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Riesas neuer Blitzer ist im Einsatz

Die Stadt hat jetzt ein eigenes mobiles Messgerät – und taucht damit an ungewohnten Stellen auf.

Riesas Ordnungsamtsleiter Sebastian Fleck, daneben der "Traffistar": Mit dem Lasermessgerät kontrollieren Rathausmitarbeiter seit Kurzem die Straßen im Stadtgebiet.
Riesas Ordnungsamtsleiter Sebastian Fleck, daneben der "Traffistar": Mit dem Lasermessgerät kontrollieren Rathausmitarbeiter seit Kurzem die Straßen im Stadtgebiet. © Eric Weser

Riesa. Es gibt einen neuen Star in Riesa. Aber seine Verehrung dürfte sich in Grenzen halten. Zumal bei Autofahrern, die gern schneller als erlaubt unterwegs sind. Die Rede ist vom "Traffistar S350", dem neuen Lasermessgerät des Rathauses zur Tempokontrolle im Riesaer Straßenverkehr.

Es ist ein für November recht warmer Morgen auf der Langen Straße. Ordnungsamts-Chef Sebastian Fleck klingt durchaus zufrieden, als er erzählt, welche Verwirrung es in den Sozialen Medien gab, als seine Mitarbeiter kürzlich mit der neuen Anlage an der Alleestraße Ecke Strehlaer Straße aufgetaucht seien. In der dortigen 30er-Zone sei jahrelang nicht kontrolliert worden, das merke man. "So gut wie keiner fährt da 30." Bei der vierstündigen Messung vor einigen Tagen sei eine dreistellige Zahl an Fahrzeugen geblitzt worden. Das schnellste mit 70 km/h. An Tempo-30-Stellen, wie der in Gröba, will die Stadt künftig stärker mit ihrem neuen Gerät präsent sein. 

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Knapp 50 Messstellen umfasst ein aktueller Katalog des Amts. Es sind zuletzt mehr geworden – wegen der neuen Messtechnik. Die kann auch an engen Stellen eingesetzt werden. Ein Vorteil gegenüber der bisherigen Anlage, die von einem Dienstleister gestellt wurde. Wegen gestiegener Kosten für den externen Blitzer investierte Riesa 60.000 Euro in eigene, flexibler einsetzbare Technik. Wie schnell sich die Anschaffung rechnet? Das hänge von Art und Höhe der Übertretungen ab, sagt Sebastian Fleck. Die Rede war zuletzt von etwa zwei Jahren.

Piep für Amt, Blitz fürs Auto

Doch es geht nicht nur um Einnahmen, es geht auch um Sicherheit. Deshalb steht das Amt an diesem Morgen kurz vor Unterrichtsbeginn am Christlichen Gymnasium an der Langen Straße. Und es dauert gar nicht lange, bis es das erste mal piept und der Messbedienstete weiß: Jemand war zu schnell. Der Autofahrer bekommt den Fauxpas optisch übermittelt – die Anlage blitzt ihn rot an. Gleichzeitig erscheint auf dem Tablet-PC in der Hand von Ordnungsamtsmitarbeiter Tim Kauda** ein per Funkverbindung übertragenes Messergebnis inklusive Foto. Auf dem muss ein gelber Messrahmen genau an der richtigen Stelle liegen.

Wenn die Anlage einen Tempoverstoß registriert, bekommt der messende Ordnungsamtsmitarbeiter das entsprechende Foto auf sein Tablet. Hier hat die Laseranlage 48 Stundenkilometer festgestellt. Im Bild sichtbar: der gelbe Messrahmen.
Wenn die Anlage einen Tempoverstoß registriert, bekommt der messende Ordnungsamtsmitarbeiter das entsprechende Foto auf sein Tablet. Hier hat die Laseranlage 48 Stundenkilometer festgestellt. Im Bild sichtbar: der gelbe Messrahmen. © Eric Weser

Das ist zwar in diesem Fall so, trotzdem könnte der Fahrerin ein Bußgeldbescheid erspart bleiben. Das Kennzeichen ihres Wagens ist überstrahlt. Tim Kauda geht deshalb zum Gerät, um die Position des Blitzes zu ändern. 

Die Messung nach dem Einrichten des Gerätes einfach laufen zu lassen, das sei nicht möglich, erzählt der 31-Jährige dann. Man müsse schon jedes Foto anschauen und auch die Technik im Blick behalten. "Wenn sich die optischen Bedingungen ändern, muss ich zwangsläufig nachjustieren." Und das dann protokollieren. Ohne den entsprechenden Vermerk könne die Messung rechtlich angreifbar werden. 

Ob die geblitzte Frau wirklich Glück hat, entscheidet sich, wenn die Daten im Rathaus ausgewertet worden sind. Dort können die Amtsmitarbeiter mittels Software versuchen, das bislang nicht erkennbare Kennzeichen doch noch sichtbar zu machen. 

Insgesamt wird sich die Bearbeitung der Geschwindigkeitsverstöße durch das Amt verschnellern, sagt Tim Kauda. Früher habe der Dienstleister die Fotos erst einmal mitgenommen und sie aufbereitet. Teils habe es 14 Tage gedauert, bis sie beim Amt ankamen. Erst dann konnten Halterabfragen beim Kraftfahrtbundesamt gestartet und der Bescheid versandfertig gemacht werden. Heute falle der Zwischenschritt beim Dienstleister weg – nur die Bearbeitung der Daten müsse nun selbst erledigt werden. Das dauere aber nicht allzu lange.

Nachteinsätze sind geplant

Was indes noch nicht so schnell läuft, ist der Aufbau der Blitzanlage vor Ort. Gut 25 Minuten dauere das im Moment. "Das wird noch schneller gehen, wenn alle Handgriffe sitzen", sagt Tim Kauda, der auf zehn Jahre Erfahrung als Messbediensteter zurückblicken kann. Bei allen Neuerungen ähnelt das neue Gerät jenem, das die Dienstleistungsfirma im Einsatz hatte, findet er.

Eine zweitägige Schulung für ein Mitarbeiter-Sextett, das sich in den Messdienst teilt, lief Anfang Oktober. Im scharfen Einsatz ist die Anlage nun seit der zweiten Oktoberwoche. Amtsleiter Sebastian Fleck spricht mit Blick auf die derzeitigen Messungen von Eingewöhnung. Seine Leute sollen sich zunächst weiter mit dem Gerät vertraut machen. Die Phase solle noch bis Jahresende dauern. Deswegen werde auch noch nicht an allen sieben Wochentagen geblitzt.

Künftig soll das aber passieren. Mehr geblitzt werden als bisher soll nicht, so Fleck. Nur  stärker verteilt auf alle Wochentage – und auch mal nachts. So erhofft sich die Stadt, Tempoverstöße auf bestimmten "Rennstrecken" ahnden zu können, was bisher nicht ging. Bei den Nachtkontrollen sollen dann aber zwei Ordnungsamtsmitarbeiter eingesetzt werden, während die Kontrollen am Tag einer allein übernehmen kann.

Kein Umbau wegen Warnungen

Dass es bei den Einsätzen unangenehm werden kann, hat Tim Kauda schon erlebt. Es komme vor, dass Autofahrer anhalten, nachdem sie geblitzt worden sind, um ihren Ärger bei den Messbediensteten loszuwerden.  Man könne die meisten Leute aber beruhigen, wenn man selbst ruhig bleibe. Doch bepöbelt zu werden, das komme vor. "Das gehört – schlimm genug, dass es so ist – zum Job", sagt Ordnungsamtschef Fleck. 

An der Langen Straße ist an diesem Morgen zwar der Ärger hinter manchen Frontscheiben sichtbar, nachdem der rote Blitz aufgeleuchtet hat. Doch die Autofahrer bleiben im Wagen. Auch die Polizisten, die mit einem Streifenwagen etwas zu schnell Richtung Innenstadt unterwegs sind. Mit 42 Stundenkilometern erwischt es sie knapp.  Denn die Technik löst trotz 30er-Limit erst bei 39 Kilometern die Stunde aus – das ist die eingestellte Toleranz.

Zur mobilen Messanlage gehören neben Akkus zur Stromversorgung (auf dem Boden) ein sogenanntes Lidar und eine Recheneinheit, das die eigentliche Tempomessung mittels Laser und Weg-Zeit-Berechnung realisiert. Auf dem großen Stativ: der eigentliche Blitz. D
Zur mobilen Messanlage gehören neben Akkus zur Stromversorgung (auf dem Boden) ein sogenanntes Lidar und eine Recheneinheit, das die eigentliche Tempomessung mittels Laser und Weg-Zeit-Berechnung realisiert. Auf dem großen Stativ: der eigentliche Blitz. D © Eric Weser

Ähnlich gering sind die Verstöße der anderen rund 40 geblitzten Wagen, die das Gerät binnen knapp zwei Stunden registriert. Vielfach dürfte es mit einem niedrigen Verwarngeld getan sein. Können Blaulichtkräfte wie die Polizei nachweisen, dass sie im Einsatz waren, entfällt das Ganze. Die Bescheide, mit denen nach der alten Bußgeldordnung geahndet wird, dürften die Betroffenen in wenigen Tagen erreichen. 

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Deutlich schneller, nämlich noch während der Messaktion, hat derweil die Präsenz des Blitzers an der Langen Straße in den Sozialen Medien die Runde gemacht. Auch die Amtsmitarbeiter wissen das. "Man guckt da schon mal rein", sagt Tim Kauda. Aber sich deswegen woanders postieren? "Mit Auf- und Abbau ist man mit einer Dreiviertelstunde dabei. Wenn wir das jedes Mal machen würden, sobald es irgendwo gepostet wird, wären wir nur damit beschäftigt." Die Erfahrung zeige: Ob es in den Sozialen Medien steht oder nicht, mache gar nicht so viel aus. 

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