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Sanierung wird günstiger

Der Umbau des Hauses Markt 5 kostet weniger Geld als geplant. Die Stadt spart Fördermittel.

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© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Lommatzsch. Rico Kleinhempel ist selbst ein bisschen überrascht. Der Dachdeckermeister aus Döbeln ist der Eigentümer des denkmalgeschützten Hauses Markt 5 in Lommatzsch, das er gerade sanieren lässt. Ein paar Wochen war er nicht auf der Baustelle. „Durch das günstige Wetter sind wir schneller vorangekommen als gedacht“, sagt er. Das alte Dach ist runter, das neue fast fertig. Fehlen nur noch die Ziegel. Das müssen wieder Biberschwänze sein. Diese werden gerade vom Denkmalschutz geprüft. „Wir hoffen, das Dach bald fertig decken zu können, um zügig mit Fenstern und Fassade weitermachen zu können“, sagt Kleinhempel.

Wie die Fassade einmal aussehen wird, können die Lommatzscher jetzt schon sehen. Der Unternehmer hat weder Kosten noch Mühe gescheut und eine Plane in Originalgröße für 2 500 Euro anfertigen lassen, die über dem Gerüst hängt und das Bild vom künftigen Aussehen zeigt. Für die 24 mal zehn Meter große Planung gibt es sogar schon einen Nachnutzer. Der Lommatzscher Carnevalsclub hat angefragt, ob er diese künftig haben kann. „Wir wollen damit den großen Saal im Schützenhaus zu unseren Veranstaltungen schmücken“, sagt Steffen Richter vom Lommatzscher Verein.

Neue Filiale wird kleiner, aber moderner

Bis die Plane entfernt wird und das Gerüst fällt, wird aber noch einige Zeit vergehen. Im Inneren geht es zügig voran. Die Fußböden mussten aufwendig saniert werden. „Es gab nur Holzbalken, und drinnen wurde mit Dreck aufgefüllt“, sagt Rico Kleinhempel. Der Dreck wurde rausgekarrt, Betonfußböden eingebaut. Die wurden teilweise so weit abgesenkt, dass die Räume von der Straßenseite künftig ebenerdig, also ohne Treppe, zu erreichen sind. Wichtig ist das vor allem für Kunden der Sparkasse, denn die wird in dem Haus ihre Filiale einrichten, wie Sprecher Ralf Krumbiegel bestätigt. Dafür wird die Zweigstelle neben der Apotheke geschlossen. „Das Objekt dort ist nicht mehr zeitgemäß, vor allem zu groß“, sagt Ralf Krumbiegel. Die neue Filiale werde kleiner, aber moderner. Die Fläche wird von jetzt 300 auf dann rund 160 Quadratmeter fast halbiert. „Wir verkleinern uns bewusst, aber das Angebot bleibt bestehen“, versichert der Sparkassensprecher. Mit einer Ausnahme: Schließfächer wird es in Lommatzsch künftig nicht mehr geben. Die Kunden seien bereits im Dezember vorigen Jahres darüber informiert worden.

Auch für andere Räume hat Kleinhempel schon Mieter. Den größten Bereich wird eine Tagespflege einnehmen. Und auch die Polizei wird in dem Objekt künftig vertreten sein. Der Posten, der derzeit im ehemaligen Knürr-Gebäude eingerichtet ist, zieht auf den Markt mitten in die Stadt um.

Zu vergeben sind noch Gewerberäume mit einer Größe von rund 80 Quadratmetern. Rico Kleinhempel wünscht sich eine Physiotherapie, ist aber auch für andere Mieter offen. „Ich bin sehr optimistisch, dass ich diese Räume bald vermieten kann“, sagt er. Und auch die 170 Quadratmeter große Wohnung im Obergeschoss ist noch zu haben.

Die Baukosten werden voraussichtlich von ursprünglich geplanten 1,5 Millionen um 300 000 Euro sinken. Grund ist, dass bei den Ausschreibungen günstigere Preise angeboten wurden als kalkuliert. Das hat auch Vorteile für die Stadt. Sie hat ihre gesamte Städtebauförderung der nächsten Jahre in die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses gesteckt, ursprünglich eine halbe Million Euro. Der Fördermittelzuschuss wird durch die geringeren Baukosten nun voraussichtlich auf 350 000 Euro sinken. Bleiben also 150 000 Euro für die Umgestaltung des Marktplatzes.

Keller im Hof gefunden

Von größeren Überraschungen blieben die Bauleute bisher verschont. Sie entdeckten eine Treppe, die darauf hindeutet, dass das Gebäude wohl mal aus zwei getrennten Häusern bestand. Und im Hof wurden Keller gefunden, von denen bisher niemand wusste. Sie sollen nun gleich als Schächte für den Fahrstuhl des Anbaus genutzt werden.

Dieser Anbau soll voraussichtlich im Mai beginnen. Kleinhempel rechnet mit einer Bauzeit von vier Wochen. Das neue Gebäude soll mit dem alten verbunden und von der Tagespflege genutzt werden. Im Juni und Juli soll der Innenausbau erfolgen. „Ich bin optimistisch, dass im August die Arbeiten so weit beendet sind, dass die Mieter einziehen können“, sagt der Unternehmer aus Döbeln. Dann bleiben höchstens noch Restarbeiten wie das Anlegen der 16 Parkplätze. Und dann ist eine der schlimmsten Ruinen in der Stadt Lommatzsch verschwunden.