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Salzfrachter hinterlässt Loch in der Elbe

Das ausgespülte Flussbett wird in dieser Woche mit Granitsteinen verfüllt. Die Rechnung geht nach Tschechien.

© Sven Ellger

Von Sandro Rahrisch

Der Salzfrachter „Albis“ hat doch größere Schäden am Elbe-Flussbett verursacht, als vermutet. Während das Schiff im März eine Woche lang steif und starr an der Albertbrücke lag, sind darunter ein Meter bis 1,60 Meter Kies weggespült worden. „Unter dem Schiff herrschte eine starke Strömung“, sagt Klaus Kautz, Sprecher des Dresdner Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA).

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Bildfolge: So kam die "Albis" frei

Die Bergung der "Albis"

Auf jeder Uferseite steht ein Kettenfahrzeug bereit.
Auf jeder Uferseite steht ein Kettenfahrzeug bereit.
An Stahlseilen sollen die schweren Fahrzeuge die "Albis" flussaufwärts bewegen.
An Stahlseilen sollen die schweren Fahrzeuge die "Albis" flussaufwärts bewegen.
Bei den beiden Kettenfahrzeugen handelt es sich um Panzer des sowjetischen Typs T 72-B. Die beiden Fahrzeuge kamen auf Tiefladern aus Pilsen und Ostrau nach Dresden.
Bei den beiden Kettenfahrzeugen handelt es sich um Panzer des sowjetischen Typs T 72-B. Die beiden Fahrzeuge kamen auf Tiefladern aus Pilsen und Ostrau nach Dresden.
Auch das Schleppschiff "Beskydy" wird den Frachter an Seilen ziehen.
Auch das Schleppschiff "Beskydy" wird den Frachter an Seilen ziehen.
Am Vormittag laufen die Vorbereitungen auf die für 12 Uhr geplante Bergung.
Am Vormittag laufen die Vorbereitungen auf die für 12 Uhr geplante Bergung.
Deutsche und tschechische Einsatzkräfte arbeiten eng zusammen. Die schwere Bergetechnik ist auch aus Tschechien.
Deutsche und tschechische Einsatzkräfte arbeiten eng zusammen. Die schwere Bergetechnik ist auch aus Tschechien.
Auch Reeder Lukas Hradsky, für den die havarierte "Albis" unterwegs ist, ist vor Ort.
Auch Reeder Lukas Hradsky, für den die havarierte "Albis" unterwegs ist, ist vor Ort.
Seit vergangener Woche Montag liegt die "Albis" quer vor der Albertbrücke.
Seit vergangener Woche Montag liegt die "Albis" quer vor der Albertbrücke.
Seither pilgern täglich Menschen zum Havarieort.
Seither pilgern täglich Menschen zum Havarieort.
Seither pilgern täglich Menschen zum Havarieort. Die "Albis" ist zu einer Attraktion geworden. Am Montag sind schon lange vor Beginn der Bergungsaktion zahlreiche Menschen gekommen.
Seither pilgern täglich Menschen zum Havarieort. Die "Albis" ist zu einer Attraktion geworden. Am Montag sind schon lange vor Beginn der Bergungsaktion zahlreiche Menschen gekommen.
Die "Albis" ist zu einer Attraktion geworden. Am Montag sind schon lange vor Beginn der Bergungsaktion zahlreiche Menschen gekommen.
Die "Albis" ist zu einer Attraktion geworden. Am Montag sind schon lange vor Beginn der Bergungsaktion zahlreiche Menschen gekommen.

Das Loch ist so lang und breit wie die „Albis“ selbst – rund 85 mal 7 Meter, vor allem zum Altstädter Ufer hin, wo der Schiffsbug lag. Seit Dienstag wird es nun verfüllt.

Sonst baggert das WSA regelmäßig abgelagerten Kies und Sand aus der Fahrtrinne. Das ist wichtig, damit die Elbeschiffe nicht irgendwann einmal auf Grund laufen. „Jetzt ist es aber umgekehrt“, so Kautz. Der Schwimmbagger „Meißen“ schaufelt Material in das Flussbett hinein. Allerdings wird die Sohle nicht mit Kies wieder aufgebaut, sondern mit 1 300 Tonnen Granit.

Das Schiff holt die etwa 20 mal 30 Zentimeter große Steine aus dem Lager am Neustädter Hafen ab, bringt sie zur Albertbrücke und lädt sie schließlich in die Auskolkung. Die Steine seien nicht nur ein wirksamer Schutz für die Brückenpfeiler, sagt Kautz. Selbst starke Strömungen könnten sie nicht so leicht wegspülen.

Eine Gefahr für Schiffe, sich an den Steinen den Rumpf aufzureißen, bestehe kaum, da die Fahrrinne ihre reguläre Tiefe behält und Schiffe ohnehin einen Sicherheitsabstand zur Sohle einhalten müssen. Über die Kosten konnte das WSA am Dienstag nichts sagen. Allerdings habe die Reederei der „Albis“, die europäische Wassertransportgesellschaft in Tschechien, zugesichert, dass deren Versicherung für den Sohleaufbau aufkommen wird.

Inzwischen hat Reeder Lukas Hradsky die Gesamtkosten beziffert, die dem Unternehmen durch die Salzentladung und die Bergung entstanden sind. Er rechnet mit einem Betrag von rund 73 000 Euro, sagte er der englischsprachigen Internetzeitung „Prague Daily Mirror“. Hinzu kommen die Einsatzkosten der Dresdner Berufsfeuerwehr. Geld kostet außerdem die Zwischenlagerung des Salzes im Alberthafen und der Lkw-Transport nach Tschechien.

Die „Albis“ drehte am 14. März auf ihrem Weg von Rotterdam nach Tschechien kurz hinter der Albertbrücke plötzlich quer. Die Strömung drückte sie zurück, direkt gegen die Pfeiler. Als Havarieursache wird ein Motorschaden vermutet. Erste Schleppversuche scheiterten, da das Schiff viel zu schwer war.

Die 800 Tonnen Salz mussten zunächst aus dem Frachtraum abgesaugt und ausgebaggert werden. Die Entladung dauerte mehrere Tage und verlief nicht von Anfang an problemlos, da das Salz an der feuchten Luft klumpte. Am 21. März gelang es schließlich, den Frachter mit zwei Bergepanzern von Land aus und einem weiteren Schiff auf der Elbe freizuschleppen. Neben einem kleinen Loch im Schiffsrumpf kam die „Albis“ aber ohne Schäden davon.

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Inzwischen steht auch fest, welche Folgen die Albertbrücke davongetragen hat. Am ersten und zweiten Pfeiler ist Sandstein abgeplatzt. Die Statik sei aber keinesfalls gefährdet, erklärte Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz. Die Brücke kann ungehindert fertigsaniert werden. Die Reparatur des Flussbetts soll eine Woche dauern. Schiffe können in dieser Zeit weiter den Brückenbogen passieren.