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Endlager für Atommüll: Auch Gebiete in Sachsen geeignet

Welche Gebiete kommen geologisch in Frage, um radioaktiven Müll für lange Zeit sicher zu lagern? Bei der Vorauswahl ist auch der Freistaat dabei.

Wohin mit den strahlenden Hinterlassenschaften der Atomkraftwerke?
Wohin mit den strahlenden Hinterlassenschaften der Atomkraftwerke? ©  dpa/Stefan Sauer

Dresden. Auf der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland könnten nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) auch weite Teile Sachsen grundsätzlich geologisch geeignet sein. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Zwischenbericht Teilgebiete hervor.

Demnach sind drei Teilgebiete im Freistaat aufgeführt - alle reichen über Bundesländergrenzen hinweg. Und: Sämtliche 13 Landkreise und kreisfreien Städte sind mit dabei. Die Fläche der Teilgebiete in Sachsen beträgt den Angaben zufolge 11.520 Quadratkilometer - knapp 63 Prozent der Landesfläche.

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Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin - also vor allem Granit - entstehen. Bundesweit kommen 90 Gebiete in Frage. Laut Bericht liegt etwa in der Lausitz das für ein Endlager in Frage kommende Tongestein. Zum ausgewiesenen Teilgebiet mit einer Fläche von rund 2000 Quadratkilometern gehört auch Brandenburg. Zudem liegt nahezu ganz Sachsen in einem großen Teilgebiet für kristallines Gestein, das sich vom Südwesten Deutschlands bis in den Nordosten erstreckt. Als weiteres Teilgebiet für kristallines Gestein wird zudem ein Teil Nordsachsens an der Grenze zu Sachsen-Anhalt und Brandenburg gelistet.

Bergleute gehen durch das ehemaligen Erkundungsbergwerk in einem Salzstock unter Gorleben.
Bergleute gehen durch das ehemaligen Erkundungsbergwerk in einem Salzstock unter Gorleben. © Philipp Schulze/dpa

Nicht nur Sachsen halten die Experten mit Blick auf die Geologie als geeignet: Der Blick auf die Deutschlandkarte zeigt, dass ein Anteil von 54 Prozent als Teilgebiet ausgewiesen ist. Dabei überlagern sich einige Gebiete, die für eine Endlagerung radioaktiver Abfälle überhaupt in Frage kommen. Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Eine Vorfestlegung auf einen Standort ist damit aber noch längst nicht verbunden.

Es gehe darum, den "absolut sichersten" Standort mit der Hilfe eines wissenschaftlichen und objektiven Auswahlverfahrens zu finden, sagte der Staatssekretär für Energie und Klimaschutz, Gerd Lippold (Grüne). Klar sei: "Niemand möchte ein Endlager in seiner Nachbarschaft." Wenn sich allerdings herausstellen sollte, dass Sachsen bundesweit der sicherste Standort ist, müsste das im Sinne des Gemeinwohls akzeptiert werden. "Wir könnten uns dann nicht aus der Verantwortung ziehen", betonte Lippold.

Nun müssten sämtliche Vor- und Nachteile der Gesteinsformationen verglichen werden. Der Freistaat werde sich daran beteiligen und falls nötig auch wissenschaftliche Bedenken vorbringen, erklärte Lippold. Zudem wolle Sachsen darauf dringen, dass Standorte, die sich als ungeeignet erweisen, so früh wie möglich wieder aus dem Verfahren ausscheiden.

Die Linken im Landtag verlangten "umfassende Transparenz" von den Behörden bei der Endlagersuche und eine Beteiligung der Bürger. "Dazu müssen alle Fakten und Daten auf den Tisch", so der Abgeordnete Marco Böhme.

In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen 1900 Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. In Deutschland wird im Jahr 2022 das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet.

Gorleben ist raus

Die Endlager-Suche wurde nach langem Ärger um den Salzstock Gorleben komplett neu gestartet. Ausgehend von einer «weißen Landkarte», auf der erst mal jeder Ort grundsätzlich in Frage kommt, werden mögliche Standorte nun nach wissenschaftlichen Kriterien nach und nach eingegrenzt. Am Ende soll dann aber die Politik die Entscheidung über den Standort treffen - basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Über verschiedene Formate können sich Bürger, Gemeinden und Organisationen in den Prozess einbringen.

Das Atomare Zwischenlager (vorn), sowie das ehemalige Erkundungsbergwerk Gorleben.
Das Atomare Zwischenlager (vorn), sowie das ehemalige Erkundungsbergwerk Gorleben. © Philipp Schulze/dpa

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Zoff hatte es vor allem um Gorleben gegeben, das zu einem Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung geworden war. Manche forderten schon vor der Veröffentlichung des Berichts, den Salzstock als "politisch verbrannt" aus der Suche auszunehmen. Aber auch die bayerische Landesregierung hat Ärger auf sich gezogen, weil sie den Suchprozess anzweifelt und darauf pocht, dass der Untergrund in Bayern nicht geeignet sei. Beides stellte das Prinzip der "weißen Landkarte" in Frage, die erst nach und nach anhand messbarerer Kriterien eingegrenzt wird. (dpa) 

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