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Riesa verliert Bankfiliale

Am Boulevard droht das nächste leere Schaufenster: Die Postbank bestätigt Gerüchte, dass sie auszieht.

Von Christoph Scharf
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Hier nutzen etliche Kunden das Angebot der Postbank. Nach Angaben des Unternehmens ist die Filiale trotzdem unwirtschaftlich - und soll geschlossen werden.
Hier nutzen etliche Kunden das Angebot der Postbank. Nach Angaben des Unternehmens ist die Filiale trotzdem unwirtschaftlich - und soll geschlossen werden. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Ein Bäcker hatte zum Jahreswechsel zugemacht, außerdem ein An- und Verkauf. Nun gibt es bald den nächsten Auszug im vorderen Teil des Riesaer Boulevards: Die Postbank bestätigt auf Anfrage von sächsische.de Gerüchte, dass sie den Standort an der Hauptstraße verlässt.

Man ziehe nicht um, sondern schließe die Filiale dort, sagt Postbank-Sprecher Hartmut Schlegel. Man prüfe auf Basis des Kundenverhaltens laufend das Vertriebsnetz – wie andere Institute auch. "Durch die fortschreitende Digitalisierung beobachten wir schon länger eine deutliche Veränderung im Verhalten der Kunden der Postbank", sagt Schlegel. "Dieser Trend hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie nochmals verstärkt."

Stationäre Angebote sind weniger gefragt

Die Kunden würden stärker auf die Online-Angebote setzen – über alle Altersgruppen hinweg. "Das gilt sowohl für das klassische Online-Banking, als auch für den Online-Abschluss von Produkten wie privaten Ratenkrediten, oder ergänzende Online-Angebote wie die virtuelle, persönliche Verbindung zu unseren Beratern über Video", sagt der Sprecher.

Das führe dazu, dass die stationären Angebote in den Postbank-Filialen weniger gefragt seien. Deshalb habe man die Zahl der Filialen in den vergangenen Jahren auf heute rund 700 reduziert. Im Gegenzug habe man andere Vertriebskanäle ausgebaut – etwa das Kooperationspartner- und Direktgeschäft.

Aktuell findet man in der Region die nächsten Postbank-Filialen außerhalb von Riesa in Meißen, Döbeln und Torgau. Bleiben die alle erhalten? Man werde auch in Zukunft die Wirtschaftlichkeit des Vertriebsnetzes fortlaufend prüfen, heißt es. Das hänge immer vom Verhalten der Kunden ab.

Postdienstleistungen sollen ausgelagert werden

Das habe jedenfalls dazu geführt, dass die Riesaer Postbank-Filiale voraussichtlich noch 2022 schließen soll, auch wenn ein konkreter Termin noch nicht feststehe. "Ganz wichtig dabei: Das Angebot an Post- und Paketdienstleistungen bleibt auch in Zukunft bestehen und wird durch unseren Kooperationspartner Deutsche Post sichergestellt", sagt Hartmut Schlegel.

Blick aus Richtung Rathausplatz kommend: In der Nachbarschaft der Bankfiliale hatten erst kürzlich mehrere Ladenlokale schließen müssen.
Blick aus Richtung Rathausplatz kommend: In der Nachbarschaft der Bankfiliale hatten erst kürzlich mehrere Ladenlokale schließen müssen. ©  Sebastian Schultz

Wenn die Postbank eine Filiale schließe, suche die Post einen Partner, der das Angebot an Postdienstleistungen übernimmt. "In aller Regel handelt es sich dabei um ein Geschäft des Einzelhandels in der näheren Umgebung unseres Filialstandortes." Um einen reibungslosen Übergang für die Kunden zu gewährleisten, werde man die Postbank-Filiale erst schließen, wenn dieser Partner gefunden sei.

Grundsätzlich schließe man Filialen nur, wenn diese sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließen. Dabei komme es mehr auf die Art der Leistungen an, die die Kunden in der Filiale nachfragen, weniger auf die Anzahl der Kunden. "Für uns muss das Verhältnis zwischen reinen Serviceleistungen (zum Beispiel Postdienstleistungen, Bargeldauszahlung) und wertschaffendem Neugeschäft (zum Beispiel durch Abschlüsse und Nutzung von Bankprodukten wie Ratenkrediten, Wertpapieren oder Baufinanzierungen) stimmen."

Stimme das Kundenpotenzial nicht mehr, müsse man die Filiale schließen – sonst könne man auf Dauer als Unternehmen nicht wirtschaftlich arbeiten.

Keine Entlassungen geplant

Entlassen würden die Mitarbeiter der Riesaer Filiale nicht. "Die durch die Schließung der Filiale entfallenden Stellen werden sozialverträglich im Rahmen bestehender betrieblicher Vereinbarungen abgebaut." Die Kunden würden informiert, sobald ein Schließungstermin feststeht. Online könne man schon jetzt schauen, wo es weitere Postbank-Filialen und Partnerfilialen der Post mit Bankdienstleistungen gibt. Schlegel verweist auch darauf, dass man sich in vielen Supermärkten und Discountern Geld auszahlen lassen könne, wenn man bargeldlos zahlt. Postbank-Kunden könnten zudem an mehr als 1.300 Shell-Tankstellen kostenlos Bargeld abheben – auch ohne zu tanken.

"Beide Verfahren erfreuen sich bei unseren Kunden zunehmender Beliebtheit", sagt der Postbank-Sprecher. Während 2019 jeder vierte Deutsche (27 Prozent) beim Einkaufen oder Tanken Bargeld abgehoben habe, nutze heute bereits knapp jeder Zweite (41 Prozent) diesen Service. Beim Thema Paketempfang und -versand verweist er auf das Netz der Packstationen, das ebenfalls in Riesa gerade ausgebaut wird.

Um die Riesaer Postbank hatte es bereits im Herbst 2021 eine gewisse Aufregung gegeben: Damals hatte sich ein Kunde beschwert, dass die Öffnungszeiten von einem Tag auf den anderen massiv eingekürzt worden waren. Damals hieß es, dass "kurzfristige, krankheitsbedingte Personalausfälle" der Grund dafür waren. In der Corona-Zeit habe man nicht auf das sonst übliche Springer-System zurückgreifen können. Wenige Tage später waren die Öffnungszeiten wieder normalisiert worden.

Riesas Innenstadt ist mit Bankfilialen vergleichsweise gut ausgestattet: An der Hauptstraße gibt es auch die Commerzbank, die Targobank, Volksbank und Sparkasse; eine Straße weiter die Spardabank und am Puschkinplatz die Deutsche Bank.

www.postbank.de/filialen, www.postbank.de/geldautomaten