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Eine Palette Seife aus Riesa für Lesbos

Eine Frau hatte erst in Griechenland im Flüchtlingslager mit angepackt - und zurück in Deutschland beim Einkaufen eine Idee.

Dorothee Bermes will Flüchtlingen auf Lesbos helfen - und hat dafür jetzt 500 Kilo Seife in Riesa abgeholt, die von Kappus gespendet wurde.
Dorothee Bermes will Flüchtlingen auf Lesbos helfen - und hat dafür jetzt 500 Kilo Seife in Riesa abgeholt, die von Kappus gespendet wurde. © Sebastian Schultz

Riesa. So sehen also 1.960 Stück Seife aus: Fast eine halbe Tonne wiegt die Palette Kernseife, die Dorothee Bermes gerade ins Auto geladen wurde. Gut, dass die Frau aus der Nähe von Köln mit ihrem Mann extra per VW-Bus nach Riesa gekommen ist. Ein Pkw hätte für die in Kisten verpackte und anschließend in Folie eingeschnürte Seife kaum ausgereicht.

Und ordentlich verpackt muss die Ware sein: Sie hat vom Kappus-Werk in Gröba einen weiten Weg vor sich. "Wir schaffen die Seife jetzt nach Braunschweig, dort wird sie in einen Container eingeladen", sagt Dorothee Bermes. Dort kommen dann noch Kleider, Zelte, Babywindeln und mehr dazu - bevor es auf die griechische Insel Lesbos geht.

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Dort hatte die Odenthalerin Anfang des Jahres als Helferin im Flüchtlingslager gearbeitet. "Wir haben dort im Camp Spenden verteilt, die aus ganz Europa eintrafen." Die Organisation "Attika Human Support" betreibt auf der Insel ein großes Warenlager, wo Dorothee Bermes drei Wochen lang half. Dort galt es, Container auszuladen und Spenden zu sortieren. Das meiste der Waren sei hilfreich gewesen, leider aber nicht alles. "Da waren tatsächlich auch Schlittschuhe dabei, Osterdekoration oder säckeweise High Heels."

Dringend benötigte Kleidung aber und Hygieneartikel verteilten die ehrenamtlichen Helfer, so dass anschließend Gruppen von jeweils 100 bis 200 Migranten in die Halle kommen und sich das Passende heraussuchen konnten.

Das eigentlich für nicht einmal 3.000 Menschen geplante Lager Moria war damals zeitweise mit bis zu 20.000 Menschen belegt und galt als Europas größtes Flüchtlingslager. Später kamen in dem völlig überfüllten Lager noch harte Quarantäne-Vorschriften wegen Corona dazu, was die ohnehin aufgeheizte Situation explodieren ließ - bis im September dort ein Großbrand ausbrach, der laut griechischen Behörden von Bewohnern gelegt worden war.

Knapp 300.000 Stück Seifen laufen in Riesa bei Kappus vom Band - pro Tag.
Knapp 300.000 Stück Seifen laufen in Riesa bei Kappus vom Band - pro Tag. © Kappus Riesa

"Die Not der Flüchtlinge, das Eingreifen der Polizei, die Bauern, die ihre Felder nicht bestellen können - Lesbos ist ein Pulverfass", sagt Dorothee Bermes. Viele Neugeborene würden in dem Lager leben, bei manchen medizinischen Notfällen würden nicht einmal Ärzte kommen. "Das hat mich sehr berührt!"

Und dann, zurück in Deutschland, hatte sie in einem Laden ein Stück Seife in der Hand. "Da habe ich mir gesagt: Die Firma rufst du jetzt an." Dass es mit Kappus einen der ganz großen deutschen Seifenproduzenten traf, war eher Zufall. Unternehmenssprecherin Kerstin Sauer jedenfalls war von dem Projekt schnell begeistert.

Für die Zwecke auf Lesbos sei Kernseife ideal: "Damit kann man Kleidung waschen - sie aber auch für die Körperhygiene nutzen", sagt die Mitarbeiterin. Und biologisch abbaubar sei die Seife auch noch.

Das Werk in Gröba ist eine der traditionsreichsten Fabriken Riesas.
Das Werk in Gröba ist eine der traditionsreichsten Fabriken Riesas. © Sebastian Schultz

Solche Firmen müsste es häufiger geben, sagt Dorothee Bermes, die sich nun mit der Seife auf den Rückweg Richtung Westen macht. Weil sie mit ihrem Mann einen Campingplatz betreibe, habe sie nun Zeit für solche Aktionen: Dort ist nach einer sehr gut gelaufenen Saison nun Winterruhe. "Uns geht es gut, wir sind privilegiert - da muss man doch anderen helfen", sagt sie.

Bei Kappus in Riesa dagegen geht es nicht in die Winterpause: Dort wird jetzt weiter auf Hochdruck gearbeitet. Durch Corona war die Nachfrage nach Seife in diesem Jahr deutlich nach oben gegangen. Ende Oktober/Anfang November hatte man deshalb sogar auf ein Drei-Schicht-System umstellen müssen. Zudem wurde die Belegschaft in dem gerade erst glücklich durch ein Insolvenzverfahren gekommenen Standort vergrößert: von 76 auf aktuell 95 Mitarbeiter in Riesa. Sie arbeiten nun wieder im gewohnten Zwei-Schicht-System - aber unter einer nach wie vor hohen Auslastung, wie Sprecherin Kerstin Sauer sagt.

"Wir profitieren auch vom Trend zur Nachhaltigkeit", sagt die Kappus-Frau. Feste Seife, wie sie in Riesa produziert wird, kommt anders als Flüssigseife ohne große Verpackung aus, außerdem ohne Konservierungsstoffe. Pro Jahr stellt Kappus in Riesa rund 65 Millionen Stück Seife her - das sind fast 300.000 Stück pro Tag. Sie finden sich unter der Marke Kappus im Handel. Allerdings laufen auch sehr viele Eigenmarken von Handelsketten in Riesa vom Band.

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