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Bürgermeister gründen B96-Arbeitsgruppe

Medienberichte über die "Stillen Proteste" werfen angeblich ein düsteres Licht auf die Gemeinden. Nun haben die Ortschefs im Kreis Görlitz beraten, was zu tun ist.

Proteste gegen die Corona-Maßnahmen an der B96.
Proteste gegen die Corona-Maßnahmen an der B96. © Matthias Weber/photoweber.de

Verena Hergenröder ist in den vergangenen Monaten mehrfach von Journalisten gefragt worden, wie sie den "Stillen Protest" an der B96 einschätze. "Was ist das und wie stehen Sie dazu", haben mehrere Medienvertreter gefragt, erzählt die parteilose Bürgermeisterin. Fernseh- und Radiosender sowie politische Magazine wollten plötzlich ein Statement. Dabei berühren die Proteste ja kaum die Dinge, die sie als Bürgermeisterin beeinflussen kann. So wie ihr geht es auch den Amtskollegen entlang der B96 im Kreis Görlitz. Und so dachte sich Frau Hergenröder: "Warum nicht ein Angebot zu einer gemeinsamen Runde machen, um sich einen Überblick zu verschaffen oder Lösungen für mögliche Probleme zu suchen?", sagt sie.

Ihr Angebot traf den Nerv der Kollegen und seitdem gibt es sozusagen eine "B96-Arbeitsgruppe" für Bürgermeister, in der Oppach, Neusalza-Spremberg, Zittau, Oderwitz, Mittelherwigsdorf und Kottmar vertreten sind. "Es war wichtig, einen Überblick zu bekommen und zu hören, wie unterschiedlich die Lage vor Ort zum Teil ist", bilanziert Frau Hergenröder. So wie ihre Kollegen hat auch sie beobachtet, dass ein Teil der Demonstranten gar nicht aus den Orten selbst kommen, sondern extra anreist - in Oppach zum Beispiel aus Neustadt oder Sebnitz. "Natürlich haben wir uns gefragt, ob man dem etwas entgegen setzen sollte - und wenn ja, was", schildert Frau Hergenröder. Deshalb war Bernd Stracke eingeladen, der mit seinem Beratungsbüro und seinen Erfahrungen auch die Ostritzer Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) im Zusammenhang mit den Nazitreffen beraten hatte.

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Hat ein Treffen der B96-Bürgermeister initiiert: Ebersbach-Neugersdorfs Bürgermeisterin Verena Hergenröder.
Hat ein Treffen der B96-Bürgermeister initiiert: Ebersbach-Neugersdorfs Bürgermeisterin Verena Hergenröder. © Matthias Weber

Eine Reaktion - wie eben mit dem Friedensfest in Ostritz - wird es an der B96 zunächst nicht geben, bestätigt auch Bernd Stracke vom Beratungsinstitut B3. Doch er habe sehr erfreut beobachtet, dass die Bürgermeister sich der Angelegenheit, die gerade durch die mediale Berichterstattung über aggressive Auseinandersetzungen vor Ort einen unschönen Schatten auf die Region wirft, gemeinsam stellen wollen. "Ostritz hat gezeigt, dass Solidarität unter den Bürgermeistern wichtig ist", betont er. Er werde Vorschläge machen, wie man auf solche Herausforderungen reagieren könne.

Mehr und andere Reaktionen hätten die Bürgermeister - da war sich die Runde einig - eher vom Kreis als zuständiger Versammlungsbehörde erwartet. Doch dort sieht man sich mangels eines greifbaren Organisators nicht in der Lage, zu handeln. Das tut die Polizei, wenn Dinge aus dem Ruder laufen. So wie an der Ebersbacher Hauptstraße: "Diejenigen, die sich dort zum Protest treffen, gehen gern mal provozierend langsam über die Straße, so dass man als Autofahrer sehr gut aufpassen muss", schildert Frau Hergenröder.

Sie und ihre Amtskollegen haben zunächst beschlossen, alles zu tun, um die teilweise negative "Atmosphäre nicht zu bestärken" und stattdessen mehr zu informieren als bislang und das, was vor Ort positiv ist, stärker ins Licht zu rücken. Von denen, die Kritik üben, wünsche sie sich, dass sie ihr Anliegen auch an den richtigen Stellen vortragen. "Ich persönlich kann inhaltlich nicht wirklich etwas damit anfangen, wenn neben der Oberlausitz- und der Sachsenfahne eine Kaiserreichfahne weht", sagt sie.

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