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Sarrasanis Tiger in Ottendorf brauchen noch Geduld

Der insolvente Magier kämpft um Gäste und seinen Ruf.

© René Meinig

Von Andreas Weller

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Dresden/Rödertal. Eine Assistentin schlängelt sich in eine schmale Kiste, darüber kommt ein dunkles Tuch, sie wird scheinbar von brennenden Pfeilen durchbohrt. Als André Sarrasani aber das Tuch von der Kiste zieht, ist die Frau gar nicht drin. Wenig später steht sie wieder unversehrt neben dem Magier. Im Trocadero am Elbepark schafft Sarrasani Illusionen. Neben der Bühne herrscht aber knallharte Realität. Was man dem Magier auf der Bühne nicht anmerkt: Er hat Schulden, seine Firma ist insolvent und weil Sarrasani mit seinem Namen dafür bürgt, ist er auch privat insolvent.

Beste Bedingungen für Sarrasanis weiße Tiger: In ihrem Areal mit Pool und großem Außenbereich in Ottendorf-Okrilla geht es den Tigern gut. Sie sollen auch ins Programm zurückkehren.
Beste Bedingungen für Sarrasanis weiße Tiger: In ihrem Areal mit Pool und großem Außenbereich in Ottendorf-Okrilla geht es den Tigern gut. Sie sollen auch ins Programm zurückkehren. © Thorsten Eckert

Der Illusionist hat Investoren und Gesellschafter gefunden, arbeitet als angestellter Geschäftsführer in einer neuen Firma und will mit seinem alten Konzept den Neustart schaffen. „Die Saison läuft gut“, so Sarrasani. Bisher habe er rund 7 000 zahlende Besucher gehabt und die Shows laufen bis 4. Februar. „Im Moment sieht es so aus, dass wir mit einer schwarzen Null abschließen können“, hofft er. Insgesamt 10 000 Tickets müsse er dafür verkaufen.

Doch wie funktioniert das? Den Druck von 1,2 Millionen Euro angemeldeten Schulden, eine Firma in den Sand gesetzt zu haben, zu wissen, dass er noch sechs Jahre privat insolvent ist und dass alles gepfändet wird, was über der Freigrenze von rund 1 900 Euro liegt und trotzdem den zahlenden Gästen die perfekte Illusion zu bieten? „Wenn ich auf der Bühne bin, blende ich das komplett aus“, erzählt Sarrasani. „Natürlich ist da auch ein großer Teil Schauspielerei dabei. Aber ich liebe meinen Job.“ Der Druck sei jetzt auch nicht mehr so hoch wie vor dem Neustart. Als Entertainer will er Menschen unterhalten, betont er. „Das mache ich nicht für das große Geld, sondern weil es mir und den Besuchern der Shows Spaß macht.“

Er hofft, dass seine Geldgeber weiter hinter ihm stehen. Zwei bis drei Jahre, rechnet Sarrasani, müsse er das Geschäft wieder langsam aufbauen. „Die vergangene Saison lief ziemlich schlecht. Da haben wir viele Gäste an die Konkurrenz verloren. Die wollen wir uns möglichst zurückholen.“ Die Konkurrenz sind andere Dinner-Shows wie „Mafia Mia“ und auch der Weihnachtszirkus. „Ich will den Rang zurück, die erfolgreichste Dinner-Show in Dresden zu sein und das ausbauen.“ Der Name seiner Familie verpflichte auch dazu. Seine finanziellen Verpflichtungen, also seine Schulden, wird er nicht oder nur zum Teil bedienen können. Im Insolvenzverfahren hatte der Verwalter Masseunzulänglichkeit angezeigt. Der Wert der Pleite-Firma deckt nicht die Höhe der Verbindlichkeiten. Sarrasani sagt selbst, er habe Fehler gemacht. „Aber das habe ich nicht vorsätzlich getan, um anderen zu schaden oder mir einen Vorteil zu verschaffen. Deshalb habe ich auch kein schlechtes Gewissen gegenüber den Gläubigern.“ Es sei „blöd“, dass einige auf ihren Forderungen sitzenbleiben werden. Aber der Magier hoffe, dass sie wenigstens einen Teil des Geldes wiederbekommen. Derzeit versucht der Insolvenzverwalter, Teile des maroden Unternehmens zu verkaufen und die Verbindlichkeiten möglichst zu reduzieren. „Die seriöse Schätzung einer möglichen Quote für die Gläubiger ist erst am Ende des Verfahrens möglich“, so dessen Sprecher Ingo Schorlemmer. Sarrasani will sich auf die Show konzentrieren. In der hat er bereits einen neuen Publikumsliebling: Panther-Mädchen Jada. Sie ist beim Finale auf der Bühne. Derzeit ist die gut drei Monate alte Raubkatze häufig mit in der Plattenbauwohnung. „Das funktioniert vielleicht sechs Monate, dann ist sie zu groß.“ Später soll sie eine größere Rolle in den Shows bekommen. Jada sei aber kein Ersatz für die drei weißen Tiger, betont Sarrasani. Die sind ja bekanntlich in einem großzügigen Gehege in Ottendorf-Okrilla untergebracht. „Das mit dem Panther hat sich so ergeben.“ Jada stammt aus der Nähe von Paris, wurde von ihrer Mutter verstoßen. Auftreten werden die Tiger in dieser Saison aber erneut nicht im Trocadero. „Das wäre Unsinn. Mir geht es zwar gut, aber ich bin noch nicht wieder bei 100 Prozent, vielleicht bei 90. Für die Tiger brauche ich aber die volle Konzentration.“

Ob sie in der kommenden Saison, zum Ende des Jahres, eine Rolle spielen werden, lässt André Sarrasani noch offen. Klar ist: Er braucht ein neues Konzept. Die dreiteilige Elements-Show wird im Februar beendet. „Das Grundprinzip – Dinner und Show – wird bleiben. In den kommenden Tagen werde ich mit den Gesellschaftern darüber sprechen.“ Die persönliche Nähe zum Publikum wolle er ausbauen, denn das werde gewollt. Zudem muss noch der Verbleib im Elbepark geklärt werden. Am liebsten würde André Sarrasani am Ende der letzten Elements-Show verkünden, dass es demnächst die Tickets für die neue Saison gibt und wann sie im Elbepark startet.