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Muskelspiel im Wülknitzer Garten-Streit

Vor geraumer Zeit hatten Hausbesitzer ihre Grundstücke erweitert, ohne die Gemeinde zu fragen. Die Verwaltung will jetzt den Landkreis Meißen einschalten.

Diese Luftbild-Aufnahme stammt von 2017. Rotbraun eingezeichnet ist die Straße, die eigentlich geplant war. Doch ein paar Bewohner der Reihenhäuser (links) hatten schon damals ihre Grundstücke erweitert.
Diese Luftbild-Aufnahme stammt von 2017. Rotbraun eingezeichnet ist die Straße, die eigentlich geplant war. Doch ein paar Bewohner der Reihenhäuser (links) hatten schon damals ihre Grundstücke erweitert. © SZ-Archiv: Lutz Weidler

Wülknitz. Wieder sind drei Jahre rum. Die Gemeindeverwaltung Wülknitz geht im Dauerstreit um die wilden Gärten in der Straße Am Fußweg in die nächste Runde. Dort hatten bereits vor Jahren einige Familien einer Reihenhaussiedlung damit begonnen, ihre Grundstücke zu erweitern, um ihre Gärten zu vergrößern. Nach Ansicht der Gemeinde ohne Genehmigung. 

2014 berichtete die SZ zum ersten Mal darüber. Damals wurde bekannt, dass die Bewohner mit der Bielefelder Firma Normbau GmbH, der die Wiese hinter den Reihenhäusern gehörte,  einen Nutzungsvertrag abgeschlossen hatten. Sehr zum Ärger der Gemeinde Wülknitz. Denn die Kommune hatte eigentlich vor, auf der Brachfläche eine Seitenstraße zu bauen, um weitere Baugrundstücke zu erschließen. So sieht es jedenfalls der Bebauungsplan vor.

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2017 beschloss der Gemeinderat, den "wilden Gärten" ein Ende zu bereiten und den B-Plan durchzusetzen. Notfalls mit der Androhung von Ordnungsgeld. Und wenn das nicht reiche, sollten die Gärten auf Kosten der Normbau GmbH zurückgebaut werden. Dieses Vorhaben konnte aber die Gemeinde bislang nicht umsetzen. 

Bewohner kauft die Wiese

Nun, weitere drei Jahre später, teilte Bürgermeister Hannes Clauß dem Gemeinderat eine weitere Neuigkeit im Dauerstreit mit. Danach habe einer der Bewohner die besagte Wiese gekauft. Die Gemeindeverwaltung ist darüber von einer Dresdner Anwaltskanzlei informiert worden.  

Ein Ratsmitglied fragte, warum die Gemeinde Wülknitz nicht von einem möglichen Vorverkaufsrecht Gebrauch gemacht habe, zumal ja eine öffentliche Straße geplant war. Darauf antwortete Clauß, dass es kein Vorverkaufsrecht gegeben habe, da die geplante Straße im Bebauungsplan als private Verkehrsfläche definiert wurde. "Im Übrigen ist ein Preis bezahlt worden, den die Gemeinde nicht hätte bezahlen können", sagt der Bürgermeister.

Doch ans Aufgeben denkt Hannes Clauß nicht. "Jetzt muss das Landratsamt reagieren", sagt er. Der Wülknitzer Gemeinde-Chef will die Sache nun der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Meißen übergeben. Das hatten ihm Anwälte geraten, die er zu dem Thema konsultierte. 

Nicht das einzige Beispiel für "baulichen Wildwuchs"

Doch nicht nur die entgangenen Eigenheim-Grundstücke scheinen Hintergrund dieses Dauerstreites zu sein. Wie der Bürgermeister berichtet, gebe es Beschwerden von Nachbarn. Sie störten sich daran, dass auf der Wiese nun Tiere gehalten werden. Und das mitten im Wohngebiet. Clauß gibt sich kämpferisch und sachlich zugleich: "Wir werden an dem Thema dranbleiben." 

Der "bauliche Wildwuchs" in Wülknitz sei allerdings auch kein Novum, so der Bürgermeister. In der Vergangenheit habe es im Landkreis Meißen auch andere Beispiele dafür gegeben. Clauß erinnert an die unerlaubten Hütten Dresdner Wochenend-Camper am Brettmühlenteich in Zschorna. Dort hatte die Gemeinde Thiendorf deren Rückbau durchgesetzt.  

Auf der anderen Seite steht das Engagement der Familien der Reihenhäuser Am Fußweg.  Nachdem sie den ursprünglichen Nutzungsvertrag mit der Firma Normbau unterschrieben hatten, sorgten sie dafür, dass die Wiese hinter ihren Grundstücken nicht zur Müllhalde verkam. "Das müsste doch im Interesse der Gemeinde sein", sagte bereits schon 2014 ein Anwohner. 

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