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"Wir müssen reden"

Seit fast drei Jahrzehnten arbeitet Michaela Steuer in der Gemeindeverwaltung Stauchitz. Jetzt will die 54-Jährige an die Verwaltungsspitze.

Die 54-jährige Michaela Steuer aus Riesa will Bürgermeisterin in Stauchitz werden.
Die 54-jährige Michaela Steuer aus Riesa will Bürgermeisterin in Stauchitz werden. © Foto: Lutz Weilder

Stauchitz. Am 20. September wird in Stauchitz ein neuer Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin gewählt. Die SZ stellt die sieben Kandidaten vor, die sich um die Nachfolge von Amtsinhaber Frank Seifert (parteilos) bewerben. Eine davon ist Michaela Steuer. Sie wurde in Leipzig geboren, wohnt in Riesa, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seit 1991 arbeitet die 54-Jährige in der Stauchitzer Gemeindeverwaltung. Die gelernte Wirtschaftskauffrau arbeitet im Einwohnernmeldeamt, ist auch für Gewerbe und Lohnbuchhaltung zuständig. Sie ist parteilos.

Frau Steuer, Sie gehören in der Gemeindeverwaltung quasi zum Inventar. Warum wollen Sie nach fast 30 Jahren auf dem Stauchitzer Bürgermeisterstuhl Platz nehmen?

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Mich zur Wahl zu stellen, war kein spontaner Entschluss, sondern ein langer Prozess. Ich habe den Eindruck, dass die Bürger unserer Gemeinde nicht genügend angehört werden, Engagement nicht wertgeschätzt wird. Das möchte ich ändern.

Welche kommunalpolitischen Erfahrungen können Sie einbringen?

Aus meiner langjährigen Tätigkeit kenne ich ja die Aufgaben, die eine Verwaltung bewältigen muss, nur zu gut. Und in meiner Funktion nehme ich auch sehr oft an Ratssitzungen teil, kenne also die Abläufe und Probleme.

Welche Ziele würden Sie als erstes verwirklichen wollen, wenn Sie gewählt würden?

Vordringliche Aufgabe wäre für mich, Gespräche mit den Bürgern zu führen. Ich möchte aktiv auf die Leute zugehen, egal ob in Feuerwehr, Vereinen, Sport- und Seniorengruppe, um zu erfahren, wo der Schuh drückt und in welcher Form wir Unterstützung geben können.

Welche Vorhaben möchten Sie mittelfristig umsetzen?

Es soll für jede Generation etwas dabei sein, für junge Familien ebenso wie für Senioren. Wir sind ja schon eine kinderfreundliche Gemeinde. Dennoch ist ein größeres Hortgebäude nötig. Jetzt gibt es in der Grundschule Ragewitz sieben Klassen, im nächsten Schuljahr werden es acht sein. Dann wird es zu eng. Ein Container könnte eine Übergangslösung sein. Es sollten noch mehr Baugrundstücke für Familien erschlossen werden.

Wie sieht es aus mit Jugendtreffs?

Meine Erfahrung zeigt, dass es nichts bringt, einen Jugendtreff aufzumachen, der dann nicht genutzt wird. Solche Treffpunkte sollten nur dort entstehen, wenn es von den jungen Leuten auch gewünscht wird und diese tatkräftig mit anpacken. Wenn sie selbst etwas schaffen, wissen sie auch den Wert zu schätzen. 

Was braucht es für die alten Leute?

Für die ältere Generation wünsche ich mir altersgerechtes oder betreutes Wohnen. Wer sein Haus nicht mehr selbst bewirtschaften kann, möchte wenigstens in der Gemeinde, in der er oft jahrzehntelang gelebt hat, seinen Lebensabend verbringen. Doch für solche Vorhaben braucht man Investoren, das kann die Gemeinde nicht selbst stemmen.

Kann Stauchitz als eigenständige Gemeinde überleben? Was halten Sie von Zusammenschlüssen?

Zusammenschlüsse sind mit mir als Bürgermeisterin kein Thema. Die Gemeinde ist schon jetzt flächenmäßig sehr groß. Bei einer noch größeren Gemeinde ginge Bürgernähe verloren.

Halten Sie die Öffnungszeiten der Stauchitzer Gemeindeverwaltung für bürgernah?

Ich halte sie für ausreichend. Wir haben vier Tage die Woche ab 8 Uhr geöffnet, dienstags bis 18 Uhr. Das Einwohnermeldeamt ist auch an den Markttagen offen. Auf telefonische Anmeldung können Bürger auch außerhalb der Öffnungszeiten zu uns kommen. Ich habe jedenfalls noch nie jemanden weggeschickt.

Wie wollen Sie die zwei Lager in der Gemeindeverwaltung einen?

Indem ich durchsetze, dass interne Probleme auch intern gelöst werden, statt sie in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchte ich motivieren, alle an einem Strang zu ziehen, für das gleiche Ziel zu arbeiten. Das durchzusetzen, traue ich mir zu.

Ein Aufreger ist die B 169, die im Feld endet. Wie kann die Gemeinde den Weiterbau beeinflussen?

Da müssen wir realistisch sein. Der Einfluss der kommunalen Ebene auf den Bau einer Bundesstraße ist begrenzt. Wir können uns aber als Gemeinde Protestaktionen anschließen und immer wieder auch öffentlich Druck machen.

Wie stehen sie zum Neubau einer Kindereinrichtung in Stauchitz?

Ich gebe zu, einen Neubau einer gemeinsamen Kindereinrichtung habe ich lange Zeit favorisiert. Aus finanziellen Gründen ist das aber wohl nicht realistisch. Wir müssen erst die Ergebnisse einer Studie abwarten, die alle Varianten untersucht, also Neubau oder Erhalt und weitere Sanierung der vorhandenen beiden Häuser in Staucha und Stauchitz. Bei unserer Entscheidung sollten wir uns aber nicht nur von finanziellen Aspekten treiben lassen und über die Köpfe hinweg entscheiden, sondern vor allem diejenigen fragen, was sie möchten, die es betrifft: nämlich die Eltern.

Es gibt nur wenige Bürgermeisterinnen im Landkreis. Haben es Frauen in diesem Job schwerer als Männer?

Ich denke, sie haben es nicht schwerer als Frauen, die in der freien Wirtschaft eine Führungsposition einnehmen.

Welche Chancen rechnen Sie sich am Sonntag aus?

Bei sieben Kandidatinnen und Kandidaten ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es einen zweiten Wahlgang geben wird. Ich sehe durchaus Chancen, in diesem zu gewinnen.

Das Gespräch führte Jürgen Müller

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