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Lebenslänglich für Mörder von Suzanne Eaton

Die Dresdner Wissenschaftlerin Suzanne Eaton ist im vergangenen Jahr auf der griechischen Insel Kreta ermordet worden. Am Dienstag wurde der Täter verurteilt.

Tagelang wurde auf Kreta nach Suzanne Eaton gesucht. Die Molekularbiologin forschte am Dresdner Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik.
Tagelang wurde auf Kreta nach Suzanne Eaton gesucht. Die Molekularbiologin forschte am Dresdner Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik. © privat

Rhetymno. Sie ertrug es nicht lange, mit dem Mörder ihrer Schwester in einem Raum zu sein, dann musste sie das Gerichtsgebäude verlassen. Es sei ihr wichtig gewesen, allen zu sagen, "was für eine außergewöhnliche und begabte Frau" Suzanne Eaton gewesen sei, sagte Julie Eaton Broaddus am Dienstag gegenüber Medienvertretern.

Sie war mit einer Sondergenehmigung aus den USA zum Prozessbeginn nach Griechenland eingeflogen, aber wollte nicht länger den 28-jährigen Angeklagten, der die Tat gestanden hat, in ihrer Nähe wissen.

Der Fall Suzanne Eaton mit all seinen grausamen Details ist auch in Sachsen vielen im Gedächtnis geblieben. Es begann im vergangenen Juli mit einer tagelangen verzweifelten Suche nach der 59-jährigen US-Amerikanerin, die zu einer Tagung nach Kreta gereist war. Die renommierte Forscherin des Dresdner Max-Planck-Instituts für Genetik und Molekulare Zellbiologie war von ihrem Hotel aus zu einer Jogging-Runde aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Tagelang wird nach ihr gesucht, doch keine Spur. Erst Tage später wird die Leiche der zweifachen Mutter in einer rund 15 Kilometer entfernten Höhle gefunden. Misshandelt, vergewaltigt, erstickt.

Mit schusssicheren Weste vor Gericht

Recht schnell gehen die lokalen Ermittler davon aus, dass eigentlich nur ein Einheimischer mit genauer Kenntnis der Höhlenzugänge als Täter infrage kommt.  Recht schnell stießen die Ermittler auf den 28-jährigen Priestersohn Yannis P.. Er soll nach Angaben der Ermittler Suzanne Eaton zweimal mit seinem Auto angefahren haben, die Verletzte dann im Kofferraum verschleppt, vergewaltigt und in die alte Höhle geworfen haben, die im Zweiten Weltkrieg als Bunker genutzt worden sein soll.

Am ersten Prozesstag saß Yannis P., dem die Anklage Totschlag und Vergewaltigung vorwirft, mit einer schusssicheren Weste vor Gericht. Am frühen Abend dann das Urteil: Yannis P. wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht in der kretischen Küstenstadt Rethymno sah es als erwiesen an, dass P. die Biologin vergewaltigt und getötet hat. Mildernde Umstände, die die Verteidigung vorgebracht hatte, waren vom Gericht nicht angenommen worden.

Der Verurteilte hatte während des Verfahrens geltend gemacht, es habe sich um einen Unfall gehandelt, und hatte die Vergewaltigung stets bestritten, berichtete die griechische Zeitung "To Proto Thema". Er habe seine ursprünglichen Aussagen auf Druck der Polizei hin gemacht.

Eatons Ehemann, Antony Hyman, der als Nebenkläger im Prozess auftritt, schaffte es emotional nicht, selbst an dem Gerichtsverfahren auf Kreta teilzunehmen. Zu belastend sei das Ganze noch immer für ihn und seine zwei erwachsenen Söhne. "Der Prozess hat das Ganze wieder aufgerissen", sagte Antony Hyman in einem Mdr-Interview. Rachegefühle habe er nicht, nur Traurigkeit und Sehnsucht. Er vertraue auf den Rechtsstaat. "Es muss einen Prozess geben, aber das hilft mir nicht." 

Seine Frau sei immer so glücklich auf Kreta gewesen, sagte Hyman weiter. Dass ausgerechnet dieser Ort für sie zum Albtraum wurde, sei für ihn nur schwer zu ertragen. "Meine Frau fehlt mir jeden Tag. Wir haben gedacht, dass wir alt miteinander werden", trauert Hyman still. Er ist weiterhin am Max-Planck-Institut in Dresden forschend tätig. 

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Die aus Oakland (Kalifornien/USA) stammende Biologin war 2000 an das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) nach Dresden gekommen. Mit ihrem Team erforschte sie an Fruchtfliegen, wie Zellen miteinander kommunizieren, um Gewebe einer bestimmten Größe und Form zu bilden. Als Professorin am Biotechnologischen Zentrum der TU Dresden war sie zudem maßgeblich beteiligt am Erfolg der Hochschule in der Exzellenzinitiative. (SZ mit dpa)

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