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Fahren auf der Elbe bald Solarfähren?

Der Betrieb der vier Fähren zwischen Strehla und Coswig soll bei der VGM gebündelt werden. Und vielleicht wird auch technisch aufgerüstet.

Mit Sonnenkraft ist der Katamaran "Helio" auf dem Bodensee beim schweizerischen Mannenbach unterwegs. Auch im Kreis Meißen will man künftig auf solarbetriebene Fähren setzen.
Mit Sonnenkraft ist der Katamaran "Helio" auf dem Bodensee beim schweizerischen Mannenbach unterwegs. Auch im Kreis Meißen will man künftig auf solarbetriebene Fähren setzen. © Wikimedia.org "Wattewyl" CC BY 3.0

Landkreis Meißen. Auf dem Bodensee gibt es schon welche, auf der Weser in Niedersachsen und der Berliner Spree ebenfalls: Solarfähren, die von Elektromotoren angetrieben fast lautlos über das Wasser setzen. Mittelfristig könnten solche Boote mit Solarzellen auch die Technik an den vier Elb-Fährstellen im Kreis Meißen ablösen. 

Man warte auf ein Bundesförderprogramm, um damit die alten Fähren von Strehla über Riesa und Niederlommatzsch bis Coswig ersetzen zu können, sagte Landkreis-Dezernent Andreas Herr in Riesa. "Das ist unser großes Projekt als Landkreis im Hinblick auf Klimaschutz und Ökologie", teilte er beim Wirtschaftsforum mit.

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Ohnehin stehen bei den Elbfähren Veränderungen an. Bislang gibt es bei den vier Standorten deutliche Unterschiede - sowohl was das Eigentum an der Technik, als auch was den Betrieb angeht. Die Schiffe gehören meist der Kommune. Nur in Strehla ist die Stadt gleichzeitig auch der Betreiber, während das in Riesa eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke übernimmt. In Coswig-Kötitz und Niederlommatzsch betreibt die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) die Fähren.

Für die Nutzer heißt das: Nur auf zwei von vier Fähren kommt man mit dem VGM-Fahrschein rüber, die anderen sind separat zu bezahlen. Das soll sich in einem halben Jahr ändern: Stimmen Kreisräte und beteiligte Kommunen zu, gehen die Fähren dann auf den Landkreis über, in dessen Auftrag übernimmt die VGM zum 1. April 2021 den Betrieb aller vier Fähren.

Dann böte sich die Gelegenheit, den teils überalterten Fuhrpark zu erneuern. Je älter die Fähren, desto höher die Unterhaltskosten. Auch die Ausfallwahrscheinlichkeit steigt. "Das haben wir diesen Sommer gemerkt", sagt VGM-Geschäftsführer Jens Dehnert. In Niederlommatzsch und Diesbar-Seußlitz gab es massiv Ärger bei Gewerbetreibenden, weil die Stolzenfels monatelang nicht übersetzen konnte und so Touristen und Kunden ausblieben.

Moderne Elektrofähren könnten eine Alternative sein. "Sie müssten allerdings leistungsfähig sein", sagt Herms Gruber, bei der VGM für den Fährbetrieb zuständig. Manche Fähre ist von früh um fünf bis abends um sieben im Einsatz - und an Pfingstwochenenden oder zu Himmelfahrt fast pausenlos. "Da kann man nicht mal eine Stunde lang den Akku laden."

Tatsächlich sind vor allem die schon jetzt von der VGM betriebenen Fähren recht gefragt: An den Fährstellen Coswig und Niederlommatzsch werden jährlich insgesamt im Schnitt 60.000 Fahrgäste befördert. Zum Vergleich: In Riesa waren in dieser Saison bis Ende August rund 12.000 Leute übergesetzt worden, in Strehla sind es jährlich zwischen 8.000 und 9.000; dort kommen beim jährlichen Lorenzmarkt noch 2.000 bis 3.000 hinzu.

Die Fähre Nixe setzt von Strehla nach Lorenzkirch über. Sie ist Baujahr 2000 und fährt üblicherweise von Frühjahr bis zum Herbst.
Die Fähre Nixe setzt von Strehla nach Lorenzkirch über. Sie ist Baujahr 2000 und fährt üblicherweise von Frühjahr bis zum Herbst. © Sebastian Schultz
Die Rie-Pro verbindet Riesa und das gegenüber liegende Promnitz. Mit dem Baujahr 2002 ist sie die jüngste Fähre im Landkreis. Dieses Jahr ist der Fährbetrieb bis zum 19. Dezember geplant.
Die Rie-Pro verbindet Riesa und das gegenüber liegende Promnitz. Mit dem Baujahr 2002 ist sie die jüngste Fähre im Landkreis. Dieses Jahr ist der Fährbetrieb bis zum 19. Dezember geplant. © Sebastian Schultz
Die Elbfähre Stolzenfels fährt zwischen Diesbar-Seußlitz und Niederlommatzsch. Das Schiff ist Baujahr 1996. Sie ist im Ganzjahresbetrieb unterwegs.
Die Elbfähre Stolzenfels fährt zwischen Diesbar-Seußlitz und Niederlommatzsch. Das Schiff ist Baujahr 1996. Sie ist im Ganzjahresbetrieb unterwegs. © Eric Weser
Der Senior im Elbland ist das Fährschiff Kötitz. Es stammt aus dem Jahr 1969 und verbindet das ganze Jahr über Coswig/Kötitz und Gauernitz.
Der Senior im Elbland ist das Fährschiff Kötitz. Es stammt aus dem Jahr 1969 und verbindet das ganze Jahr über Coswig/Kötitz und Gauernitz. © Arvid Müller

Die Idee: Gelten überall die VGM-Fahrkarten, werden auch die Fähren in Riesa und Strehla für Ausflügler attraktiver. "Wir merken, dass durch Corona der Betrieb auf dem Elberadweg zunimmt", sagt Jens Dehnert. Manch ältere Leute hätten auf den Auslandsurlaub verzichtet und sich für das gesparte Geld ein E-Bike geleistet. Und mit einer VVO-Tages- oder Wochenkarte könnte man dann nicht nur den Bus für den Rückweg nehmen, sondern auch sämtliche Elbfähren.

Es gibt aber auch noch einen anderen Aspekt, der für eine Kooperation spricht: Die Fährleute werden älter - und Nachwuchs oder Vertretungen sind nicht einfach zu finden. Wer etwa elbabwärts in Belgern (Kreis Nordsachsen) die Fähre nutzt, wird vom Fährmann unter Umständen vorgewarnt: Wenn er einen Arzttermin hat, bleibt die Fähre so lange am Ufer liegen. Das soll im Kreis Meißen möglichst nicht passieren.

Aber die Ausbildung ist nicht ohne, erklärt Herms Gruber von der VGM. "Fünf bis sechs Wochen Theorie in Vollzeit, dann eine Prüfung, dann die Ausbildung für den Binnenschifffahrtsfunk", erklärt er. Und das war nur der theoretische Teil. Dann müssen angehende Fährleute nachweisen, 180 Tage bei einem erfahrenen Kollegen mitgefahren zu sein. "Da ist ein Jahr schnell rum", sagt Gruber. Ist das erfolgreich absolviert, muss der neue Fährführer schließlich noch an jeder einzelnen Fährstelle eine Prüfung ablegen. Und damit darf er dann nur quer über den Fluss setzen. Um ein Schiff längs die Elbe hinauf- oder hinabzusteuern, ist ein Schiffsführer-Abschluss nötig. "Und dafür muss man drei Jahre längs auf dem Fluss unterwegs gewesen sein", sagt Gruber.

Kleinen Kommunen wie Strehla fällt es schwer, eigene Mitarbeiter für so einen Job auszubilden. Deshalb wurden jetzt bereits neue Fährleute qualifiziert, die bei der VGM als Busfahrer angestellt sind. Insgesamt gibt es 16 Männer bei der VGM, die Fähren führen dürfen. Ziel ist es, dass sie jeweils an allen vier künftigen VGM-Fährstellen eingesetzt werden können - so dass auch bei Krankheit oder Urlaub keine Engpässe entstehen.

Ohnehin drängt das Thema. Denn die EU will laut VGM die Fährausbildung umstrukturieren: Wer ab 2022 Fährmann werden will, braucht künftig das noch deutlich schwerer zu erreichende Schiffsführer-Patent. Das ist praktisch kaum noch umzusetzen. Wer aber bis dahin ein nach den alten Regeln fertig ausgebildeter Fährmann ist, darf auch weiter fahren.

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Personal wird jedenfalls benötigt: Pro Fährstelle braucht man im Schichtbetrieb zwei Fahrer. Ob es Anpassungen an den täglichen Fährzeiten oder der Dauer der Saison geben wird, entscheidet sich später. Dabei sollen die Anlieger-Gemeinden ein Mitspracherecht haben. Schließlich ist vorgesehen, dass sie einen Eigenanteil an den Landkreis zahlen, der die VGM mit dem Fährbetrieb beauftragt und die finanziellen Defizite trägt - so wie beim Busverkehr. Voraussichtlich im Dezember sollen die Kreisräte darüber beschließen.

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