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Saal der Kabi wird geschlossen

Der Grund sind „bauliche Mängel“. Damit verschärft sich die Veranstaltungssituation in Kamenz weiter.

© Matthias Schumann

Von Frank Oehl

Kamenz. Der Saal der Kabi ist ein Begriff in Kamenz. Er steht für Events, die Platz brauchen. Zum Beispiel die Westlausitzer Sammlermesse oder die Tanzworkshops der Tanzschule Herrmann-Nebl, die sogar schon von amtierenden Weltmeistern geleitet wurden. Und außerdem wurde hier in großem Stil Essen ausgegeben. Im Grunde seit 1955 ununterbrochen. Da wurde im Zuge der Wiederaufrüstung unter sozialistischen Vorzeichen das auffällige Wirtschafts- und Küchengebäude gebaut und eingeweiht. Oben speisten die Offiziere und Piloten, unten die Mannschaftsdienstgrade. Und seit Mitte der 90er-Jahre auch die Gymnasiasten. Bereits 1992 führt die Kamenzer Bildungsgesellschaft (Kabi), eine 100-prozentige Tochter des Landkreises (damals Kamenz, jetzt Bautzen) die Geschäfte im Haus. Sie ist vor allem ein sozialer Dienstleister im Landkreis. Sie bestätigt nun, dass der Saal dichtgemacht wird.

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Im Erdgeschoss befindet sich der große Saal.
Im Erdgeschoss befindet sich der große Saal. © Matthias Schumann
Auch ein SZ-Restaurant gab es.
Auch ein SZ-Restaurant gab es. © Matthias Schumann
Mehrere Einrichtungen befinden sich in dem Gebäude.
Mehrere Einrichtungen befinden sich in dem Gebäude.

Pressesprecher Gernot Schweitzer: „Es ist vorgesehen, die Nutzung des Hauptgebäudes nach Beendigung des Schuljahres zu beenden und das bestehende Mietverhältnis zwischen der Kabi und dem Landkreis auf den Teil des Anbaus zu beschränken.“ Als Grund werden bauliche Mängel genannt. Und die gibt es nach mehr als 60 Jahren in der Tat. Der Fassadengang aus Holz auf der Sportplatzseite macht keinen guten Eindruck mehr, auch die Regenentwässerung schwächelt und das Parkett im Saal ist als solches schon lange nicht mehr zu erkennen. Auch deshalb hat sich die Tanzschule nun nach Alternativen umgeschaut, die aber in Kamenz nicht leicht zu finden sind. Größere Säle sind Mangelware.

Die Schließung des Hauses betrifft gleichwohl nur den Hauptteil des Gebäudekomplexes. Die Unterrichtsräume und Büros in den Nebengebäuden werden weiter genutzt. „Sofern ein größerer Bedarf an Unterrichtsräumen für weitere Bildungsmaßnahmen besteht, wird eine Anmietung in räumlicher Nähe erfolgen“, so Schweitzer. Auch die Küche bleibe erhalten. Die Mittagessenversorgung für Schüler und Kinder in Kindertageseinrichtungen sei abgesichert und von der Nutzungsänderung nicht betroffen, heißt es. Und ganz wichtig ab neuem Schuljahr: „Für die Schüler des Gymnasiums wird die Mittagessenversorgung im Schulhaus sichergestellt.“

Umbauten wären notwendig

Dagegen soll der Betrieb des Lehrhotels perspektivisch eingestellt werden, so Schweitzer, was die Frage nach der generellen Zukunft des Hauses und auch der Kabi schon nach sich zieht. Es werde derzeit eine Nutzungskonzeption für den Anbaubereich (Küche und ehemaliger Hotelbereich) erstellt. Damit solle „eine Entscheidungsgrundlage für mögliche Investitionen in einen Umbau dieses Gebäudeteiles geschaffen werden“, so Schweitzer. Die Umbauten wären notwendig, um den Anbau für die geplanten Nutzungen dauerhaft herzurichten. Für den stillgelegten Gebäudeteil gibt es derzeit noch keine Entscheidung zu weiteren Schritten. Das hängt ja auf alle Fälle auch vom Sanierungsbedarf an. „Der wiederum ist stark abhängig von der endgültigen Nutzung und auch den notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen bei Umbau oder Sanierung.“ Es werde gegenwärtig von einer möglichen Investitionssumme von mehr als 500 000 Euro ausgegangen. Das Geld ist natürlich noch nirgends eingeplant. Da es keine denkmalschutzrechtlichen Auflagen gibt, käme selbstverständlich auch ein Abriss eines Gebäudeteiles infrage. Davon wird offenbar noch nicht ausgegangen, was sich auch darin zeigt, dass an Fassade und Dach derzeit „normale Reparaturarbeiten“ stattfinden.

Welche Auswirkungen hat das Saal-Ende nun aber für die Kabi selbst? Sie werde sich an die veränderten Bedingungen anpassen und weiter insbesondere in sozialen Bereichen aktiv tätig werden. Geschäftsfelder sind und bleiben die Erwachsenenbildung, die Beratung, Betreuung und Integration sozial benachteiligter Menschen einschließlich der Betreuung Asylsuchender sowie die Grundversorgung von Schulen und Kitas mit Mittagessen. Schweitzer: „Die vorgesehenen räumlichen Änderungen haben keine wesentlichen Auswirkungen auf die genannten Geschäftsfelder.“ Demzufolge seien derzeit auch keine Auswirkungen auf das Betriebsergebnis und die Anzahl der Mitarbeiter abzusehen.