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Sachsen will die Energiewende, ohne Altes aufzugeben

Der „Masterplan Energieforschung“ setzt Hoffnung auf Batterien, Kernkraft und Kohle.

© kairospress

Georg Moeritz

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Dresden. Das sind die Batterien der nächsten Generation: flach, leicht, mit wenig Chemikalien hergestellt. Hinter Glas bringen Rollen und Greifarme das Material der Lithium-Schwefel-Batterien zusammen. Die Forscher um Dr.- Ing. Philipp Thümmler im Dresdner Zentrum Batterieforschung brauchen anscheinend nur auf Knöpfe zu drücken. „Wir entwickeln hier die Batterie der nächsten Generation“, sagte am Dienstag Professor Stefan Kaskel bei einem Ministerbesuch im Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS). Doch Wirtschaftsminister Martin Dulig und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (beide SPD) machten deutlich, dass sie von Sachsens Energieforschern mehr erhoffen als technischen Fortschritt. Sie wollen die Wirtschaft fördern und dabei auch möglichst viel Vorhandenes erhalten.

Die Minister stellten im Fraunhofer-Institut in Dresden-Gruna einen „Masterplan Energieforschung“ vor, der auf Kabinettsbeschluss zusammengestellt wurde. Stange nannte ihn ein „Strategiepapier“. Doch er gibt keine Richtung für künftige Forschungsaufgaben vor. Ein Plan zur Umsetzung der Energiewende sei das nicht, stellte Stange gleich klar. Zwar kommen Energiespeicher und organische Fotovoltaik als Beiträge zur Energiewende vor. Doch der Masterplan ist eher eine Liste vorhandener Aktivitäten und Institute in Sachsen. Dazu gehört „nukleare Sicherheitsforschung“, die auch bei abgeschalteten Reaktoren noch wichtig ist und Experten in einem Kompetenzzentrum namens „Kompost“ zusammenfasst – das steht für Kompetenzzentrum Ost für Kerntechnik.

Sachsens Landesregierung will an der Forschung zur Reaktorsicherheit ebenso festhalten wie an der Forschung zu Kohlenstoffkreisläufen, heißt es in dem Papier. Förderung gebe es „technologieoffen“.

Wirtschaftsminister Dulig sagte einerseits, Sachsen stehe „für traditionelle Energiepolitik“, und Braunkohle sorge für Sicherheit. Andererseits sei Sachsen Teil der Energiewende, und die gelinge nur mit Energieforschung. Stange wies darauf hin, dass die Hochschulen in der Nähe der Kohlereviere sich mit diesen Themen befassten und bereits Vorschläge für den „Strukturwandel“ gemacht hätten. Laut Masterplan soll die Energieforschung „zu den zentralen Themen zur Steuerung des Strukturwandels in der Lausitz und im Mitteldeutschen Braunkohlerevier gehören“ und im Bundesprogramm berücksichtigt werden.

Sachsen soll laut Dulig von Platz 4 auf Platz 3 unter den Ländern mit Energieforschung aufsteigen. Dafür wäre Nordrhein-Westfalen zu schlagen. Der Masterplan soll die „Sichtbarkeit“ Sachsens unter Fachleuten erhöhen und Investoren aufmerksam machen. Vor allem will die Landesregierung Firmen und Forscher stärker bei der Zusammenarbeit unterstützen, damit aus Erfindungen Produkte werden und auf den Markt kommen. Einen Beitrag zur Fraunhofer-Produktionsanlage hat das Unternehmen ULT aus Löbau geleistet – ein Trocknungsmodul. In Kamenz stellt die Daimler-Tochter Deutsche Accumotive Batterien her, allerdings mit importierten Zellen. Der Nachbar Litarion stellte Komponenten her und kooperierte mit den Dresdner Forschern, ging aber in Insolvenz.

Dulig und Stange wünschen sich, dass Forscher mit ihren Erfindungen auch neue Firmen gründen. Laut Professor Kaskel liegt die Firmengründung nicht jedem. Wer sie wagt, geht auch Risiken ein: Aus dem Nachbar-Institut ging das Unternehmen Ezelleron hervor, das Mini-Ladegeräte mit Brennstoffzellen herstellen wollte. Doch Gründer Sascha Kühn musst sich mit Geld- und Rechtsfragen herumschlagen, aus der Dresdner Fabrik wurde nichts. Der Masterplan will zumindest Handlungsempfehlungen für künftige Forscher bringen.