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Riesaer hilft nach Flutkatastrophe im Ahrtal

Elektriker Marcel Rosenfeld ist als Freiwilliger in das Gebiet gereist – und hofft, dass andere es ihm nachmachen.

Von Eric Weser
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Marcel Rosenfeld in einem Haus in Ahrweiler, in dem er Elektroarbeiten übernommen hat und danach auch die OSB-Platten installierte. Nicht das einzige Objekt, in dem der Riesaer geholfen hat, Flutschäden zu beseitigen.
Marcel Rosenfeld in einem Haus in Ahrweiler, in dem er Elektroarbeiten übernommen hat und danach auch die OSB-Platten installierte. Nicht das einzige Objekt, in dem der Riesaer geholfen hat, Flutschäden zu beseitigen. © privat

Riesa/Ahrweiler. So etwas habe er noch nicht gesehen, sagt Marcel Rosenfeld. "Es ist fast wie Kriegszustand, kann man sagen." Manche Straßen seien zwar teilweise schon wieder aufgeräumt und notdürftig hergerichtet. "Aber in den Häusern sieht es schon sehr schlimm aus", erzählt der Riesaer am Telefon.

Anfang der Woche hat sich der 29-Jährige ins Auto gesetzt und ins rund 600 Kilometer entfernte Bad Neuenahr-Ahrweiler aufgemacht. Eine der Städte am Fluss Ahr, die bei der verheerenden Flutkatastrophe im Juli dieses Jahres besonders schwer getroffen wurden.

In dem rheinland-pfälzischen Ort hat Marcel Rosenfeld seither als freiwilliger Helfer Elektrokabel verlegt, Schalter eingebaut und Steckdosen installiert. In mehreren Wohnhäusern sei er inzwischen unterwegs gewesen und habe unter anderem auch Trockenbauarbeiten erledigt, berichtet der gelernte Elektriker und schickt Fotos von den Baustellen.

Darauf zu sehen: entkernte Innenräume, in denen im Juli das Wasser meterhoch gestanden hatte. Jetzt prägen dort Trockenbau- und OSB-Platten das Bild. Aus den Decken und aus den Wänden ragen Kabel heraus. Durch Baustrahler beleuchtetes Werkzeug steht neben Waschmaschinen, abgerückten Möbeln und Bautrocknern. Auf einem Foto ist Helfer Marcel Rosenfeld selbst zu sehen.

Die Verwüstungen, die das Hochwasser im Ahrtal angerichtet hatte, hatten den Familienvater schon beim Bekanntwerden der Bilder im Sommer schockiert. "Ich wollte eigentlich schon damals dorthin, um zu helfen", erzählt Marcel Rosenfeld. Zu der Zeit sei aber auf seiner eigenen Hausbaustelle noch extrem viel zu tun gewesen.

Den Altbau in Altriesa hatte die zuvor in Großenhain lebende Familie voriges Jahr gekauft – und erst danach bemerkt, dass er marode ist und nur mit erheblichem Sanierungsaufwand überhaupt bewohnbar gemacht werden kann. Ein finanzieller, psychischer, aber auch körperlicher Kraftakt für Marcel Rosenfeld – trotz Unterstützung durch Familie, Freunde und etliche Spender.

"Mir geht es im Gegensatz zu den Leuten hier Flutgebiet aber wie im Schlaraffenland", sagt der Riesaer. "Ich habe mein Hab und Gut, zwei bewohnbare Etagen, Leib und Leben. Und ich habe viele Spenden bekommen – mehr, als manche Flutopfer Ersthilfe erhalten haben." Deshalb sei es für ihn selbstverständlich, zu helfen. "Mir tun die Leute unendlich leid. Bald ist Winter und viele sind jetzt noch ohne Strom und Heizung."

Der Entschluss, sich auf den Weg in das Hochwassergebiet zu machen, sei voriges Wochenende spontan gefallen, erzählt Marcel Rosenfeld. "Ich habe mir gesagt, ich mach das jetzt einfach, sonst mache ich es nie." Zwar sei seine Frau erst nicht so recht mit einverstanden gewesen, schließlich sei der eigene Hausbau doch stressig genug. Letztlich habe sie aber doch zugestimmt – weil auch ihr das Schicksal der Menschen im Ahrtal nahe geht.

Unterstützung für den einwöchigen Hilfstrip in das Katastrophengebiet habe er auch von seinem Arbeitgeber bekommen, dem Elektro Zentrum Großenhain, erzählt Marcel Rosenfeld. "Ich hatte meinen Chef am Wochenende gefragt, ob ich Maschinen mitnehmen darf. Er sagte, na klar, wenn es für einen guten Zweck ist." Auch eigenes Material habe er mitgenommen, sagt Marcel Rosenfeld. "Die Baumärkte hier in der Region sind relativ leer und man muss für manches schon mal 40 Kilometer fahren."

An seine Einsatzorte in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist der Riesaer über Kontaktbörsen im Internet gekommen. "Es gibt viele verschiedene Facebook-Gruppen, über die man sich melden kann", erzählt er. Dort habe er sich als Elektriker angeboten und sei darüber an Menschen gelangt, die ihn an die verschiedenen Hausbesitzer vermittelt hätten. Bei einem Privatmann habe er abends auch geschlafen.

Nach einer knappen Woche im Ahrtal will Marcel Rosenfeld sich am Freitagabend wieder auf die Heimreise machen. Doch beim einmaligen Helfen soll es nicht bleiben. "Ich will nächstes Jahr noch einmal wiederkommen, wenn es geht." Denn zu tun gebe es im Ahrtal noch mehr als genug. Deshalb hoffe er auch, dass andere sich ein Herz fassen und es ihm gleich tun. Ohne freiwillige Helfer und private Initiative gehe es nicht.

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