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Großinvestition am höchsten Punkt Riesas

Der Heideberg ist ein zentraler Punkt für die Trinkwasserversorgung - bis hin nach Großenhain und Lommatzsch.

Ein Blick aus der Luft auf die höchste Baustelle Riesas: In der Baugrube entsteht ein neues Bediengebäude für die beiden Wasserspeicher unter dem künstlichen Hügel. Im Hintergrund: der Heidebergfriedhof, Weida und ganz hinten Riesas Innenstadt.
Ein Blick aus der Luft auf die höchste Baustelle Riesas: In der Baugrube entsteht ein neues Bediengebäude für die beiden Wasserspeicher unter dem künstlichen Hügel. Im Hintergrund: der Heidebergfriedhof, Weida und ganz hinten Riesas Innenstadt. © Wasserversorgung Riesa/Großenhain

Riesa. Höher hinaus geht es in Riesa nicht: Auf 165 Metern liegt die höchste Baustelle der Stadt. Damit liegt der Punkt noch deutlich höher, als die Dächer der Hochhäuser. Und das ist auch wichtig: Denn hier speichert die Wasserversorgung das Trinkwasser, das aus dem Wasserwerk Fichtenberg, kurz hinter der brandenburgischen Landesgrenze, auf den Riesaer Berg gepumpt wird. Der unterirdische Hochbehälter sorgt dafür, dass auch noch im zehnten Stock der Wohnblocks etwa an der Bahnhofstraße das Wasser mit genug Druck aus dem Hahn strömt. Und selbst in Lommatzsch und Großenhain - 20 Kilometer Luftlinie entfernt - profitiert man von den technischen Anlagen am Riesaer Stadtrand: dort sind einerseits im Ortsteil Schwochau, andererseits am Kupferberg sogenannte Gegenbehälter mit Riesa verbunden.

"Der Hochbehälter ist fast für unser gesamtes Verbreitungsgebiet wichtig", sagt Heiko Bollmann, Geschäftsführer der Wasserversorgung Riesa-Großenhain. Und deshalb sind die Anlagen auch jetzt noch in Betrieb - obwohl sich das Grundstück gegenüber des Heidebergfriedhofs gerade in eine riesige Baustelle verwandelt hat. Dabei versteckt sich das Meiste unterirdisch: Nur zwei runde Häuschen deuten an, dass es mit dem grasbewachsenen Hügel an der Straße nach Groptitz etwas Besonderes auf sich hat. Darunter stecken zwei sechs Meter tiefe und 35 Meter im Durchmesser große Becken, die zusammen 10.000 Kubikmeter Wasser fassen.

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2,1 Millionen Euro Baukosten

Sie sind nach wie vor mit Trinkwasser gefüllt und am Netz, genauso wie das unscheinbare helle Häuschen im Hintergrund. Im Bediengebäude stecken Armaturen, ein Überpumpwerk, eine Druckerhöhungsanlage, ein Überlauf für die benachbarten Behälter. Allerdings ist das Haus fast 50 Jahre alt. "Wir haben geprüft, ob wir die Anlage sanieren oder uns für einen Neubau entscheiden", sagt Bollmann. Nach umfangreichen Variantenvergleichen habe sich gezeigt, dass ein Neubau wirtschaftlicher ist. "Die Sanierung wäre fast genauso teuer geworden, hätte aber Auswirkungen auf den laufenden Betrieb."

Und die möchte man bei dem Unternehmen vermeiden, das fast 100.000 Einwohner und etliche Industrie- und Gewerbekunden täglich mit Trinkwasser versorgt. Und deshalb lässt man für insgesamt 2,1 Millionen Euro neu bauen. Während die alte Anlage weiter Wasser liefert, entsteht in einer großen Baugrube auf der Rückseite ein neuer Kubus, in dem später Steuer- und Regeltechnik, Abstellarmaturen, Leitungen und Pumpen Platz finden. "Das wird alles neu", sagt Rohrnetzmeister Torsten Gruhl.

Sie haben den Plan: Heiko Bollmann, Geschäftsführer der Wasserversorgung Riesa-Großenhain und Rohrnetzmeister Torsten Gruhl.
Sie haben den Plan: Heiko Bollmann, Geschäftsführer der Wasserversorgung Riesa-Großenhain und Rohrnetzmeister Torsten Gruhl. © Lutz Weidler

Ein Grund sind auch geänderte Anforderungen des Gesundheitsamtes. War es früher üblich, dass ein vorgeschriebener Überlauf in einen Kanal entwässert, soll es nach heutigem Hygiene-Stand lieber versickern. "Tatsächlich musste der Überlauf aber noch nie in Betrieb gehen", sagt Bollmann.

Die Technik auf dem Heideberg war schon mehrfach umgebaut und erneuert worden - 2004 etwa das Äußere der Behälter und die Einstiegshäuser, 2011-13 das Innere der Kammern. Die aktuelle Baustelle dürfte aber die Größte seit der Wende sein: Ein großer Teil des künstlichen Hügels wurde abgebaggert, die Erde teils nebenan zum Wall getürmt, teils per Lkw abgefahren. In dem so entstandenen Haus wuchs ein Betonkubus fast in Einfamilienhausgröße - das neue Bediengebäude. Ein großer Teil davon entsteht unterirdisch, damit auch künftig das Wasser aus den beiden 5.000-Kubikmeter-Behältern nebenan ohne Pumpenkraft durch den Ablauf im Gebäude fließen kann.

Weniger Einwohner, gleicher Verbrauch

Die Behältergröße bleibt gleich. Denn trotz einem gewissen Einwohnerschwund in der Region bleibe der Trinkwasser-Absatz etwa konstant, sagt der Geschäftsführer. "Wir haben dieses Jahr bislang genauso viel Wasser abgegeben wie im gleichen Zeitraum der beiden Vorjahre." Offenbar würden die Leute in den trockenen Jahren viel gießen; außerdem habe man einen stabilen Absatz in der Industrie.

Die Kunden sollen auch nichts davon merken, wenn die neue Anlage auf dem Heideberg voraussichtlich Ende 2021 schließlich in Betrieb geht. "Das ist zumindest unser Ziel", sagt Heiko Bollmann. Eine Zeitlang wolle man eine der beiden Kammern über das alte Bediengebäude betreiben, die andere über das Neue - bevor die alte Technik komplett außer Betrieb geht. Zehn Jahre lang habe man für das Vorhaben geplant. "Wir fahren eine langfristige Sanierungsstrategie."

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