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"Bis Corona kam, lief es hervorragend"

Riesa hat mit der Sachsenarena eine der bekanntesten Veranstaltungshallen Sachsens. Sächsische.de hat nachgefragt, wie es darum steht.

John Jaeschke ist Geschäftsführer der FVG Riesa, des städtischen Betreibers der Sachsenarena. Derzeit stehen Arena und Stadthalle Stern sehr oft leer - gleichzeitig ist der Terminkalender für das Folgejahr so voll wie noch nie.
John Jaeschke ist Geschäftsführer der FVG Riesa, des städtischen Betreibers der Sachsenarena. Derzeit stehen Arena und Stadthalle Stern sehr oft leer - gleichzeitig ist der Terminkalender für das Folgejahr so voll wie noch nie. © Sebastian Schultz

Herr Jaeschke, wie geht es Ihren Kollegen?

In Bibliothek, Museum und Tierpark sind die Mitarbeiter zum Glück wieder in Vollzeit tätig, während sich die Mitarbeiter, die für Arena und Stadthalle zuständig sind, zum Großteil noch in Kurzarbeit befinden. Die Veranstaltungslage gibt das momentan noch nicht anders her. Dass diese Mitarbeiter darüber nicht glücklich sind, ist selbstredend.

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Die Zahl der Veranstaltungen seit Corona ist bislang überschaubar: Der Auftritt der Elbland-Philharmonie in der Arena, die Premiere der MMA jetzt am Sonnabend, bald wieder die Reihe Live vom Balkon. Wie geht es weiter?

Das Format Live vom Balkon wollen wir wegen der hohen Nachfrage auch in den nächsten Monaten weiter anbieten. Am 19. September freuen wir uns auf die ZDF-Livesendung „Willkommen bei Carmen Nebel“.

Können Zuschauer dafür Karten kaufen?

Leider nicht mehr. Die aktuell geltenden Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen ermöglichen nur eine sehr begrenzte Anzahl von Zuschauern. Unter normalen Umständen wäre das natürlich eine sehr gefragte Veranstaltung.

Was steht dieses Jahr noch an?

Das hängt davon ab, wie sich die Verfügungssituation weiter darstellen wird. Geplante Großveranstaltungen wie unsere Tanzwochen können leider nicht stattfinden. Deshalb haben wir uns schweren Herzens entschieden, die Veranstaltung in der Form abzusagen. Im Oktober hätten wir beispielsweise Santiano oder auch die Pferdeshow Cavalluna begrüßen dürfen. Auch das geht leider nicht und wird auf 2021 verlegt. MMA-Live an diesem Wochenende war aber zum Beispiel ein toller Erfolg, so dass die Veranstalter am 7. November erneut aufwarten werden.

Und die Superenduro-WM zum Jahreswechsel?

Hier müssen wir die weitere Entwicklung abwarten.

Publikumsträchtig sind auch die Flohmärkte, die sonst in der Arena stattfinden. Lassen die sich nicht bald wieder durchführen?

Hier sind wir optimistisch, dass dies wieder möglich wird und stimmen mit dem Veranstalter Termine ab, um in den nächsten Wochen wieder starten zu können. Das Hygienekonzept ist natürlich in enger Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt. Ich muss auch sagen, dass die Zusammenarbeit inzwischen sehr gut funktioniert.

Wie sieht es aktuell eigentlich in den anderen Einrichtungen der FVG aus: Bibliothek, Museum, Tierpark sind ja wieder geöffnet …

Natürlich gelten dort Hygieneauflagen, die eine Einhaltung der Mindestabstände und das Tragen der Mund-Nase-Bedeckung in den Gebäuden vorsehen. Aber die Menschen haben ein Bedürfnis, ihre lieb gewonnenen Einrichtungen zu besuchen. Die Auslastung steigt und das ist ein gutes Signal! Im übrigen auch für unsere dortigen Mitarbeiter, die einen ganz tollen Job machen, damit sich die Besucher wohl und sicher fühlen.

Wie hoch ist die Auslastung tatsächlich?

Aktuell stehen wir bei knapp drei Viertel der Vor-Corona-Auslastung in den Bereichen. Das hat sich in den letzten Wochen sukzessive erhöht. Man merkt, dass sich die Besucher auf die Situation eingestellt haben und auf ein Stück Lebensqualität nicht verzichten wollen.

Wegen der Abstandsregelungen sind publikumsträchtige Veranstaltungen wie der „Kaffeeklatsch“ vom Museum in den Stern umgezogen …

Da haben wir in Riesa sicher den Vorteil, dass wir adäquate Ersatzlocations entsprechend der Größe zur Verfügung haben – was also etwa wegen der Corona-Problematik von der Größe her nicht im Haus am Poppitzer Platz stattfinden kann, können wir, Verfügbarkeit vorausgesetzt, in die Stadthalle Stern verlegen; was dort nicht passt, kann vom Stern in die Arena wechseln, sofern es keine Tourneeabsagen sind.

Die Sachsenarena hatte 2019 eine Rekord-Besucherzahl von fast 220.000 Besuchern erreicht. Haben Sie schon mal überschlagen, wie die Zahl am Ende des „Corona-Jahrs“ 2020 aussehen könnte?

Das haben wir ehrlich gesagt noch nicht. Dieses Jahr eignet sich leider nicht für Rekorde, auch wenn das erste Quartal herausragend gut anlief: Wir sind fantastisch gestartet, bis uns Corona zum Roland-Kaiser-Konzert jäh gestoppt hat. Absolute Zahlen können und werden wir erst auf unserer Jahrespressekonferenz vorstellen.

Was waren denn die Höhepunkte des ersten Quartals?

Die Superenduro-WM war wieder ein Highlight, wir hatten die XXL-Schlagershow mit Florian Silbereisen, wir hatten den Comedian Paul Panzer, die Kellys – insgesamt eine ganze Reihe toller Veranstaltungen. Bis zu den Proben mit Roland Kaiser waren wir noch vorsichtig optimistisch, mit ihm den Tourstart in Riesa zelebrieren zu können. Die weiteren Ereignisse verhinderten, dass es dazu kommen konnte.

Die Sachsenarena machte im Juni an der bundesweiten Aktion mit, Gebäude rot anzustrahlen, um auf die Not der Branche aufmerksam zu machen. Da waren auch viele kleine Macher beteiligt, die von Veranstaltungen leben. Bekommen Sie mit, wie es denen geht?

Die Situation bleibt bei allen mittelbar und unmittelbar Beteiligten der Veranstaltungsbranche nach wie vor sehr angespannt, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Und wir müssen weiter lautstark auf diese absolut brenzlige Situation aufmerksam machen. Wir als FVG werden uns deshalb auch bei der Protestaktion am 9. September in Berlin beteiligen. Dort gibt die Veranstaltungsbranche unter dem Motto „Alarmstufe Rot“ sprichwörtlich das letzte Hemd ab, wenn nicht dringend Rettungsmaßnahmen ergriffen werden.

Noch eine Frage zur Arena an sich: Das Gebäude ist mittlerweile 21 Jahre alt. Größere Investitionen hat es zuletzt nicht gegeben. Ist da was in Aussicht? Lassen sich da Fördermittel requirieren?

Das Thema Fördermittel sollte man noch einmal ganzheitlich diskutieren. Grundsätzlich befindet sich die Arena in einem soliden Zustand. Aber wegen Corona müssen wir sehr genau auf den Prüfstand stellen, was Pflicht-Investitionen sind und was zur Kür gehört. In punkto Sicherheit werden wir überhaupt keine Abstriche machen, das ist ganz klar. Aber in Bezug auf die Weiterentwicklung in Sachen Komfort, Service oder auch Nachhaltigkeit müssen wir sehr genau schauen, wo und wie wir Investitionen einsetzen. Der Mitteleinsatz ist begrenzt.

Gibt es da aktuell Pläne?

Daran arbeiten wir im Hintergrund stetig. Momentan besteht die Herausforderung aber darin, unsere Liquidität zu sichern. Wir haben keine Einnahmen, aber stetige Ausgaben: Die Gehälter der Mitarbeiter zu sichern, ist das A und O. Deshalb ist alles, was wir an Investitionen für dieses und auch für nächstes Jahr geplant haben, auf den Prüfstand gestellt worden.

Wie sieht Ihr Ausblick auf das nächste Jahr aus?

Wir hatten noch nie bei der FVG einen so gut gefüllten Terminkalender für das Folgejahr wie jetzt. Die große Frage wird sein, ob und wie diese Veranstaltungen in diesem Umfang auch stattfinden können.

Da sind dann aber auch die Nachholtermine von 2020 dabei …

Ja. Der Buchungsstand für die Arena 2021 ist sehr gut, bedingt durch die Verschiebungen. Aber es bleibt die Herausforderung: Was passiert im nächsten Jahr mit den Veranstaltungen? Das Vor-Corona-Niveau werden wir nächstes Jahr wohl noch nicht erreichen.

Wegen der Auflagen durch die Ämter?

Aufgrund der Gesamtsituation: Es ist immer noch nicht klar, wie genau man künftig Veranstaltungen durchführen kann. Da warten wir auch gespannt auf die Ergebnisse und Rückschlüsse des Corona-Test-Experiments beim Tim-Bendzko-Konzert am 22. August in Leipzig. Damit ist Ende September zu rechnen; die werden auch für Riesa sehr wertvoll sein.

Da geht es darum, welche Regeln man für die Veranstaltungen sinnvollerweise aufstellt?

Ganz genau. Beim Fußball geht es ja nun auch wieder vorsichtig mit Teilöffnungen los. Und das ist richtig so, denn man muss den Menschen auch Vertrauen schenken, diesen außergewöhnlichen Umständen verantwortungsvoll zu begegnen. Pauschale Absagen können keine Lösung sein. Daher sind wir gespannt, welche Rückschlüsse sich aus dem „Leipzig-Test“ ergeben werden. Da geht es um Abstände, Laufwege oder auch die tatsächliche Verbreitung von Aerosolen. Eine wichtige Frage auch für uns ist etwa, wie man die Belüftung dann technisch nachjustieren kann. Das debattieren die Experten derzeit.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Für unsere Gäste, aber auch meine Mitarbeiter, dass wir die Veranstaltungs-Begeisterung wieder so entfachen können, wie sie vor Corona herrschte. Das wird aber eher ein längerer Weg sein und demzufolge schon fast eher ein Wunsch für 2022. Klar ist aber: Es muss uns möglich sein, mit verantwortungsvollen Maßnahmen und Konzepten wieder beginnen zu dürfen, damit die Event- und Kulturbranche nicht stirbt. Und ich wünsche mir, dass unsere vielen Partnerunternehmen, gerade auch die Kleinen, es schaffen, diese Krise durchzustehen.

In Riesa hängt ja mit der Hotel- und Gastronomiebranche auch sonst einiges an den Veranstaltungen in Arena und Stern …

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Ja. Und es tut uns deshalb wirklich weh, Veranstaltungen wie beispielsweise die Tanzwochen 2020 nicht stattfinden lassen zu können, weil wir genau wissen, dass ein ganzer Wirtschaftskreislauf da dranhängt. Ohne unsere vielen Partner funktioniert schließlich auch der Eventstandort Riesa nicht.

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