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Aufregung um Riesaer Nudelstreit

Kaufland hat Produkte der Teigwaren Riesa ausgelistet. Die Gewerkschaft NGG ist empört.

Die Produkte des traditionsreichen Herstellers Teigwaren Riesa gibt es fast überall zu kaufen. Mit einem wichtigen Kunden aber konnte man sich nicht einigen.
Die Produkte des traditionsreichen Herstellers Teigwaren Riesa gibt es fast überall zu kaufen. Mit einem wichtigen Kunden aber konnte man sich nicht einigen. © Sebastian Schultz

Riesa. Bei den meisten Discountern gibt es nach wie vor Riesaer Nudeln - nicht aber bei Kaufland. Das war vor wenigen Tagen über einen Bericht von Sächsische.de publik geworden. Die zur Schwarz-Gruppe gehörende Handelskette Kaufland hatte die Nudeln der Teigwaren Riesa aus dem Sortiment genommen. Das dürfe nicht einfach widerspruchslos über die Bühne gehen, moniert nun die Nahrungsmittelgewerkschaft NGG. Bis zu 20 Prozent der Kapazitäten bei den Teigwaren seien davon betroffen, an denen Arbeitsplätze hängen.

„Große Handelskonzerne spielen hier Monopoly mit den Arbeitsplätzen der Beschäftigten und das nicht nur bei Teigwaren Riesa. Mit dem Preisdruck der Handelsketten sind wir in vielen Lebensmittelbetrieben konfrontiert“, sagt Thomas Lißner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

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Der Gewerkschafter hatte zuletzt häufiger mit Riesa zu tun - dort waren mit mehreren Streiks Tarifverträge für die Mitarbeiter erkämpft worden, die seitdem höhere Löhne erhalten.

Hintergrund der Auslistung von Produkten von Teigwaren Riesa bei Kaufland ist der Streit über die Einkaufspreise aufgrund gestiegener Produktionskosten. Teigwaren-Geschäftsführer Mike Hennig hatte gegenüber sächsische.de darauf verwiesen, dass in den vergangenen Jahren die Preise für Rohware, für Kraftstoff und für Energie rasant gestiegen seien. Deshalb habe man die Preise für den Handel anpassen müssen.

Laut Kaufland habe man "trotz intensiver Bemühungen" keine Einigung mit den Teigwaren erzielen können.

Dabei hat das Unternehmen, das zusammen mit der Discounterkette Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, während der Corona-Krise in Deutschland seinen Umsatz deutlich steigern können, so die Gewerkschaft NGG. Das geschätzte Vermögen des Firmeneigentümers Dieter Schwarz stieg nach jüngsten Angaben von 22,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf jetzt 36,8 Milliarden US-Dollar. Die NGG beruft sich dabei auf das Forbes-Magazin 2021.

Selbst in der Riesaer Kaufland-Filiale sind nun keine Riesaer Nudeln mehr im Sortiment.
Selbst in der Riesaer Kaufland-Filiale sind nun keine Riesaer Nudeln mehr im Sortiment. © Sebastian Schultz

Gewerkschafter Thomas Lißner: „Es kann nicht sein, dass die Eigentümer großer Handelsketten Jahr für Jahr reicher werden und das auf dem Rücken der Beschäftigten, egal ob in den Lieferbetrieben der Lebensmittelindustrie oder der Verkäuferinnen in den Filialen.“

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Die vier größten Handelsketten verfügen in Deutschland über eine Marktmacht von mehr als 85 Prozent, rechnet die Gewerkschaft vor. Die Folge seien Praktiken, die die Produzenten von Lebensmitteln bislang benachteiligen. So seien kurzfristige Stornierungen, unbezahlte Rückgaben verderblicher Waren, einseitige Änderungen der Lieferbedingungen oder Gebühren dafür, überhaupt im Sortiment zu bleiben, an der Tagesordnung. Gedroht werde den Lebensmittelproduzenten mit einer Auslistung, falls sie die Forderungen des Handels nicht erfüllen. Die Folge sei ein teilweise gnadenlos geführter Preiswettkampf unter den Lebensmittelproduzenten. (SZ)

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