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Rücktritt nach den Tränen der Töchter

Henning Lambertz zieht Konsequenzen - und die deutschen Schwimmer stehen plötzlich ohne Bundestrainer da. 

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Alles richtig gemacht? Henning Lambertz zieht Konsequenzen, aber aus persönlichen Gründen.
Alles richtig gemacht? Henning Lambertz zieht Konsequenzen, aber aus persönlichen Gründen. © dpa/Jens Büttner

Tränen sind wegen der deutschen Schwimmer im Haus des Chefbundestrainers genug geflossen. Nach sechs Jahren hört Henning Lambertz überraschend zum Jahresende auf. Familie statt Leistungssport in vorderster Reihe lautet die Entscheidung des 48-Jährigen. „Es ist kaum möglich, ein fürsorglicher Familienvater und guter Cheftrainer zu sein“, sagte er. „Ich habe zwei kleine Töchter daheim, bin aber über die Hälfte des Jahres nicht bei ihnen. So sollte es nicht sein, und so möchte ich nicht weitermachen. Es sind genug Tränen in den vergangenen Jahren geflossen. Jetzt müssen Zeiten der Freude und des familiären Glückes deren Platz einnehmen.“

Dass sich Lambertz mehr um die siebenjährige Line und die einjährige Rubi kümmern möchte, bringt dem Deutschen Schwimm-Verband das nächste Dilemma. Er muss einen Nachfolger für die vor knapp zwei Wochen zurückgetretene Präsidentin Gabi Dörries suchen und die Betreuung der Nationalauswahl neu aufstellen. Auch die schwierige Lage im durch den Fußball dominierten deutschen Sport spielte für Lambertz eine Rolle: „Am Ende wurde das Leid der Kinder immer größer und die Aussicht auf Erfolge durch die Probleme im deutschen Sport immer geringer. Die Schere ging immer weiter auseinander. Daher musste eine Entscheidung her, und die kann ja nicht gegen die Familie fallen.“

Den letzten Ausschlag gab es kürzlich: „Nach den zwei Wochen in Japan wegen Trainingslager und Weltcup war ich zur Freude der Kinder gerade wieder zu Hause, als ich einige Tage später wieder zur Kurzbahn-WM nach China aufbrechen musste. Rubi kann zwar noch nicht richtig sprechen, aber sie hat sich in meinen Koffer gesetzt und gesagt, Papa bleib.“

Auch das Ende der Amtszeit von Dörries spielte eine Rolle: „Letztlich war der Rücktritt von Gabi Dörries der Moment, der mich in meiner Entscheidung nochmals bestärkt hat.“ Sechs Jahre lang waren Dörries, erst als Vorsitzende der Fachsparte Schwimmen, zuletzt als Präsidentin, und Lambertz ein Team. Er sah sie als „Freundin und Mentorin“, ohne die er sich viele Visionen nicht mehr vorstellen könne. (dpa)