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Feralpi schafft 80 bis 100 neue Arbeitsplätze in Riesa

Der Stahlwerks-Betreiber will in den nächsten Jahren mehr als 100 Millionen Euro am Standort investieren. Und er hat gerade viel zu tun.

Uwe Reinecke ist seit Mai Werksdirektor bei Feralpi Stahl in Riesa. Der 56-Jährige stammt aus Salzgitter und war zuvor schon zehn Jahre bei den Schmiedewerken in Gröditz tätig.
Uwe Reinecke ist seit Mai Werksdirektor bei Feralpi Stahl in Riesa. Der 56-Jährige stammt aus Salzgitter und war zuvor schon zehn Jahre bei den Schmiedewerken in Gröditz tätig. © Sebastian Schultz

Riesa. Stimmt es, dass Feralpi Stahl in Riesa insgesamt mehr als 100 Millionen Euro investieren will? "Die Größenordnung kommt hin. Wir investieren aber in mehreren Stufen bis Anfang 2025", sagt Uwe Reinecke. Und bei dieser Summe seien die jährlichen Investitionen in Form von Generalreparaturen noch gar nicht enthalten, die Feralpi ohnehin Jahr für Jahr in den Erhalt der Anlagen in Gröba steckt.

So steht planmäßig alle zwölf bis 15 Monate eine große Generalreparatur im Stahlwerk an. Normalerweise ist das von Weihnachten bis Januar. Dieses Jahr aber gibt es bei der Produktion viel aufzuholen - weil es Schwierigkeiten bei der Inbetriebnahme der neuen Drahtbindestation gab. "Uns fehlen dadurch 38.000 Tonnen Draht, das gilt es bis Jahresende aufzuholen", sagt der neue Werksdirektor, der Anfang des Jahres als Direktor Finanzen bei Feralpi angefangen hatte und dann Christian Dohr als Werksdirektor ablöste.

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Weil nun also wieder auf Hochdruck produziert wird, soll es am Jahresende nur eine ganz kurze Stillstandsphase im Stahlwerk geben. "Das wird dann so wie ein Boxenstopp bei der Formel 1", sagt Uwe Reinecke. Der große Stillstand für die Generalreparaturen sei dann erst ab Ostern 2022 geplant - mit bis zu sieben Wochen Stillstand im Stahlwerk und vier Wochen Stillstand im Walzwerk. Das werde alles sehr genau geplant.

Und dazu kommt nun noch eine dreistellige Millionensumme für vier größere Vorhaben, die Feralpi Stahl in Riesa plant - als sogenannte strategische Investitionen.

Investition 1: ein zweites Walzwerk

"Wir wollen eine größere Erweiterung: Wir planen ein zweites Walzwerk", sagt Uwe Reinecke. Wo genau auf dem Werksgelände es entsteht, sei dabei noch offen - Feralpi plane zwei Varianten. "Die Entscheidung fällt nach der Sommerpause mit dem Gesellschafter", sagt der Werksdirektor. Gebaut werden soll das neue Walzwerk dann bis Anfang 2024. Mit dem vorhandenen E-Ofen könnte Feralpi in Riesa noch mehr Stahl produzieren als bisher, erklärt Reinecke den Bedarf für ein zweites Walzwerk. Bislang werden in Riesa knapp eine Million Tonnen Stahl pro Jahr produziert; künftig wären 1,1 bis 1,2 Millionen Tonnen denkbar.

Außerdem soll die Investition eine neue Produktionsweise ermöglichen. Es wird eine sogenannte Spooleranlage errichtet. Dabei wird der warmgerippte Walzdraht direkt aus der Walzader zu einem sauber gespulten Ring verarbeitet. Bisher war das ein zweistufiger Prozess aus Warmwalzen und Kaltrecken mit nachfolgendem Spulen. Dadurch werden die Drahtbündel, die als "Coil" bezeichnet werden, auch größer und schwerer. "Das macht ihre Fertigung effizienter", sagt Reinecke. Zwar bedeute das auch neue Maschinen für die Weiterverarbeitung - aber das sei die Methode der Zukunft.

Bei der Kaltverarbeitung fällt damit für einen Teil des Sortimentes das Recken und Spulen weg. In der Drahtweiterverarbeitung verbleiben dennoch ein Teil der kaltgereckten Ringproduktion sowie auch die Herstellung von Matten und Abstandhaltern.

Ein Riesaer Produkt: Die "Coil" genannten Drahtbündel sollen mit einem neuen Produktionsverfahren größer und schwerer werden.
Ein Riesaer Produkt: Die "Coil" genannten Drahtbündel sollen mit einem neuen Produktionsverfahren größer und schwerer werden. © Klaus-Dieter Brühl

Investition 2: ein neuer Eingangsbereich für das Werk

Ein zweites strategisches Projekt sei es, die gesamten Verkehrsflüsse auf dem Firmengelände zu entzerren und neu anzuordnen. Dafür hat Feralpi das Gebäude der bisherigen Kantine vom Gastroservice Selle gekauft, der nun umzieht. „Außerdem machen wir uns Gedanken im Rahmen des Logistikkonzeptes zum Ein- und Ausfahrtsbereich des Werkes“, sagt Uwe Reinecke. Man beginne demnächst Gespräche mit Stadt und Stadtwerken.

Der Eingangsbereich zum Stahlwerk: Das gelbe Gebäude im Hintergrund hat Feralpi bereits vom Gastroservice Selle gekauft; auch die Straße möchte das Unternehmen gern umgestalten.
Der Eingangsbereich zum Stahlwerk: Das gelbe Gebäude im Hintergrund hat Feralpi bereits vom Gastroservice Selle gekauft; auch die Straße möchte das Unternehmen gern umgestalten. © Sebastian Schultz

Investition 3: ein neues Umspannwerk

Das dritte strategische Projekt betrifft die Stromversorgung. Schon jetzt ist das Stahlwerk von Feralpi der größte Stromverbraucher der Region - mit einem eigenen Umspannwerk. Die Anlage gehört dem Netzbetreiber Sachsen-Energie, arbeite aber längst am Limit. "Mit der geplanten Erweiterung müssen wir über eine neue Lösung nachdenken", sagt Uwe Reinecke. Im Jahr 2023 könnte ein Neubau der Anlage nötig werden - entweder wieder von Sachsen-Energie oder als eigene Anlage, die dann Feralpi gehören würde.

Ein eigenes Umspannwerk: Feralpi Stahl hängt mit einem separaten Anschluss am Hochspannungsnetz. Die Anlage muss bald erweitert werden.
Ein eigenes Umspannwerk: Feralpi Stahl hängt mit einem separaten Anschluss am Hochspannungsnetz. Die Anlage muss bald erweitert werden. © Sebastian Schultz

Investition 4: eine neue Schrottaufbereitung

Am vierten strategischen Projekt arbeitet Feralpi Stahl bereits. "Wir investieren in eine mehrstufige Schrottaufbereitung, mit der ersten Stufe haben wir schon angefangen", sagt Uwe Reinecke. Ziel sei es, den Schrott besser sortieren und aufbereiten zu können. "Bislang fahren wir unseren 100-Tonnen-Ofen mit drei Körben Schrott. Ziel ist es, ihn mit lediglich zwei Körben bestücken zu können." Möglich sei das durch eine bessere, sortenreine Vorauswahl - bei der Sonderstoffe noch besser abgetrennt werden. Auch das biete einen wirtschaftlichen Vorteil.

Aus Schrott wird Stahl: Feralpi arbeitet daran, seine Schrott-Aufbereitung weiter zu verbessern.
Aus Schrott wird Stahl: Feralpi arbeitet daran, seine Schrott-Aufbereitung weiter zu verbessern. © Archiv/Foto Schröter

Man hoffe auf die notwendige Unterstützung aus dem Umfeld für die ambitionierten Vorhaben - von Stadt über Landkreis bis Freistaat. Schließlich sei nicht jeder davon begeistert, dass sich ein Stahlwerk in unmittelbarer Nähe der Riesaer Wohnbebauung befinde. "Aber beim Punkt Umweltschutz ist Feralpi wirklich vorbildlich! Da hat sich in den vergangenen Jahren ganz viel entwickelt", sagt der Werksdirektor und verweist auf erhebliche Investitionen in den Umweltschutz und den jährlichen, extrem ausführlichen Umweltbericht.

Und was bedeuten die geplanten Investitionen für die Mitarbeiterzahl? "Ja, mit einem zweiten Walzwerk werden wir auch neue Mitarbeiter brauchen. 80 bis 100 etwa." Sehr leicht sei es nicht, die Jugend für die Branche zu begeistern. "Deshalb bespielen wir bei dem Thema auch alle Kanäle und sind in den sozialen Medien aktiv", sagt Reinecke. Und schon jetzt bilde Feralpi in Riesa reichlich aus. Aktuell beschäftigt Feralpi Stahl in Riesa gut 700 Mitarbeiter - und ist damit einer der größten Arbeitgeber der Region.

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