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Frauenhainer ärgern sich über wilde Rabatten

Anwohner kritisieren, dass Straßenränder nicht verschnitten werden. Manche schon seit zwei Jahren nicht.

Roswitha Arndt steht hinter dem verwilderten Randstreifen vor ihrem Haus in Frauenhain.
Roswitha Arndt steht hinter dem verwilderten Randstreifen vor ihrem Haus in Frauenhain. © Jörg Richter

Frauenhain. Den Besuch der Gemeinderatssitzung hätte sich Roswitha Arndt sparen können. Sie wollte sich dort mal Luft machen zu einer Sache, die sie schon seit Langem ärgert. Vor ihrem Haus auf der Merzdorfer Straße in Frauenhain verwildert die Rabatte. Die Bodendecker breiten sich immer mehr aus. Nicht nur auf die Straße, sondern auch auf den Fußweg.

Der ist normalerweise so breit gebaut worden, dass dort bequem zwei Menschen aneinander vorbeigehen können. Doch das sei schon lange nicht mehr möglich, versichert die Anwohnerin. Selbst die Kinderwagen der Kita fahren hier entlang und kommen kaum noch durch. Wenn der Fußweg weiter zuwachse, müssten die Erzieherinnen mit den Knirpsen die Straßenseite wechseln.

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"Es sieht einfach nur beschämend aus", schimpft Roswitha Arndt. Nicht nur vor ihrem Haus. Mittlerweile wachsen sogar Rosen aus dem Grünstreifen, obwohl sie dort überhaupt nicht gepflanzt worden sein. Die Hagebutten der Hundsrosen sind schon deutlich zu sehen.

In der Bürgerfragestunde des Gemeinderats machte Roswitha Arndt auf die ungepflegten Straßenrabatten aufmerksam. "Die Bodendecker sind seit zwei Jahren nicht geschnitten worden", erzählt die Rentnerin. Mehrmals sei sie deshalb schon im Bürgerbüro gewesen. Dort habe man die Beschwerde angenommen und versprochen, sich darum zu kümmern. "Das Problem ist bekannt", bestätigte Bürgermeister Lothar Herklotz vor den Gemeinderäten.  

Auch Teiche verwildern immer mehr

Roswitha Arndt wies bei dieser Gelegenheit auch auf die Frauenhainer Teiche hin. Der Inselteich und der Schäferteich würden ebenfalls zuwachsen und verwildern. Das sei kein schöner Anblick. Erst recht nicht als Kulisse für Sachsens größten Naturmarkt "Flora et Herba", der letztes Wochenende auf der Frauenhainer Insel wieder zahlreiche Besucher anzog.

Das sei Sache des Anglervereins, der sich nicht mehr darum kümmere, sagt Herklotz. "Die haben alles stehen und liegen gelassen. Jetzt haben wir dort ein Biotop." Das könne man nicht ohne weiteres beseitigen, weil nun die untere Naturschutzbehörde ein Auge drauf hat. Die Gemeinde sei dazu aber bereits mit dem Landratsamt Meißen in Verbindung.

Der Bürgermeister würde die Teiche gern entschlammen. Lieber sofort als später. Aber das sei nicht billig. Die Gemeindeverwaltung Röderaue habe deshalb auch schon mehrere Angebote eingeholt. Sie reichen von 110.000 Euro bis sogar 270.000 Euro. Das sei enorm viel Geld, so Herklotz. Aber noch gebe es keine Zustimmung von der  Naturschutzbehörde. 

Was die Rabatten und Grünstreifen in den Dörfern betrifft, verweist der Bürgermeister auf die Möglichkeit, mit der Gemeindeverwaltung so genannte Ehrenamtsverträge abzuschließen. Darin verpflichten sich Anwohner freiwillig, sich um eine Grünfläche zu kümmern, sie zu schneiden und sauber zu halten. Dafür erhalten sie eine kleine Aufwandsentschädigung.

Die Sträucher ragen auf die Merzdorfer Straße. Deren Rand ist nicht mehr zu sehen.
Die Sträucher ragen auf die Merzdorfer Straße. Deren Rand ist nicht mehr zu sehen. © Jörg Richter

Roswitha und Ullrich Arndt kennen einige Leute, die sich aus freien Stücken um die Rabatten kümmern. Auch ohne Bezahlung. "Sie machen es, weil es sie stört", sagt das Ehepaar. Daran hat es aber kein Interesse, denn ihr Grundstück ist groß und mache schon genug Arbeit. 

Zum Beweis zeigen Roswitha und Ullrich Arndt den Volleyballplatz des SV Frauenhain, der an ihre Wiese hinterm Haus grenzt. Auch er verwildert zusehends. Unkraut wuchert, wo einst auf hellem Sand geschmettert wurde. Erst vor Kurzem habe Familie Arndt auf der anderen Seite des Zauns das hohe Gras gesenst, auch, wenn sie eigentlich nicht dafür zuständig sind.

"Wir würden uns auch um den Randstreifen vor unserem Haus kümmern, wenn es nur Rasen und keine Bodendecker wären", sagt Roswitha Arndt. "Da würden wir mit unserem Rasenmäher mal kurz drüberfahren. Das wäre kein Problem."  Doch die Sträucher zu verschneiden und auch noch den Grünschnitt zu entsorgen, könne nicht Aufgabe der Anwohner sein. 

"Das Ärgerliche ist, dass sich gar nichts tut und man immer nur abgewiesen wird", sagt Ullrich Arndt. Und seine Frau ergänzt: "Ich bin es leid, immer wieder aufs Gemeindeamt zu gehen."

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