merken
PLUS Riesa

Mit dem Wossi-W50 auf Heimaturlaub

Er ist ein Pfälzer und sie eine Sächsin. Zusammen machten sie jetzt mit ihrem besonderen Reisemobil einen Zwischenstopp in Riesa.

Roland und Heike Eckhardt aus Dörnberg in Rheinland-Pfalz stehen vor ihrem umgebauten W 50 auf dem Caravan-Parkplatz in Riesa.
Roland und Heike Eckhardt aus Dörnberg in Rheinland-Pfalz stehen vor ihrem umgebauten W 50 auf dem Caravan-Parkplatz in Riesa. © Jörg Richter

Riesa. Schon allein die Farbe hebt sich ab vom Caravan-Einerlei. Sonst stehen auf dem Parkplatz an den Riesaer Elbwiesen nur weiße Reisemobile. Aber dieses ungewöhnliche Gefährt ist türkis angestrichen. Nicht nur deshalb zieht es die Blicke der Riesaer an. Ein Fakt begeistert hiesige Oldtimerfans noch viel mehr: Es ist ein umgebauter W 50 mit Koffer-Aufbau. 

Auf der einen Seite ist ein Elch abgebildet, auch der rechten ein Bär. Es ist eine Ehrerbietung an das Land, in dem dieser Lkw, Baujahr 1986, seine erste große Tour fuhr. Das war nicht etwa die DDR, sondern Kanada! 

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Roland Eckhardt erinnert sich noch gern zurück an diese Reise über´n großen Teich vor 23 Jahren. Damals schiffte er mit dem umgebauten Laster, Made in GDR, in Bremerhaven ein, überquerte den Atlantik und fuhr in Halifax von Bord. Drei Monate bereiste er mit seiner ersten Frau, die wie sein Lkw aus dem Osten Deutschlands stammte, die Ostprovinzen Kanadas und die USA. Insgesamt mehr als 2.000 Kilometer.

Der Lieblingsplatz von Roland Eckhardt ist der Fahrersitz in dem ehemaligen NVA-Laster.
Der Lieblingsplatz von Roland Eckhardt ist der Fahrersitz in dem ehemaligen NVA-Laster. © Ein Wossi-W50 auf Heimaturlaub

Diese Strecke war kein Problem für den W 50. Denn als Roland Eckhardt ihn 1991 in Bad Belzig am ehemaligen NVA-Truppenübungsgelände kaufte, standen auf dem Tacho gerade mal 150 Kilometer. Der Allrader mit dem Koffer-Aufbau war quasi fast wie neu.  

"Ich habe ihn für wirklich kleines Geld gekriegt", erzählt der 70-Jährige und wundert sich noch heute darüber. Und weil die Restbestände der Volksarmee billig angeboten wurden, kaufte er noch einen Zweiten vom gleichen Typ dazu. Als Ersatzteillager. Denn der andere W 50 hatte bereits 7.000 Kilometer runter. 

"Dann habe ich angefangen zu spinnen, was man damit machen kann", erinnert sich der ehemalige Bosch-Elektroniker. Schnell war die Idee geboren, das einstige Militärfahrzeug zum geländegängigen Reisemobil für Urlaub in der wilden Natur umzubauen. Doch bis es so weit war, vergingen noch ein paar Jahre. 

Ein Abstecher nach Sachsen gehört dazu

"Da steckt viel Arbeit drin", sagt Roland Eckhardt. Er zerschnitt den Glasfaserkoffer des zweiten Lkw, um den Aufbau auf seinem ersten Lkw bis zum Fahrerhaus zu erweitern. So wie es bei heutigen Reisemobilen normal ist. Der Motor ist ebenfalls nicht original. Der Dörnberger baute einen MAN-Dieselmotor mit 192 PS ein. 

Auch Räder, Reifen und so manches Detail sind anders. Nicht zu vergessen die Schränke, der Tisch, das Bett, der Kühlschrank, eine Kühltruhe sowie die Kabine mit Dusche und Toilette sind dazu gekommen. Der Tank fasst 260 Liter Wasser. Es wird mit einer Solaranlage beheizt. "Wir sind quasi autark unterwegs", sagt er lächelnd. "Mehr Spaß wie mit diesem W 50 kann man gar nicht haben."

Zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Heike, wieder eine Ostdeutsche, unternimmt er jedes Jahr mindestens eine große Tour. Gemeinsam waren sie schon in Schweden, Norwegen, Dänemark und Kroatien unterwegs. Und natürlich gehört regelmäßig ein Abstecher nach Sachsen dazu, denn Heike Eckhardt stammt aus Raitzen, gleich hinter der Landkreisgrenze bei Stauchitz. So kamen sie auch in dieser Woche nach Riesa und legten hier einen Zwischenstopp ein. Bewundernde Blicke inklusive. Nicht nur von Caravan-Fans.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier. 

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa