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"Wir arbeiten immer an etwas"

Die Sanierungen im Tiefenauer Rittergut laufen. Der ganz große Sprung ist zwar ausgeblieben – doch im Kleinen geht es an vielen Stellen voran.

Soll bald angestrichen werden und (Investoren-)Blicke auf sich ziehen: die in Sanierung befindliche Fassade des Torbogenhauses im Rittergut Tiefenau.
Soll bald angestrichen werden und (Investoren-)Blicke auf sich ziehen: die in Sanierung befindliche Fassade des Torbogenhauses im Rittergut Tiefenau. © Sebastian Schultz

Tiefenau. Ohne den vielen Regen aus der Oktobermitte gäbe es an der B169 in Tiefenau wohl schon einen neuen Blickfang: die neue Fassadenfarbe am Torbogenhaus des ehemaligen Ritterguts. In einem gelben Farbton soll die Fassade einmal gehalten sein. Wenn das Wetter nicht wieder dazwischenfunkt, soll der Anstrich noch dieses Jahr kommen. 

Hingucker an der Fassade: Dieses aus Sandstein gearbeitete Wappen des Ritterguts Tiefenau ziert jetzt den Eingang über dem Torbogenhaus. Die Inschrift "Vive somnium tuum" ist lateinisch und bedeutet "Lebe deinen Traum".
Hingucker an der Fassade: Dieses aus Sandstein gearbeitete Wappen des Ritterguts Tiefenau ziert jetzt den Eingang über dem Torbogenhaus. Die Inschrift "Vive somnium tuum" ist lateinisch und bedeutet "Lebe deinen Traum". © Eric Weser

Das erzählt Holger Wolf, Objektverantwortlicher und Mitarbeiter von Gutsbesitzer Henry de Jong, beim Rundgang über das Areal. 

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Bei der Tour wird deutlich: In der Barockanlage, die über Jahrzehnte zum Großteil dem Verfall preisgegeben war, ist auch im dritten Jahr nach Übernahme durch den neuen Eigentümer vieles passiert. Neben den von der Straße sichtbaren Fassadenarbeiten fallen vor allem zwei große Dächer ohne Bedeckung auf: das der Scheune und das am hinteren Torbogenhaus. Im Sommer waren die alten Ziegel entfernt worden, um die Dachstühle begutachten und zeitnah sanieren zu können.

Das Dach des hinteren Torbogenhauses ist seit diesem Jahr abgedeckt. Dasselbe gilt für das Dach der benachbarten ...
Das Dach des hinteren Torbogenhauses ist seit diesem Jahr abgedeckt. Dasselbe gilt für das Dach der benachbarten ... © Eric Weser
... Scheune. Doch wann eine Sanierung startet, ist offen. Derzeit laufen dazu noch Abstimmungen mit Behörden, Bauplanern und Fachfirmen.
... Scheune. Doch wann eine Sanierung startet, ist offen. Derzeit laufen dazu noch Abstimmungen mit Behörden, Bauplanern und Fachfirmen. © Eric Weser

Allein: Die Abstimmungen, wie genau saniert werden soll, haben sich hingezogen. Man sei bisher mit Behörden, Planern und Baufirmen nicht unter einen Hut gekommen, sagt Holger Wolf. Es gebe unterschiedliche Vorstellungen, wie mit der lädierten, aber denkmalgeschützten Substanz am besten zu verfahren sei. Der Untersuchungsbericht eines neu hinzugezogenen Statikers soll Anfang November eine Entscheidung bringen. Für die Dächer heißt das wohl: Sie werden über den Winter offen bleiben. 

Winterfit wird indes der Rosengarten gemacht. Die Beete bekommen frische Muttererde und Dünger in Form von Pferdemist vom Reiterhof Roda spendiert. Ende November sollen die kleinen, 2019 fertig sanierten Brunnen entleert und eingehaust werden. Der letzte noch zu sanierende große Brunnen soll den Winter aber dieses Jahr nicht im Freien verbringen. Geplant ist, ihn in seine Handvoll Einzelteile zerlegt in einem ehemaligen Stallgebäude einzulagern, sagt Holger Wolf. Dort soll der „hauseigene“ Steinmetz ihn restaurieren.

Ein paar Blütenreste im Rosengarten sind noch zu sehen. Die Rosen dort bekommen frische Erde und Dünger. Im Hintergrund: Der – beinahe vollständig – sanierte Wohnpavillon von Gutsbesitzer Henry de Jong.
Ein paar Blütenreste im Rosengarten sind noch zu sehen. Die Rosen dort bekommen frische Erde und Dünger. Im Hintergrund: Der – beinahe vollständig – sanierte Wohnpavillon von Gutsbesitzer Henry de Jong. © Eric Weser
Der mittlere und größte der insgesamt fünf Barockbrunnen im Rosengarten ist als letzter noch nicht saniert. Das soll aber bald passieren. 
Der mittlere und größte der insgesamt fünf Barockbrunnen im Rosengarten ist als letzter noch nicht saniert. Das soll aber bald passieren.  © Eric Weser

Restauriert beziehungsweise saniert werden soll bald auch das Innere des Grottenpavillons im Rosengarten. Das mit einer Art Brunnen ausgestattete und zahlreichen Muschelornamenten reich verzierte Gartenhaus wirkt momentan etwas blass. Das liegt an einem weißen Anstrich aus den 1950er Jahren, sagt Holger Wolf. Wenn die Behörden es gestatten, soll es künftig wieder farbenprächtig daherkommen. Genutzt werden soll das äußerlich schon sanierte Gartenhaus dann als Gastronomie.

Auch bei den anderen drei Pavillons im Rosengarten ist es weitergegangen: Der innen wie außen sanierte Wohnpavillon von Henry de Jong hat inzwischen Wasser, Strom und Heizung und ist damit bewohnbar – auch wenn im Dachgeschoss noch etliches zu tun sei, wie Holger Wolf sagt. Von Bewohnbarkeit sind die gegenüber gelegenen zwei Gartenhäuser zwar noch weit entfernt, aber sanierte Türen sind erste Schritte dahin.

Vom Fortschritt in Tiefenau konnten sich seit dem frühen Sommer auch Besucher wieder einen Eindruck verschaffen. Seitdem ist der Rosengarten wieder regelmäßig am Wochenende von 10 bis 18 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. „Zumindest, wenn keine gravierenden Bauarbeiten stattfinden“, sagt Holger Wolf.

Einen gravierenden Eingriff hat es vor nicht allzu langer Zeit am ältesten Baum auf dem Rittergutsgelände gegeben: Die geschätzt um die 250 Jahre alte, alle umstehenden Gebäude überragende Eiche wurde nach Beratschlagung mit Landratsamt und weiteren Experten um etliche schwere Äste erleichtert. Damit wurde eine Wurzel entlastet, die vorher gerissen war – weil zu viel Masse an ihr gezogen hatte. „Es war im Gespräch, die ganze Krone wegzunehmen“, sagt Holger Wolf. Sein Chef sei aber dagegen gewesen, den majestätischen Baum so sehr zu stutzen.

Musste gestutzt werden: Diese hunderte Jahre alte Eiche hatte allem Anschein nach durch zu schwer gewordene Äste Schaden genommen. Um den Baum zu retten, mussten etliche entfernt werden. Rechts: Der äußerlich bereits sanierte Grottenpavillon.
Musste gestutzt werden: Diese hunderte Jahre alte Eiche hatte allem Anschein nach durch zu schwer gewordene Äste Schaden genommen. Um den Baum zu retten, mussten etliche entfernt werden. Rechts: Der äußerlich bereits sanierte Grottenpavillon. © Eric Weser

Es sind viele solcher auf den ersten Blick gar nicht sofort sichtbaren Arbeiten, die auf dem Gelände in den letzten Monaten gelaufen sind. Der Austausch von alten Fenstern, die Reparatur gebrochener Sandsteinfassungen, das Entfernen von Totholz aus alten Bäumen im Park. Im vorderen Torbogenhaus entstand eine Personaltoilette, damit die Mitarbeiter und Handwerker vom Rittergut nicht mehr das WC der benachbarten Schlosskapelle nutzen müssen.

Der große Sprung für das Areal, das einmal Teil des groß angelegten Tiefenauer Ferienresorts mit Viersternehotel, Golfplatz und vielen Ferienhäusern sein soll, ist 2020 ausgeblieben. In letzter Zeit kleckere es eher, als dass geklotzt werde, gibt auch Holger Wolf zu. Aber: „Wir arbeiten immer an etwas. Stillstand gibt es nicht.“ Dafür spreche auch, dass das Team von Mitarbeitern mit unbefristeten Arbeitsverhältnissen immer größer werde. Neben einem Steinmetz gehöre auch ein Gärtner dazu. Hinzu kämen weitere Beschäftigte. „Das sind Signale: Es geht weiter.“

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