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Sachsen verdient am teuren Nadelholz

Forstchef Hubert Braun freut sich über hohe Nachfrage und ärgert sich über Tiere.

© Matthias Rietschel

Von Georg Moeritz

Dresden. Bäume fällen lohnt sich: Wenn Professor Hubert Braun in seiner grünen Forstjacke über das vergangene Jahr berichten soll, dann fallen ihm schnell Schlagworte ein. „Nachhaltig erfolgreich“ ist eines davon – denn der Chef des Staatsbetriebs Sachsenforst legt Wert darauf, nicht mehr Holz zu ernten als nachwächst. Dabei ist die Verlockung angesichts „riesiger Nachfrage“ groß. Das Klausner-Sägewerk in Kodersdorf und die Kronospan-Laminatfabrik in Lampertswalde verlangen Nachschub. Sächsisches Lärchenholz wird bis Österreich exportiert.

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Braun berichtete gestern, dass die Holzpreise im vergangenen Jahr erneut um einige Euro gestiegen sind. Durchschnittlich 62 Euro gab es pro Kubikmeter. Im Jahr 2006 waren es mal 36 Euro. Für Laubbaumstämme mit hübscher Maserung für Furniere zahlen Kunden auch schon mal ein paar Tausender. Weiter steigen werden die Preise nun allerdings nicht, urteilt Braun.

Fast 60 Millionen Euro nahm der Staatsbetrieb im vergangenen Jahr aus dem Holzverkauf ein, nach 56 Millionen im Jahr davor. Laut Braun machte das Unternehmen 20 Millionen Euro Gewinn. Allerdings würde diese Rechnung bei einem Privatunternehmen nicht ganz aufgehen. 38 Millionen Euro bekam der Sachsenforst laut Haushalt aus der Landeskasse, um damit „Gemeinwohlleistungen“ im Wald zu erbringen.

Waldumbau: Fichte raus, Buche und Eiche rein

Im Staatswald sind voriges Jahr 5,3 Millionen Bäume gepflanzt worden. Etwa die Hälfte kommt aus den eigenen Baumschulen in Pirna-Graupa und Wolkenstein-Heinzebank. Während die Fichte für Professor Braun der „Brotbaum“ zum Geldverdienen ist, sind die „Schwerpunktbaumarten“ beim Neupflanzen Rotbuche, Traubeneiche und Stieleiche sowie die Weißtanne. Kein anderes Bundesland macht laut Braun im Vergleich zur Waldfläche „ein so intensives Waldumbauprogramm“. Geschlagen wurden voriges Jahr 1,05 Millionen Kubikmeter Holz. Das war etwas mehr als im Vorjahr, und für dieses Jahr ist noch mal ein etwas höherer Ertrag geplant: 1,07 Millionen Kubikmeter. „Wir werden in den nächsten Jahren mehr Holz machen können“, sagte Braun. Die Erntemenge reicht aber nicht an die im Jahr 2007 heran, als der Orkan Kyrill 1,2 Millionen Kubikmeter Holz in Sachsen ohne Axt und Säge fällte.

Zerfahrene Wege: Waldarbeiter haben Vorfahrt vor Spaziergängern

Braun bekommt häufig Protest zu hören, etwa nach Baumfällarbeiten im Weißbachtal im Nationalpark Sächsische Schweiz. Dort sind Wege und Ufer beschädigt worden. „Wenn man erntet, erntet man Kritik“, sagt Braun. Unsichtbare Holzernte sei nicht möglich, und mit Pferden lasse sich kaum noch arbeiten: „Pferde können auch kein Holz stapeln.“ Umweltminister Frank Kupfer (CDU) sprang dem Geschäftsführer auf der Pressekonferenz bei: Die Waldwege würden benötigt, um aufzuforsten und Schäden zu beseitigen. „Spazierengehen ist ein Nebenprodukt“, sagte Kupfer. Selbstverständlich würden die Wege wieder in Ordnung gebracht. „Uns gefällt das ja auch nicht“, sagte Kupfer. Durch Hochwasser hat der Staatsbetrieb voriges Jahr 6,4 Millionen Euro Schäden an Wegen erlitten und sich um rasche Reparatur bemüht.

Angst vor dem Frühjahr: Wärme lockt unerwünschte Lebewesen

Der viele Schnee im vorigen Winter hat etwa ein Fünftel zur Holzernte beigetragen – solcher „kalamitätsbedingter Holzanfall“ bringt allerdings nicht so viel Geld ein. Beseitigt werden musste das Bruchholz rasch, denn der Borkenkäfer liebt gefallene Fichte. Braun weiß, dass ein warmes Frühjahr ihm und seinen Leuten Probleme bereiten wird: Bei 30 Grad im April breiten sich die Buchdrucker und Kupferstecher rasch aus, und die Fichte kann sich bei Wassermangel nicht mit genug Harz wehren. Der Eichenprozessionsspinner „wird uns mit Sicherheit auch überrollen“, sagte Braun. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist der schon verbreitet – nicht als Gefahr für die Bäume, aber die die Brennhaare der Raupen können bei Kontakt zu Entzündungen führen.

Förster und Waldarbeiter: Der Staat baut ab und beauftragt Firmen

Der Staatsbetrieb hat 1.327 Mitarbeiter und soll bis 2020 auf 1129 schrumpfen. Vor 20 Jahren waren es rund 3.200. Allerdings arbeiten rund 2.000 Sachsen in Privatbetrieben, die Aufträge vom Sachsenforst bekommen. 193 Mitarbeiter wechselten zu kommunalen Forstbetrieben. Braun sagt offen, dass er diesen Umbau nicht in allen Teilen für sinnvoll hält – manches werde nun doppelt erledigt. „Ein Unternehmen in einer Verwaltung ist schwierig.“ Der Staatsbetrieb ist für 39 Prozent der Waldfläche zuständig, berät aber auch private Waldbesitzer und Kirchen. Auch um die Jagd kümmert sich das Unternehmen. „Für uns ist das Arbeit“, betonte Braun. 3.500 Wildschweine und 9.600 Rehe wurden voriges Jahr geschossen. „Wenn die noch da wären, könnten wir den Waldumbau vergessen.“ In Sachsen gibt es laut Braun einen Mangel an Jägern, „außer in Großstädten“.

www.smul.sachsen.de/sbs