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Traumjob Wald: Mehr Frauen drängen in Forstberufe

Waldarbeiterin, Revierförsterin oder Forstreferendarin: Immer mehr Frauen entscheiden sich für einen Beruf im Forst. Auch wenn der Männeranteil nach wie vor überwiegt, sind Frauen in sächsischen Wäldern vergleichsweise stark vertreten – jenseits von TV-Klischees.

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Revierförsterin Anne Borowski schaut im tief verschneiten Winterwald bei Bockau im Erzgebirge beim Holzrücken in ihrem Revier vorbei.
Revierförsterin Anne Borowski schaut im tief verschneiten Winterwald bei Bockau im Erzgebirge beim Holzrücken in ihrem Revier vorbei. © Hendrik Schmidt/dpa

Eibenstock. Dunkle Wälder, wilde Tiere und Einsamkeit machen Anne Borowski keine Angst. Selbst nachts muss sie manchmal alleine los - etwa, wenn Jagd ist oder ein verletztes Reh gemeldet wird. Stundenlang, sagt die junge Revierförsterin aus dem Erzgebirge, streift sie durch die Wälder. Nur Dackeldame Inge leistet dann Gesellschaft. "Ich liebe die Ruhe, es war mein Wunsch, im Erzgebirge eingesetzt zu werden", erzählt die Revierleiterin in Bockau im Forstbezirk Eibenstock.

Die 29-Jährige trägt die Verantwortung für 1.500 Hektar Staatswald. "Ich überlege mir, wie er sich in Zukunft entwickeln soll. Es ist faszinierend, die Umwelt zu gestalten und Ergebnisse zu sehen." Sie plant und überwacht die Holzernte, das Pflanzen neuer Bäume und die Jagd in ihrem Revier. Vier Waldarbeiter unterstützen sie. "Ich würde mich mit einer Managerin für den Wald vergleichen." Fragen zur Wirtschaftlichkeit seien ebenso wichtig wie der Naturschutz. Dabei ist Borowski die einzige Frau, die für eines der 13 Reviere im Forstbezirk Eibenstock verantwortlich ist.

Doch die Zahl der Frauen, die in Forstberufen arbeiten, könnte in Sachsen künftig steigen, wie Sachsenforst-Sprecher Renke Coordes erläutert. Denn bei allen Ausbildungen des Staatsbetriebs habe in den vergangenen Jahren der Frauenanteil zugenommen. "Die Zahlen zwischen Männern und Frauen gleichen sich immer mehr an." Auch die aktuellen Jahrgänge spiegelten den Trend wider. Bei der Anwärter-Ausbildung zum Revierleiter gab es im letzten Jahr 20 Männer und 10 Frauen – in diesem Jahr 17 Männer und 13 Frauen. Sie sind dann wie Anne Borowski für ein eigenes Revier zuständig.

Revierförsterin Anne Borowski trägt Verantwortung für 1.500 Hektar Staatswald.
Revierförsterin Anne Borowski trägt Verantwortung für 1.500 Hektar Staatswald. © Hendrik Schmidt/dpa

Bei der Fortbildung zum Forstreferendar, dem mehrere Revierleiter eines Gebietes unterstehen, verzeichnete Sachsenforst im letzten Durchgang drei Frauen und zehn Männer. "Und ab diesem Juni haben wir fünf Frauen und neun Männer", sagt Coordes.

Gegenwärtig seien ein Viertel der 1.400 Beschäftigten beim Staatsbetrieb weiblich und zehn Prozent der 192 Reviere in Frauenhand. "Durch die Zunahme der Frauen in den Ausbildungen gehen wir davon aus, dass ihr Anteil in allen Forstberufen und Karrierestufen zunehmen wird."

Das betrifft auch die Ausbildung zum Forstwirt. "Eine Tätigkeit, die körperlich herausfordernd ist", sagt Coordes. Zwölf Prozent der Forstwirt-Azubis des Staatsbetriebes seien derzeit Frauen. Bisher lag ihr Anteil in dem Beruf bei etwa fünf Prozent. Dies habe auch mit einem veränderten Berufsbild zu tun. Natürlich müsse die körperliche Eignung vorhanden sein. "Aber es geht viel um Bestandspflege und die Entwicklung von naturschutzrelevanten Aspekten." Inzwischen würden Forstmaschinen die schwerste Arbeit im Wald übernehmen.

In den östlichen Bundesländern sind Frauen im Forst stärker vertreten, weiß Christiane Lorenz-Laubner, Vorsitzende des bundesweit aktiven Vereins "Frauen im Forstbereich". Eine Umfrage für eine Bachelorarbeit ergab für 2022, dass bei Landesforstverwaltungen im Bundesdurchschnitt rund 13 Prozent forstlich ausgebildete Frauen beschäftigt sind - das seien knapp 1.900.

Im Forstbezirk Eibenstock ist Anne Borowski die einzige Frau, die für eines der 13 Reviere verantwortlich ist.
Im Forstbezirk Eibenstock ist Anne Borowski die einzige Frau, die für eines der 13 Reviere verantwortlich ist. © Hendrik Schmidt/dpa

Auffallend höher liegt ihr Anteil mit 24 Prozent in Sachsen. "Das ist in den neuen Bundesländern der DDR-Geschichte geschuldet. Frauen hatten damals im Forst bessere Berufschancen", sagt Lorenz-Laubner.

Doch der Trend zu mehr Frauen in der Forstverwaltung ist auch bundesweit spürbar. 2017 wurden bei einer ähnlichen Umfrage noch neun Prozent registriert. Der deutschlandweite Frauenanteil in der Forstwirtschaft insgesamt - dazu gehören auch Betriebe in Privat- und Kommunalwäldern - sei nicht bekannt.

Nicht zu unterschätzen sei die Rolle einer TV-Figur bei der Außenwirkung des Berufes, findet Lorenz-Laubner, selbst Revierförsterin im niedersächsischen Harz. "Die prominente Försterin im ZDF-Erzgebirgskrimi macht natürlich Werbung dafür und könnte Frauen dazu ermuntern, sich für diesen Weg zu interessieren."

Anne Borowski als echte Försterin aus dem Erzgebirge sieht in ihrem Berufsalltag allerdings deutliche Gegensätze zu ihrem Pendant im Fernsehen: "Unser Tag ist klar strukturiert, wir hätten keine Zeit, uns in andere Dinge einzumischen." Die Arbeit im Wald sei geprägt vom Klimawandel, dem Borkenkäferbefall, intensiviertem Waldumbau und den steigenden Ansprüchen der Bevölkerung. Manchmal bedeute es, sich durch Tiefschnee oder mannshohe Brombeersträucher zu kämpfen. Auch sei der Fachkräftemangel in der Forstwirtschaft spürbar. "Das macht es schwer für einen einzelnen Menschen, eine derart große Fläche Natur genau zu überblicken. Gelegentlich stoßen meine Kollegen und ich an unsere Belastungsgrenzen." Und das betreffe Frauen und Männer gleichermaßen. (dpa)