. Mir macht es wirklich Spaß, jeden Tag hierherzukommen und mit den Leuten hier zu arbeiten.

Sie haben vorher als stellvertretende Leiterin des Familienamtes der Stadt Meißen gearbeitet. Hilft das Ihnen jetzt in Ihrem neuen Amt als Nünchritzer Bürgermeisterin?

Sicherlich, denn ich weiß, wie eine kommunale Verwaltung vom Posteingang bis zum Bescheid-Schreiben funktioniert. Mir sind also die Abläufe nicht fremd. Ich will nicht behaupten, dass ich fachlich jetzt in jedem Thema des Ordnungs- oder Bauamtes stecke. Aber der Verwaltungsprozess ist mir bekannt. Das hilft unwahrscheinlich.

Mit welcher Sache beschäftigen Sie sich momentan intensiver?

Was uns immer wieder begegnet, ist momentan Corona. Da müssen wir tagesaktuell an den Bestimmungen bleiben. Wir sind als Gemeinde Arbeitgeber und Kita-Träger und haben eine Verantwortung. Ansonsten kümmere ich mich um das Alltagsgeschäft einer Kommunalverwaltung. Es ist schon sehr intensiv, sich in die verschiedenen Bereiche einzuarbeiten, um mir einen Überblick zu verschaffen, was jetzt die dringenden Themen sind. Dazu kommen die Sitzungen des Gemeinderates. Die erste Einladung zum Verwaltungsausschuss ist schon rausgegangen. Das muss alles vorbereitet werden. Die ganzen Fristen, die da eingehalten werden müssen, sind auch für mich etwas Neues.

Welche Investitionen sind in diesem Jahr in Nünchritz geplant?

Wir gehen die weißen Flecken der Breitband-Versorgung an. Das betrifft Zschaiten, Roda und Leckwitz.

Das passiert in Zusammenarbeit mit den Gemeinden des Elbe-Röder-Dreiecks und unter der Federführung der Stadt Gröditz.

Ja, Gröditz hat dankenswerterweise die Fäden in der Hand und einen gemeinsamen Breitbandkoordinator eingestellt. Anders ist das gar nicht zu stemmen.

Sie sind als Leckwitzerin ja selbst vom schlechten Internetanschluss betroffen.

Genau. Ursprünglich war das einer meiner Gründe, mich 2019 zur Wahl in den Gemeinderat aufstellen zu lassen. Jetzt freue ich mich, dass ich dieses Thema an vorderster Front weiter begleiten kann. Das langsame Internet ist schon sehr ärgerlich. Das erschwert u. a. Homeoffice oder Homeschooling. Videokonferenzen per Internet funktionieren bei uns in Leckwitz nicht. Zumindest nicht mit Bild, sondern nur mit Ton. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Erst recht nicht in einer Pandemie, wie wir sie jetzt erleben, in der viele Leute von zu Hause aus arbeiten sollen.

Wie geht es beim kommunalen Straßenbau weiter?

Wir wollen in Nünchritz einen Teil des Hochwasserwegs erneuern. Auch auf der Karl-Marx-Straße soll es weitergehen. Jedoch müssen wir hier gut das aktuelle Bauvorhaben der Deutschen Bahn im Blick behalten.

Wie bereits erwähnt, haben Sie im Meißner Familienamt gearbeitet. Wird es jetzt mehr Familienthemen in der Gemeinde geben?

Ich habe schon vor meiner Wahl zur Bürgermeisterin gesagt, dass es mir wichtig ist, Jugendliche mehr an der Entwicklung ihrer Dörfer zu beteiligen. Für dieses Thema sehe ich zukünftig gute Partner, wie z. B. der Kinder- und Jugendtreff "Kombi" und die Oberschule, die eine Schulsozialarbeiterin hat. Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft. Und sie sollen ja lernen, wie Demokratie funktioniert. Deshalb könnte ich mir gut einen Jugendgemeinderat oder ähnliches Gremium vorstellen. Das steht und fällt natürlich damit, ob auch Jugendliche die Idee gut finden und bereit sind, sich einzubringen.

Wobei sollen die Kinder und Jugendlichen mitbestimmen dürfen?

Zum Beispiel bei der Spielplatzgestaltung. Wer legt denn fest, welche Spielgeräte angeschafft werden sollen? Oft sind es Erwachsene. Und wer spielt damit? Kinder. Also warum kann man nicht Formen der Mitbestimmung finden? Das heißt noch lange nicht, dass man immer alle Wünsche der Kinder und Jugendlichen umsetzen kann. Aber man nimmt sie erst einmal wahr. Das ist besser, als irgendetwas in bester Absicht anzuschaffen, was vielleicht gar nicht so viel Zuspruch findet.

Haben Sie darüber hinaus weitere Pläne und neue Ansätze in der Kommunalarbeit?

Ich will keine unrealistischen Flausen in die Welt setzen. Mir ist es wichtig, mich als Bürgermeisterin einzuarbeiten, meine Verwaltungsmitarbeiter und ihre Themen besser kennenzulernen und den Gemeinderat mitzunehmen. Und es gilt, ein Netzwerk mit Einwohnern, Vereinen und Gewerbetreibenden aufzubauen und auch mal die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden kennenzulernen. Das ist meine Priorität der nächsten Wochen und Monate, um künftig an konkreten Zielen arbeiten zu können.

Das Gespräch führte Jörg Richter.