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Exklusive Wohnlandschaft mit Blick auf die Elbe

Siegbert Langner von Hatzfeldt baute in der Dresdner Neustadt das Haus Wagner. Teil 2 unserer Serie "Modernes Wohnen".

Blick auf das Haus Wagner in der Nähe der Dresdner Saloppe.
Blick auf das Haus Wagner in der Nähe der Dresdner Saloppe. © Jürgen Lösel

Dresdner Architektur ist schon immer landschaftsbezogen. Das sagt der Architekt Siegbert Langner von Hatzfeldt und zieht daraus Schlüsse für seine Entwürfe. Die Elbe sieht er als die natürliche Achse und den Rhythmus zwischen Natur und Bauwerk als konstruktives Element. Der Fluss und seine Talhöhen würden ein filigranes, maßvolles Vorbild geben für eine klassische Klarheit, an die sich alle bedeutenden Baumeister seit der Renaissance gehalten haben, selbst im barocken Überschwang. „Wir als Architekten müssen beherzigen, dass eine besonders anmutige Landschaft von allen Seiten gleichsam in die Stadt hereinschaut, und dass ihre berühmten Bauwerke mit dieser Natur einen Dialog unterhalten“, sagt von Hatzfeldt.

Mit dieser These ging er 2011 gemeinsam mit seinem 2018 verstorbenen Partner Heinz Schönwälder an die Gestaltung eines exklusiven Dresdner Grundstücks auf der nördlichen Elbseite zwischen der Bautzner Straße 122 und Körnerweg, unweit des ersten Dresdner Wasserwerks Saloppe. Ursprünglich angelegt hatte es 1825 der Dresdner Hofrat und erste bürgerliche Großmeister der Großen Landesloge der Freimaurer von Sachsen Carl Gottfried Theodor Winkler (1775 – 1856). 1847 kaufte ihm der Verleger Heinrich Brockhaus den Grundbesitz neben der heutigen Brockhausstraße ab, ließ einen Landschaftspark im Stil der Romantik anlegen und verzierte ihn mit Blumenrabatten, Baumgruppen, verschlungenen Wegen und antiken Statuen.

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Auf der Erhebung inmitten des Parks entstanden später zwei villenartige Häuser, die von mehreren Generationen der Brockhausfamilie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts teils als Sommersitz, teils als ständige Wohnung genutzt wurden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Zerstörung des Parks durch den Bau eines Panzerabwehrgrabens. Ab 1952 beschlagnahmte die Bezirksbehörde der DDR-Staatssicherheit fast die Hälfte der Liegenschaft und ließ darauf für seine Mitarbeiter Großblockbauten als Wohnhäuser errichten, gesichert durch eine Betonmauer. Den Rasen überdeckende Betonflächen, Stacheldrahtverhaue, rostende Leuchten, alte Baracken und Bunker waren das Erbe. Nach 1990 stand die Brache fast 20 Jahre leer.

Zur Aufgabe der Architekten gehörte es, innerhalb einer landschaftlich einmaligen Umgebung modernes Design mit denkmalgeschützten Objekten zu verbinden. Dafür gab es mehrere sehr unterschiedliche Ideen und Entwürfe, bis ein Bauherr, der Unternehmer Matthias Wagner, das gesamte Gelände 2010 kaufte und nicht nur einen Wohnpark mit sechs Häusern bauen ließ, sondern auch seine private Immobilie.

Eine Terrasse mit Ausblick
Eine Terrasse mit Ausblick © Büro Langner von Hatzfeldt

Es ist Wagners Verdienst, das verrottete Gelände mit großem Aufwand wieder in einen Park verwandelt zu haben. Sein Haus, das „Haus Wagner“, bildet den Endpunkt in einer Reihe stehender Villen am Elbhang. In seiner Schrägstellung entsteht eine Bewegung, die zu den Flussauen und der darunter stehenden Saloppe, die kürzlich zum Loft umgebaut wurde, überleitet. Die Villa der Wagners ist ein außergewöhnliches Objekt, das ohne Zweifel zum Exklusivsten gehört, was in den vergangenen zehn Jahren in Dresden entstand. „Die Architektur steht zum einen in der Tradition der Unternehmervillen aus der Gründerzeit und zum anderen in dem Versuch einer Interpretation der Moderne“, sagt von Hatzfeldt.

Sein architektonisches Konzept erklärt er mit Begriffen wie Klarheit, Einfachheit, Aufrichtigkeit, was in der Sprache der Architektur mit Sachlichkeit bezeichnet werden kann. Das dreistöckige Gebäude steht oberhalb des Körnerwegs über der Sandstein-Stützmauer, es erhebt sich gleich den benachbarten Villen über einem Sockel. Hatzfeldt will das als Teil der Architektur verstanden wissen. „Ich wollte ein Gebäude, das die klare Linie der Landschaft und der bestehenden Gebäude aufnimmt“, sagt der Architekt. „Uferlinie, die Stützmauerlinie, die Dachlinie stehen in einem Wechselspiel zueinander und bilden ein Ganzes“, erklärt er.

Die Einfamilienvilla gliedert sich von der Elbe aus gesehen zum einen in einen gläsernen, transparenten Gebäudetrakt, zum Teil zweigeschossig mit Galerie, Wohn- und Arbeitsräumen. Die geschosshohen Glasflächen sind weit zurückgesetzt und lassen das Gebäude filigran und durchsichtig erscheinen. 

© Büro Langner von Hatzfeldt

Parallel dazu gibt es zum anderen dahinter einen baulich geschlossenen Trakt, in dem sich sämtliche Technik sowie alle Schlaf-, Wirtschafts- und Nebenräume befinden. Die ebene Dachfläche wird von 14 Stützen getragen, die in einer regelmäßigen klassischen Ordnung stehen, so wie es bei dem Skelettbau konstruktiv sinnvoll ist. Die Dachfläche ragt weit aus und verleiht dem Gebäude eine schwebende Leichtigkeit. Der Innenraum durchdringt den Außenraum und der Außenraum führt in das Innere des Hauses. Die wechselseitige Durchdringung bindet das Haus an den Ort. Dach und Geschossflächen sind einander versetzt und auf diese Weise von dynamischer Wirkung.

Auch eine Sauna darf hier nicht fehlen.
Auch eine Sauna darf hier nicht fehlen. © Büro Langner von Hatzfeldt

In seiner filigranen Leichtigkeit, seiner klaren Struktur und Eleganz ist das Gebäude Sinnbild des Bemühens, auf moderne Weise eine Entsprechung zur Dresdner Villenarchitektur der Vergangenheit zu sein.

Auch wenn der Wohnpark von der Bautzner Straße her durch ein Tor geschlossen ist, sind alle Wohngebäude in ihrer Beziehung zueinander und zur Landschaft von der Elbe her sichtbar. Hier bietet Architektur ein Wohnen, das der exklusiven Landschaft gerecht wird, aber ohne Zweifel auch die soziale Klassifizierung der Gesellschaft zeigt. Gegenüber liegt die Johannstadt mit ihren Plattenbauten. Neu ist diese Unterschiedlichkeit nicht, aber in jedem Fall eine moderne Interpretation.

Alle Folgen der neuen Serie "Moderner Wohnen" lesen Sie hier.

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