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Riesaer Johanniter evakuieren in Chemnitz

Der Fund einer Fliegerbombe zog einen Großeinsatz nach sich – der für Ehrenamtliche aus der Region zu einer Premiere wurde.

Verschnaufpause mit Maske beim Einsatz anlässlich des Bombenfunds in Chemnitz: Die Johanniter vom Sondereinsatzzug aus Riesa. Von links nach rechts: Michael Pech, Gideon Richter, Daniel Olewinski, Nadine Kron, Andreas Reißmüller, Falk Müller.
Verschnaufpause mit Maske beim Einsatz anlässlich des Bombenfunds in Chemnitz: Die Johanniter vom Sondereinsatzzug aus Riesa. Von links nach rechts: Michael Pech, Gideon Richter, Daniel Olewinski, Nadine Kron, Andreas Reißmüller, Falk Müller. © privat

Riesa/Chemnitz. Am Ende des Tages waren alle knülle, sagt Daniel Olewinski. Kein Wunder nach einem Einsatz, der doppelt so lange dauerte, wie für viele ein normaler Arbeitstag. Sechzehn Stunden waren sechs Johanniter aus Riesa und Umgebung am vorigen Freitag unterwegs, um in Chemnitz zu helfen. Anlass war die Evakuierung nach einem Bombenfund im Stadtteil Markersdorf. 15.000 Menschen hatten ihre Wohnungen verlassen müssen.

Nicht alle konnten das – da entweder hoch betagt, behindert oder aus anderen Gründen nicht mobil genug. Die Behörden hatten daher Hilfe aus anderen sächsischen Landkreisen gerufen, um diese Menschen aus dem Sperrgebiet bringen zu lassen. Unter den Helfern: Mitglieder der im Glaubitzer FTZ stationierten Sondereinsatzgruppe der Johanniter, die damit ihren ersten Einsatz bei einem Bombenfund überhaupt absolvierte. Schon am Donnerstag hatte Zugführer Daniel Olewinski die Nachricht erhalten, dass drei Fahrzeuge gebraucht werden. Sechs Freiwillige, um sie zu besetzen, hatte er unter seinen 33 Ehrenamtlichen schnell gefunden.

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Arbeit in engen Treppenhäusern

Freitag ging es für eine Frau und fünf Männer ab 4 Uhr morgens nach Chemnitz. Dort waren sie am Morgen und Vormittag damit beschäftigt, vorwiegend alte Menschen aus deren Wohnungen zu holen und sie in Notunterkünfte wie Sporthallen oder auch in umliegende Krankenhäuser zu bringen. In oft engen Treppenhäusern kamen Tragen, Tragestühle und -tücher zum Einsatz. Teilweise wurden zusätzliche Kräfte von der Feuerwehr hinzugerufen. 

Über den Mittag, als Sprengexperten des Landes die Bombe entschärften, sei Zeit für eine Pause geblieben, erzählt Daniel Olewinski. In der zweiten Tageshälfte dann brachten die Johanniter die Menschen aus den Interimsunterkünften zurück in deren Wohnungen und Betreuungseinrichtungen. Über den Tag wurden so pro Fahrzeug etwa 20 Menschen durch die Riesaer transportiert. „Das klingt wenig, aber man muss sehen, was alles nötig ist, um die Leute von A nach B zu bringen – das kostet alles Zeit“, sagt Daniel Olewinski. 

Körperlich sei der Einsatz schon anstrengend gewesen. Hinzu kamen Infektionsschutzmaßnahmen: Die Helfer waren mit FFP-2-Masken unterwegs, außerdem wurden regelmäßig Handschuhe gewechselt, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus gerade für die als Risikogruppe geltenden Älteren zu minimieren. Als infiziert bekannte Menschen waren schon am Tag zuvor von anderen Helfern unter Vollschutz in spezielle Einrichtungen gebracht worden, so Daniel Olewinksi.

Senioren genießen Kontakt

Ob es schwierig war, die Menschen dazu zu bringen, sich mitnehmen zu lassen? Teils, teils, sagt Olewinski. „Es gab natürlich Leute, die meinten: Wir haben den Krieg überstanden, da muss ich jetzt nicht wegen einer Bombe aus der Wohnung.“ Man habe aber am Ende alle überzeugen können, mitzukommen. Viele ältere Menschen hätten das Ganze als willkommene Abwechslung begrüßt. „Es gab einige, die meinten: Wir freuen uns, dass wir mit anderen Menschen ins Gespräch kommen“, sagt Daniel Olewinski. „Wir hatten Leute, die uns sagten, dass sie sechs Monate niemanden außer den Pflegedienst gesehen haben.“ Auch das Zusammensein mit anderen Menschen in den Notunterkünften hätten viele Ältere regelrecht genossen. „Einige haben gesagt, sie wären gern noch dort geblieben. Die fanden das toll.“

Auch für die Johanniter selbst war der Einsatz eine Freude – nicht nur wegen vieler positiver Rückmeldungen. „Wir sind durchaus froh, dass wir wieder etwas zu tun hatten“, sagt Daniel Olewinski. Da Großveranstaltungen abgesagt sind, die die Truppe sonst des Öfteren sanitätsdienstlich absichert, gibt es auf der Schiene weniger zu tun. Bei den Johanniter-Ehrenamtlichen sorgt die Pandemie zudem dafür, dass das Gemeinschaftsleben darbt. Übungen gibt es kaum und wenn, dann eher theoretischer statt praktischer Natur.

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Im Einsatz sind die Freiwilligen trotzdem regelmäßig: Sie übernehmen Corona-Testungen im Auftrag des Gesundheitsamts – sei es in Senioreneinrichtungen oder wie an diesem Montag bei der Lebenshilfe in Riesa. Wer im Ehrenamt etwas tun will, kann das also trotz Corona, so der Zugführer, der 30 Jahre dabei ist. (SZ/ewe)

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