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Wahlplakate: Wie viele werden im Elbland wirklich zerstört?

Fast alle Parteien sind von Vandalismus betroffen. Allerdings gibt es widersprüchliche Angaben.

Abgerissen: ein FDP-Wahlplakat zur Bundestagswahl an der August-Bebel-Straße in Riesa.
Abgerissen: ein FDP-Wahlplakat zur Bundestagswahl an der August-Bebel-Straße in Riesa. © Symbolfoto: Sebastian Schultz

Riesa. Kopfüber steckt ein abgerissenes Wahlplakat in einem Riesaer Grünstreifen: Hier an der August-Bebel-Straße traf es ein FDP-Plakat. Auf Anfrage von sächsische.de hatten vergangene Woche fast alle Parteien angegeben, dass ihre Wahlplakate Ziel von Sachbeschädigungen seien. Genaue Statistiken über beschädigte Plakate führen allerdings die wenigsten - und Anzeigen werden von den Parteien höchst unterschiedlich gestellt.

Laut André Langerfeld, Spitzenkandidat der Freien Wähler im Landkreis Meißen, habe man 1.100 Plakate aufgehängt. 20 Prozent davon seien bereits mit Stand vergangene Woche beschädigt oder gestohlen worden. Langerfeld gibt an, dass stattdessen Plakate von AfD, CDU oder SPD an den betreffenden Stellen gehangen hätten. Teilweise hätten wohl auch Grundstücksbesitzer "keine Wahlplakate vor ihrer Haustür“ haben wollen. "Einen derart aggressiven Plakate -Wahlkampf hat es noch nicht gegeben", sagt Langerfeld, die Schadenssumme sei vierstellig.

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Die Angaben der Kreisvorsitzenden der Freien Wähler, Brit Reimann-Bernhardt, fallen allerdings anders aus: Sie sei herumgefahren und habe Helfer befragt. "Unseres Wissens sind aktuell vier Plakate entfernt bzw. überhängt worden", hieß es ebenfalls vergangene Woche. Warum sich die Angaben bei den Freien Wählern derart unterscheiden, ließ sich nicht aufklären.

Konkrete Zahlen zum Thema Plakate-Vandalismus gibt es auch bei der Polizei nicht. Dazu müssten die Parteien solche Vorfälle einheitlich anzeigen, sagt Riesas Revierleiter Andreas Wnuck. Dort lagen zuletzt lediglich Sachverhalte von der AfD vor. "Unser Eindruck ist, dass es im Vergleich zu den vergangenen Wahlkämpfen dieses Jahr weniger Vorfälle sind", sagt der Revierleiter. Das könne sich aber jeden Tag ändern.

In Nossen seien alle AfD-Plakate verschwunden, sagt Ferdinand Schaulin vom AfD-Kreisvorstand, in Riesa sei Vandalismus ein großes Problem, in Radebeul etwa die Hälfte der Plakate zerstört worden. "Allgemein liegen unsere Probleme also im städtischen Raum, wohingegen man auf dem Land toleranter zu sein scheint", sagt Schaulin.

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André Langerfeld von den Freien Wählern verweist auf ein Problem kleinerer Parteien oder Wählervereinigungen: In Riesa, Diera-Zehren und Großenhain würde bei Plakatier-Genehmigungen die „abgestufte Chancengleichheit" angewendet - sprich: große Parteien dürfen mehr Plakate aufhängen als kleinere. Das sei ungerecht. "In Großenhain müssen zudem Genehmigungs-Marken auf die Plakate geklebt werden. Dort konnten gestohlene Plakate nicht ersetzt werden, weil es für die Genehmigungs-Marke keinen Ersatz gibt", sagt Langerfeld. "Statt dem Freie-Wähler-Plakat hängen nunmehr dort CDU und SPD." Das sei unfair und müsse aufgearbeitet werden.

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