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Kilometerlanger Solarpark an der A 4?

Zwischen Ottendorf und Leppersdorf könnten Kollektoren auf rund 180 Hektar aufgestellt werden. Die Investitionskosten betragen mehr als 20 Millionen Euro.

Eine Firma aus Neuhardenberg plant entlang der Autobahn einen acht Kilometer langen Solarpark. Der Stromertrag soll bis zu 180 Megawatt betragen.
Eine Firma aus Neuhardenberg plant entlang der Autobahn einen acht Kilometer langen Solarpark. Der Stromertrag soll bis zu 180 Megawatt betragen. © Symbolbild: Claudia Hübschmann

Wachau. Wenn schon auf der A 4 der Verkehr ständig stockt, soll zumindest der Strom in Massen fließen: Wenn es nach einem in Neuhardenberg ansässigen Energieunternehmen, der swf-energie GmbH, geht, sollen im Bereich zwischen den Autobahnabschnitten Ottenorf und Leppersdorf beidseitig Solarmodule aufgebaut werden. Die Gesetzgebung erlaubt den Bau solcher Solarmodulparks entlang von Autobahnen und Schienen, wenn sie nicht mehr als 200 Meter vom Verkehrsweg entfernt sind. In diesem Fall würde dieser Autobahnabschnitt zur „Sonnenallee“.

So jedenfalls der Plan des Energieunternehmens, das seit vielen Jahren erneuerbare Energie aus Sonne, Wind und Forst nutzbar macht. Im Wachauer Gemeinderat wurde darüber in der jüngsten Sitzung heftig diskutiert. Projektleiter Martin Schindler hatte den Räten das Vorhaben vorgestellt. Eine Entscheidung darüber wurde aber vertagt. Sehr zum Bedauern von Wachaus Bürgermeister. Dabei müsse man doch sehen, "woher wir in Zukunft unseren Strom bekommen", sagt Veit Künzelmann (CDU).

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Darum geht es: Auf einer Länge von rund acht Kilometern, zwischen den Autobahnabschnitten Seifersdorf und Leppersdorf, sollen auf beiden Seiten der A 4 in einer Breite von jeweils 100 Metern Solarmodule aufgestellt werden.

Hoher Anteil an Gewerbesteuer fließt nach Wachau

Benötigt werden dazu Nutzflächen aus Seifersdorf, Wachau, Lomnitz und Leppersdorf, insgesamt etwa rund 180 Hektar. Damit, so Projektleiter Schindler, könne man, bei einer durchschnittlichen jährlichen Einstrahlung, voraussichtlich mit einem Stromertrag von bis zu rund 180 Megawatt rechnen. Und wohl alle Haushalte in der Gemeinde Wachau mit Strom versorgen.

Das geschätzte Investitionsvolumen für dieses Projekt liege zwischen 25 und 30 Millionen Euro, so Schindler weiter. Der auf die vielen Vorteile hinweist, die ein solcher ausgedehnter Solarpark für die Gemeinde Wachau hat. "Die Gemeinde kann den auf ihrem Areal produzierten Strom günstig erwerben", so Schindler weiter.

Ein weiterer Vorteil liege darin, dass 70 Prozent der gesamten Gewerbesteuer der Anlage an die Gemeinde fließen. Damit nicht genug. Schindler weist darauf hin, dass mit einer sogenannten Aufständerung der Solarmodule auch weiterhin eine landwirtschaftliche Nutzung der Flächen möglich sei. Nicht zuletzt würden die Solaranlagen in einigen Abschnitten auch neue Lebensräume für Insekten schaffen.

Nach Auffassung von Wachaus Gemeinderatsmitglied Lothar Israel (Offene Bürgerliste) liege ein Problem dieses Vorhabens jedoch darin, das sich das Unternehmen erst einmal mit den vielen Grundstückseigentümern, deren Flächen benötigt werden, einigen müsse. Vermutlich ist das die größte Hürde, denn es gebe etliche Landwirte, die sich mit diesen Photovoltaikparks gar nicht anfreunden könnten.

Israel gibt auch zu bedenken, dass nun mancher Grundstückseigentümer abwäge. Denn die Nutzungsgebühr für eine Photovoltaikanlage sei höher als eine Pachtgebühr. Im Gemeinderat werde das Vorhaben derzeit überwiegend abgelehnt, so Israel weiter.

Abstimmung in der nächsten Woche

Was Robert Zukowski (CDU) nicht verstehen kann. Auch er sitzt im Gemeinderat, findet jedoch, dass diese Photovoltaikanlagen der Kommune nur Vorteile brächten. Nicht nur, weil so ein Großteil der Gewerbesteuer der Gemeinde zukomme, sondern auch, weil man sich gerade in Zeiten des Klimawandels den erneuerbaren Energien nicht verschließen könne und solle. In Wachau selbst, so Lothar Israel, habe das Energieunternehmen schon einige Hausdächer mit Solarmodulen ausgerüstet.

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