merken
PLUS Riesa

Private Initiative begrünt Riesa

Das Vorhaben, für jeden Neugeborenen einen Baum zu pflanzen, erweist sich für die Stadt als schwierig. Ein Verein dagegen greift längst zum Spaten.

Jetzt zieht auch der Riesaer Riese mit: Gunter Spies soll als Botschafter für den Verein "Lebnatene" wirken, genauso wie die Kinder Lion, Carl und Loretta.
Jetzt zieht auch der Riesaer Riese mit: Gunter Spies soll als Botschafter für den Verein "Lebnatene" wirken, genauso wie die Kinder Lion, Carl und Loretta. © Lebnatene e.V.

Riesa. Sie hatte im Riesaer Jubiläumsjahr für Aufsehen gesorgt: eine Wette des Extremwanderers Uwe Anger mit der Stadt darum, wer für jeden Riesaer Neugeborenen eine Baumpflanzung bezahlt. Die Stadt hatte verloren und seitdem intensiv nach Flächen für die Bäume gesucht. Das erwies sich als nicht ganz so einfach. Und nun kamen die Corona-Regeln den für November geplanten Pflanzungen dazwischen.

Bei Angers Verein "Lebnatene" (die Abkürzung steht für "Leben ist Natürlich energiereicher") dagegen wächst schon reichlich neues Grün, das infolge der Riesa-Wette gepflanzt wurde. "Wir haben mittlerweile an die 50 Bäume und Sträucher gepflanzt", sagt Uwe Anger. Tatsächlich hat es der Verein aber etwas einfacher - zumindest, was die Fläche angeht. Im Dreieck Rostocker Straße/Leipziger Straße/alte Bahntrasse nach Lommatzsch hat der Verein sieben leerstehende Parzellen einer Gartensparte gepachtet, dazu eine Streuobstwiese mit 2.800 Quadratmetern.

Anzeige
Die gemütliche Zeit kann kommen
Die gemütliche Zeit kann kommen

Der Winter zieht allmählich ein und die Adventszeit steht bevor - Landmaxx hat für seine Kunden wieder das Rundum-Versorgungspaket zusammengestellt.

Auf den insgesamt 5.000 Quadratmetern hat sich in den vergangenen Monaten einiges geändert. "Wir haben dort begonnen, einen Naturlehrpfad anzulegen und dafür auch drei Teiche ausgehoben", sagt der Riesaer. Um das Projekt bekannter zu machen, wurden jetzt drei Kinder aus der Region zum "Botschafter" des Vereins ernannt. Anschließend holte man sich noch das Stadtmaskottchen Riesaer Riese alias Gunter Spies dazu - und ernannte ihn zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit.

Künftig wollen die Macher um Uwe Anger verstärkt auf die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen setzen. Jetzt, kurz nach dem in Riesa ausgefallenen 11. 11., geht es laut Uwe Anger mit den Riesaer Karnevalisten los. "Dafür haben wir extra einen Apfelbaum der Sorte Karneval besorgt", sagt der 59-Jährige. Der soll nun am Sonnabend, 21. November, eingepflanzt werden - unter Einhaltung der Corona-Vorschriften. "Wir stecken trotz Corona nicht den Kopf in den Sand!"

Der Karnevals-Apfel, der am Sonnabend gepflanzt wird, soll später durch das Pfropfen anderer Äste ein Mehrsorten-Baum werden. Angeblich ist es möglich, an einem einzigen Baum mehr als 100 verschiedene Apfelsorten wachsen zu lassen. Ohnehin setzt man im Gartenprojekt des Vereins auf Abwechslung. Buchsbaum und Thuja kamen raus, dafür wurden Kirschlorbeersträucher als Randbegrenzung gepflanzt. Da freuen sich auch die Bienen - genauso wie beim Rasen, der durch eine Wildblütenwiese ersetzt wurde.

Das Unternehmen Manufactum lieferte Pflanzen für eine Wildfruchthecke mit Sanddorn, Felsenbirne, Kornelkirsche, Schlehe, Wildapfel, Scheinquitte, Haselnuss, schwarzer Holunder. Vier-Sorten-Bäume Apfel und Birne sowie Weinrebenstöcke bilden noch lange nicht den Abschluss für die Pflanzungen. "Mehrere Firmen waren nach der Wette mit dem Wunsch nach einer Baumpflanzung auf uns zugekommen", erzählt Uwe Anger. Die Sparkasse gab 500 Euro für Bäume. Gemeinsam mit den Cheerleadern pflanzte man einen Kaiserbaum. "Der war am Anfang vielleicht 1,25 Meter groß - und ist innerhalb eines Jahres auf 2,50 Meter gewachsen", freut sich Uwe Anger.

Hier hat der Spaten nicht mehr ausgereicht: Für das Anlegen dreier Teiche ließ Uwe Anger den Bagger kommen.
Hier hat der Spaten nicht mehr ausgereicht: Für das Anlegen dreier Teiche ließ Uwe Anger den Bagger kommen. © Lebnatene e.V.

Völlig planlos werde aber nicht gepflanzt; hinter dem Garten stehe das Konzept der sogenannten Permakultur: "Ziel ist es, dass später auf dem Gelände ein permanenter Wechsel von Entstehen und Vergehen herrscht, möglichst ohne viele Eingriffe des Menschen." Die Pflanzen sollen ohne Dünger wachsen können. Dafür werden im Herbst weder altes Laub noch abgestorbene Pflanzenteile eingesammelt.

Beides bleibt liegen, damit sich die Mikroorganismen im Boden entwickeln können. "Wir graben auch im Herbst extra nicht um", sagt Anger. So lege man bloß die Mikroorganismen frei, die dann bei Frost erfrieren würden. "Viele wissen das gar nicht."

Auch jetzt im November tue sich etwas: Gerade seien drei Bananenpflanzen eingetroffen, die bis minus zehn Grad aushielten, außerdem ein Indianerbananen-Baum, der bis minus 25 Grad ertrage.

Und die nächsten Pläne gibt es auch schon: So wolle man mit einem Verein zusammenarbeiten, der alte Legehühner aus Massentierhaltung aufnimmt und ihnen eine Zuflucht bietet. "Die Tiere können auf dem Areal leben, bis sie umfallen. Und vielleicht legen sie ja doch noch ein Ei", sagt Anger. Auch drei Kaninchen und drei Meerschweinchen seien schon da.

Weiterführende Artikel

Riesa plant Baumpflanzungen

Riesa plant Baumpflanzungen

Nach einer verlorenen Wette soll die Stadt für jedes geborene Kind einen Baum pflanzen. Jetzt stehen weitere Standorte fest.

Mehr Fällungen, mehr Pflanzungen

Mehr Fällungen, mehr Pflanzungen

Nach der Bahnhofstraße sollen in Riesa auch an der Dresdner Straße Bäume fallen. Ersatz ist aber auch dort geplant.

Komplette Baumreihe in der Stadt gefällt

Komplette Baumreihe in der Stadt gefällt

Eigentlich sucht man in Riesa Platz für neue Bäume. An der Bahnhofstraße aber gab es jetzt einen Kahlschlag.

Für das Projekt werden nun Pflanzenpaten und weitere Unterstützer gesucht - wer möchte, kann sich gern beim Verein melden.

Kontakt: lebnatene.de/

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa